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Notizen zu einem Sport-Referendariat in Bremen

26. Mai, LIS

16.06.2010 - das Interview führte W. Meyer

Du bist Referendarin kurz vorm Examen. In welcher Schulstufe bist du?
Ich bin in der SekII eingesetzt mit 4 Stunden.

Wie läuft es an Schule und Seminar?
Ich habe noch Englisch mit 8 Stunden und im Seminar treffen wir uns 14tägig, das kann bei EW, Englisch und Sport bei Überschneidungen stressig sein. Trotzdem brauche ich diesen Austausch untereinander, um zu erfahren wie es bei anderen läuft. In meiner Schule sind im Sport nur Männer tätig, dafür wird es Gründe im Rollenverständnis der Einzelnen geben, denn es fällt wirklich auf. Dann gibt es nur 2 Sportstunden, obwohl ja drei vorgesehen waren. Im Rahmenplan gibt es Neigungsfelder ab Klasse 12.

Wie wird das bei Oberschule und Gymnasium in Zukunft in der Ausbildung?
Das müsste dann eine sehr viel breitere Ausbildung sein, vom Förderkind bis hin zum Gymnasium. Konkret weiß ich aber nicht wie das aussieht.

Wie sieht dein Referendariat aus?
Gut ist, dass es einen hohen Anteil an Praxis gibt. Wir bereiten Unterrichtseinheiten zusammen vor, führen sie durch und machen auch eine gemeinsame Auswertung. Natürlich gibt es auch Theorie wie Trainingslehre, Sporttheorie mit Sportdidaktik. Wir haben Glück, denn unsere Seminarleitung ist sehr engagiert. Leider ist unsere Schul-Halle zum Teil zu klein für die Menge an Schülern, also eine Drittelhalle für 30 Schüler mit Bewegungsdrang ist zu wenig. Ich würde z.B. gern Tanz anbieten. Das läuft bis jetzt noch nicht. Außerdem gibt es Überlegungen Sport eventuell als 4. Prüfungsfach dazuzunehmen.

Wann hast du 1. Examen gemacht und wo?
Ich bin noch vor der Umstellung auf Bachelor und Master in Bremen ausgebildet, das neue scheint für viele mehr Stress und stringenter zu sein. Die Uniausbildung wird ja leider abgeschafft. Das ist nicht gut für Bremen, auch weil gerade die Uni mit ihren Anlagen innen und außen renoviert worden ist. Ich habe schon Erfahrungen gemacht in der Stadtteilschule und hoffe auf eine Stelle in Bremen. Die Schulen haben auf jeden Fall Bedarf in Englisch und Sport.

Das klingt bei dir ja eigentlich nach Zufriedenheit, gibt es denn Dinge, die du kritisieren würdest?
Ich finde, dass Sport eine sehr hohe gesellschaftliche Bedeutung hat und dies ja offiziell auch immer betont wird. Vielleicht schneiden Frauen dabei manchmal ungerechter Weise schlechter ab wie gerade die Fusßballchampionsleague-Siegerinnen. Aber Bremen-Marathon o.ä. spielen ja zumindest repräsentativ eine große Rolle. Auf der anderen Seite wird Schulsport, Grundausbildung der Kinder, die materielle und personelle Ausstattung des Schulsports zu sehr vernachlässigt. Da stimmt es nicht. Wir haben z.B. einen zu niedrigen Etat. Zu wenig große und kleine Kästen, einen geschenkten alten Barren, ein gebrauchtes Trampolin, keine Anlage draußen, d.h. Leichtathletik kann gar nicht stattfinden. Allein ein regelmäßiges Aufpumpen der Bälle scheitert am Gerät. Ich würde den Schulsport auch nach Außen besser darstellen wollen, da müsste dann eben auch mehr reingesteckt werden. Und nicht nur in Schwerpunktschulen, die mit Sponsoren kooperieren.

Wie siehst du das Fach im Vergleich mit anderen?
Sport sollte gleichrangig stehen mit anderen, auch den sogenannten Kernfächern, denn Bewegung ist wichtiger Teil der menschlichen Entwicklung und Bildung. Lernen und körperliche Betätigung lassen sich nicht trennen. Darüber gibt es doch genug Untersuchungen. Und die dritte Sportstunde oder mehr wären wichtig. Die Ausbildung sollte an der Bremer Uni bleiben und nicht irgendwo durchgeführt werden.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Examen und Einstellung. w.m.

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