GEW Bremen
Du bist hier:

Nicht voll ausgebildete Lehrkräfte und Seiteneinsteiger*innen in Bremerhaven

Die Personalsituation ist bereits seit zwei Jahren zunehmend angespannter.

In der letzten Wahlperiode haben wir ca. vierteljährig diskutiert, bei welchen Abschlüssen der PR noch zustimmt bzw. zustimmen kann. Diese Diskussionen endeten immer mit weiterem „Nachgeben“ bei den Standards.

16.06.2016 - Dorothea Schulz, Norbert Brandt (Personalrat Schulen Bremerhaven)

Vor ca. 5 Jahren wurde bei Vertretungskräften mindestens das 1. Staatsexamen vorausgesetzt und es gab kaum ausreichend Bewerber*innen mit dem zweiten Staatsexamen, um die Planstellen zu besetzten. Die Bewerberlage entwickelte sich zunehmend schlechter und das Schulamt ist dazu übergegangen, auch Einstellungen von Bachelorabsolvent*innen zu berücksichtigen, da sich in Bremerhaven nicht ausreichend Lehrer*innen mit den zweiten Staatsexamen bewerben. Aus verschiedenen Gründen lehnt der Personalrat die Beschäftigung von Student*innen mit voller Stundenzahl ab und hat sich mit dem Schulamt und Personalamt auf eine maximale Stundenzahl von 14 LWS bei Student*innen geeinigt.

Inzwischen stellt Bremerhaven regelmäßig nicht nur Bachelorabsolvent*innen, sondern auch Seiteneinsteiger*innen  ein. Dies erfolgt in der Regel ohne die Möglichkeit einer Qualifizierung, die mit dem zweiten Staatsexamen abschließt. Diese Qualifizierungsmaßnahmen sind Ländersache. Hier ist die Senatorin für Kinder und Bildung gefordert, die aber keine Notwendigkeit zum Handeln sieht. Auch dieser Personenkreis wird den Bedarfen nicht gerecht, so dass inzwischen Alternativen gesucht werden (müssen).
Alle im Personalrat haben bei dieser Sachlage immer wieder große Bedenken. Mit einer Entspannung bei der Personal- und Bewerberlage für Bremerhaven in der näheren Zukunft nicht zu rechnen. Was sind die Folgen und die Alternative?
Kinder und Jugendliche haben das Recht auf Beschulung. Dieses grundsätzliche (Menschen‑)Recht steht über anderen Gesetzen und Verordnungen.
Spürbar ist bereits der vermehrte Ausfall von Förderunterricht und Differenzierungen, vermehrter Vertretungsunterricht, Mehrarbeit usw. um den Regelunterricht zu gewährleisten. Ebenfalls kommt es immer häufiger zum Einsatz von pädagogischen Mitarbeiter*innen, um bei Krankheitsvertretung die Betreuung zu übernehmen. Ursache hierfür ist nicht nur die gestiegene Zahl von Schüler*innen sondern auch der Mangel an Personal.
Das Land Bremen hat die Ausbildung von Student*innen und Referendar*innen sowie ausreichende Einstellungskorridore über Jahre sträflich vernachlässigt, aber was heißt das konkret ab den nächsten Wochen?
Und noch etwas: Schon jetzt machen sich Eltern Sorgen um das Bildungssystem in dieser Stadt – vertreiben wir weitere Schüler*innen in den Landkreis oder Eltern ins AFD-Lager?
Der PR sitzt zwischen allen Stühlen – hier ist vor allem politischer Druck notwendig!

Zurück