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Stichwort: Schulkonsens„Nicht den gewerkschaftlichen Charakter verlieren“

Eine Schule für alle Kinder – ohne jedes Wenn und Aber

16.12.2018 - Dr. Wolfram Grams

Inklusion geht alle an. Menschen auszuschließen, bedeutet auch, Menschlichkeit auszuschließen und eigenes menschliches Verhalten zu verlieren. Zu einer gewerkschaftlichen und damit solidarischen Position gehört der Kampf um die Teilhabe aller Menschen. Das kann für die Gewerkschaft der PädagogInnen nur eine Schule für alle Kinder bedeuten. Ohne jedes Wenn und Aber. Taktisches Kalkül, wie es sich im Bremer Schulkonsens zeigt, ist Ausdruck des Verlustes von Solidarität mit den Ausgeschlossenen oder der von Ausschluss Bedrohten. Wenn in Gewerkschaften Organisierte, Linke oder sich links Wähnende dem Imperativ nicht mehr folgen, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein geächtetes Wesen ist", hat Gewerkschaft ihren Charakter verloren. Deshalb ist es für die GEW zentral, kämpferischer zu handeln, wenn es darum geht, dass niemand von Bildung ausgeschlossen werden darf. Das beinhaltet auch den Kampf für alle erforderlichen Rahmenbedingungen, für jegliche Ressourcen, die den Einschluss von Menschen ermöglichen, deren Begleitung bessere ökonomische Bedingungen, mehr Wissen und mehr Empathie benötigen. Wir sind in der neuen Situation, angesichts der Behindertenrechtskonvention, bestehendes Recht einzufordern, also Rechtsbruch zu verhindern.

Ausbluten der öffentlichen Schulen

Angesichts einer zunehmenden „Bertelsmannisierung" der Schulen, weiterer Segregation und Be-Sonderungen durch stete Neugründungen von Privatschulen, wird diese Gewerkschaft gebraucht wie nie. Dem steten Druck eines Bildungs-Marktes steht das Ausbluten der öffentlichen Schulen gegenüber. Die Diktatur der schwarzen Zahlen hat bereits zu einem gigantischen Investitionsstau geführt. Das benachteiligt das öffentliche Bildungswesen gegenüber dem privaten Modell und führt langfristig dazu, dass aufstiegsorientierte Eltern ihre Kinder auf die vermeintlich besseren, weil besser ausgestatteten privaten Schulen schicken. Die Sparpolitik der Bundesregierung und ebenso die der grünen Bremer Finanzsenatorin hilft so bei der Gründung neuer Märkte – auch und gerade im Bildungswesen – sie öffnet dem Tür und Tor. Hier ist die bedeutsame neue Aufgabe einer Bildungsgewerkschaft.

Schulkonsens – eine Kapitulation

Keinen Frieden mit dem Bremer Schulkonsens! Er ist eine Kapitulation. Er beinhaltet neben der Segregation von Kindern auch ein marktgerechtes Qualitätsmanagement mit dem Zusatz, die an die Schulen vergebenen mangelhaften Ressourcen dort zu verwalten, um den Schulen und den Kollegien mangelhafte Arbeit vorzuwerfen, wenn die Ressourcen nicht ausreichen. In Zeiten des neoliberalen Umbaus der Gesellschaft müssen wir uns auf den gewerkschaftlichen Abwehrkampf einstellen. Tun wir dies nicht, wird angesichts weiterer Individualisierung der Preis die Preisgabe gewerkschaftlicher Organisation sein.

Keine Abschlüsse unterhalb des Masters

Zu Lehrkräfte-Qualifikationen: So unqualifiziert sind die vermeintlich Unqualifizierten gar nicht. Aber es ist unerlässlich, für hohe Standards zu kämpfen:

Keine Abschlüsse unterhalb des Masters und ein pädagogisches Zusatzstudium neben der zeitreduzierten Arbeit in der Schule.

Dabei sind die Rechte der neuen KollegInnen zu erkämpfen: Das Zusatzstudium muss den Namen verdienen und ihre Arbeit muss so organisiert werden, dass es für sie zu leisten ist. Hier liegt eine neue gewerkschaftliche Aufgabe. Die Landespolitik hat im Sparwahn Studiengänge eingestellt und Kapazitäten gestrichen. Das ist zu reparieren und von uns gegen eine törichte Politik des Kaputtsparens durchzusetzen.

Zu Versprechungen der Politik: Ja, wir fallen zu oft auf sozialdemokratische Versprechen rein, weil sie janusgesichtig sind, sie sind freundlich und tragen humanistischen Charakter – wie die Inklusion in Bremen – zugleich aber hinterhältig, indem sie für Einsparungen gut sind und damit – wie dies der Inklusion geschieht – desavouiert werden.

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