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Nachruf Wilhelm Quante

Am 8. Mai 2016 ist Wilhelm Quante, der langjährige Leiter des Wissenschaftlichen Instituts für Schulpraxis in Bremen (WIS) verstorben.

16.06.2016

Wer war Wilhelm Quante?

Er geht in die bremische Schulgeschichte als der Gründungsvater des Instituts ein, in dem 1975 die bis dato selbstständigen Einrichtungen der Lehrerbildung für die Lehrämter an Gymnasien und an Grund-, Haupt- und Realschulen zusammengeführt wurden.

Er war Bildungspolitiker, Institutsdirektor, Mathematiker und Pädagoge. Seine Lebensleistung kann nur ermessen, wer sich die bildungs-politischen Aufgaben seiner Zeit vor Augen führt. Er stand vor der Herausforderung, die Lehreraus-, fort- und -weiterbildung im Lande Bremen zu gestalten und zu reformieren, die wissenschaftliche Qualifikation für die Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten zu gewährleisten, die Belange der Schularten und Schulstufen zu berücksichtigen und die Wechselwirkung zwischen den fachlich-fachdidaktischen und den gesellschaftlich-erziehungswissenschaftlichen Kompetenzen sicherzustellen. Diese Herausforderung verlangte die Fähigkeit, mit der Bildungsbehörde und der Universität zu kooperieren und Widersprüchliches auszubalancieren. Eine Fähigkeit, die Wilhelm Quante in hohem Maße zu eigen war. Er scheute keine Konflikte und besaß eine natürliche Autorität, die ihn in die Lage versetzte, Menschen mit unterschiedlichen bildungspolitischen und erziehungspraktischen Vorstellungen an einen Tisch zu holen.

Er vertrat die Idee einer integrativen Schule, in der Kinder und Jugendliche unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft zusammen lernen können, und stand mit dieser Überzeugung den Zielen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft nahe. Sein Motto war, Erprobtes fortzuführen und Reformen auf den Weg zu bringen.

Wilhelm Quante bewahrte sich die persönliche und pädagogische Identität, institutionellen Zwängen zu trotzen. Wenn es darauf ankam, den jungen ihm anvertrauten Menschen in schwierigen Lebens- und Ausbildungssituationen  zu helfen, war er – über die formellen Grenzen seines Amtes hinaus – fähig, als mitmenschlicher Berater tätig zu werden.

In Anerkennung seiner Lebensleistung werden sich viele Lehrerinnen und Lehrer im Lande Bremen – und nicht zuletzt viele Kolleginnen und Kollegen der GEW – gern an ihn erinnern. Er hat unseren Dank verdient.

Erwin Jürgensen

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