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Nachruf für Werner Emde

Kurz vor den „Großen Ferien“, dem Ende seiner Dienstzeit, treffe ich Werner an einem sonnigen Frühsommertag im AMBIENTE am Osterdeich. Der ideale Ort für die von von ihm geschätzte Atmosphäre des Lebens am Fluss. Tollende Hunde, radelnde Rentner, Kinderwagen schiebende Mütter, auf Bänken palavernde Schnauzbartträger, Fußball- und Frisbyteams, am Hang lümmelnde Jugendliche bilden die Kulisse für unser kurzweiliges Gespräch.

16.12.2010 - von Wolfgang Liesigk

Von der perfiden Krankheit kaum irritiert, blitzen die Augen unternehmungslustig wie immer. Nur das gewohnte Rauchen bleibt aus. „Na in drei Wochen steht meine Verabschiedung an. Bloß kein Aufheben, du weißt ja.“ Rummel um die eigene Person ist ihm ziemlich unangehm. Weit über dreißig Jahre prägte Werner Emde die Gesamtschule West in vielerlei Hinsicht. Als Klassenlehrer mit pädagogischem Impetus, gleichbedeutend intensiver Elternarbeit und engagierter sozialer Betreuung, die ihn über die Schulzeit hinaus zum Lebensberater und Freund etlicher Schülerinnen und Schüler machte. Fachlich in Mathematik, Naturwissenschaften und Gesellschaft / Politik stets innovativ orientiert und mit anschaulicher Methodik. Viele Jahre leitete er den verwaltungsaufwendigen Fachbereich Naturwissenschaften und beeinflusste wesentlich die ökologische Ausrichtung der GSW.

Zuletzt mit „Umweltdetektiven“, einer Schüler- AG, um das Bewusstsein der Schulgemeinde zu sensibilisieren. Neben Energiesparwettbewerben initiierte er die prämierte Teilnahme der GSW an einem internationalen Pflanzprojekt als Beitrag gegen den Klimawandel: „Lasst uns Bäume pflanzen!“ Lange Zeit vorher gehörte Werner als Mitglied des „Arbeitskreises ökologische Schulbausanierung GSW (AKÖ)“ zu den Protagonisten, welche den Abriss der maroden, vergifteten Mammutgesamtschule aus den Siebzigern erreichten und den heutigen attraktiven Neubau erstritten.

Streitkultur begleitete die Karriere bereits im Idyll der nordhessischen Geburtsstadt Korbach beim Auflehnen gegen provinziellen Mief und Muff der Sechziger. Nach dem Biologiestudium in Marburg und Freiburg zog es ihn 1974, wie so viele damals, ins „rote“ Bremen. Und direkt nach dem Referendariat an die Gesamtschule West. „Das war natürlich so nicht geplant.“ Mutierte aber zum Dauerprogramm. Gewerkschaftliche Aktivitäten, politischer Disput, Unterrichtskonzepte. Im Kaleidoskop dieser brisanten Mischung blieb Werner immer ansprechbar, vermied Dogmatismus. Zeigte Präsenz während zahlreicher Anti-AKW- und Friedens- Demos. Auf Dutzenden von Konferenzen unterstützte die Bassstimme nachhaltig Entwicklungen der Schule hin zu einer sozial gerechten, toleranten und weltoffenen Institution. In seinen Klassen setzte der außerordentlich beliebte Lehrer die hohen Ansprüche mit der Melange von Kindern aus dem abgewickelten Hafenviertel und zahlreichem Migrantennachwuchs praktisch um.

Auch privat durchzog Werners Leben Stringenz. Lange Zeit wohnte er im Viertel, genoss alternative Konsummöglichkeiten, Kommunikationsstruktur und das Lebensgefühl dieses Bremer Stadtteils. Mit Heidrun Eberle, der geliebten Frau und Berufskollegin teilte er jene Vorlieben, bereichert ums kulturelle Beiwerk wie Reisen, Literatur, Kunst und das leibliche Wohl. Neben seiner WERNER- Comic- Zeichnerei verfeinerte er Kochkünste. Angesichts dieser vielfältigen Interessen gab es natürlich anspruchsvolle Pläne für die Zeit nach dem erfüllten Arbeitsleben. Nur die Umsetzung für Werner nicht und das ist grausam ungerecht.

Die Krankheit, eigentlich unter Kontrolle, zerstörte rasend schnell letzte Hoffnungen. Weder Heidruns unermüdliches Engagement, noch grandiose Selbstdisziplin und Lebenswille waren dem gewachsen. Im Friedwald bei Hasbruch unter einer hohen gebogenen Eiche ist Werner Emde begraben.

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