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Mut zum Studieren machen

Studium oder Ausbildung – besonders Kinder aus nicht-akademischen Familien scheuen vor einem Studium zurück. Dabei haben sie die Voraussetzung zum Hochschulabschluss, das macht die aktuelle Sozialstudie des deutschen Studentenwerks deutlich. Demnach nehmen von 100 Akademikerkindern 71 ein Studium auf. Dagegen studieren von 100 Kindern nicht-akademischer Herkunft lediglich 24, obwohl doppelt so viele die Hochschulreife erreichen. Die gemeinnützige Initiative ArbeiterKind.de möchte daran etwas ändern und Vorurteilen entgegenwirken.

16.05.2011 - Initiative bremen [at] arbeiterkind.de

Zum einen haben Abiturienten häufig Angst vor einer hohen finanziellen Belastung durch ein Studium, zum anderen besteht ein großes Informationsdefizit. Viele wissen nicht, welche finanziellen Möglichkeiten ihnen zustehen. Die Initiative klärt deshalb über Trugschlüsse auf und zeigt auf www.arbeiterkind.de Anlaufstellen, die Schülerinnen und Schülern in Sachen Studium beraten. Die Gründerin von ArbeiterKind.de, Katja Urbatsch, stammt selbst aus der sogenannten ersten Generation. Sie konnte nicht auf Studienerfahrungen ihrer Eltern zurückgreifen. Deshalb erreichten sie Informationen, wie beispielsweise über Stipendien, erst viel zu spät. Mit der Internetseite will sie daher anderen Mut geben und Lösungen zeigen.

Mittlerweile engagieren sich im Sozialen Netzwerk der Initiative deutschlandweit rund 2500 ehrenamtliche Mentoren in 80 Ortsgruppen. „Und wir suchen weitere Mentoren, die sich für Schüler und Studenten einsetzen möchten, um ihnen die Angst vorm Studieren zu nehmen“, so Katja Urbatsch. Denn Akademiker sind weniger arbeitslos, haben hervorragende Berufsperspektiven und verdienen mehr. Außerdem dauert ein Bachelor-Studium lediglich drei oder vier Jahre. Auf dem Internetportal von ArbeiterKind.de werden außerdem Studierende nicht-akademischer Herkunft vorgestellt, die sich erfolgreich um Stipendien bei staatlichen und privaten Stiftungen beworben haben. Es gibt hilfreiche Informationen darüber, wie man wissenschaftlich arbeitet, im Ausland studieren kann, sich um Praktika bewirbt und schließlich erfolgreich das Examen meistert.
Viele der ehrenamtlichen Mentoren aus verschiedenen Städten haben mittlerweile regelmäßige Sprechstunden neben den Stammtischen eingerichtet, um jeden individuell beraten zu können. „Wir haben festgestellt, es gibt so zwei Gruppen von Schülern aus nicht-akademischen Familien“, berichtet Katja Urbatsch. „Die einen stehen dem Studium allein gegenüber, die Eltern wollen lieber, dass ihr Sohn oder ihre Tochter eine Ausbildung ergreift. Die anderen möchten ihrem Kind ein Studium gern ermöglichen, können aber nur im kleinen Rahmen eine finanzielle Unterstützung geben.“ Da sind dann die Mentoren gefragt – sie wissen, wer sich um ein Stipendium bewerben sollte und helfen dabei. Sie erzählen auch von ihren eigenen Erfahrungen, davon wie es ist, neben dem Studium zu jobben oder der Angst vorm BAföG-Antrag.

Mittlerweile gehen die Mentoren an Gymnasien und Gesamtschulen, Fachober-, Abend- sowie Berufsschulen, um interessierte Jugendliche und junge Erwachsene für ein Studium zu begeistern. Dabei geht es nicht allein darum, von den finanziellen Möglichkeiten eines Hochschulabschlusses zu erzählen, sondern vom Unileben zu berichten. Auch die Bremer ArbeiterKind.de-Gruppe führt Schulveranstaltungen durch – die Mentoren erzählen über ihre Gründe fürs Studium, die Studienwahl und -finanzierung. Außerdem bietet die Gruppe Hilfe bei Problemen mit wissenschaftlichen Arbeiten oder der Bewerbung fürs Stipendium an. Zu den Bremer Mentoren gehört auch Marion, die bereits ihr Psychologiestudium abgeschlossen hat. Sie selbst kennt die Ängste von „Arbeiterkindern“: „Ich hätte so eine Plattform dringend während meines Studiums gebraucht.“ Denn mit ihrem Studium hat sie eine völlig fremde (Kultur)welt entdeckt. Sich immer wieder aufs Neue damit auseinanderzusetzen, hat Marion damals viel Kraft gekostet. „In 30 Jahren hat sich nun an den Bedingungen, unter den Studierende aus hochschulfernen Elternhäusern ihr Studium absolvieren, zu wenig in positiver Weise verändert.“ Trotzdem und gerade deswegen engagiert sie sich als Mentorin bei ArbeiterKind.de. Und die Gruppe sucht jederzeit zum Ausbau des Mentoring-Programms Verstärkung. Dabei ist es egal, ob die Mentoren ihr Studium schon hinter sich haben oder selbst noch mittendrin stecken. Wichtig sind die eigenen Erfahrungen.

Die Bremer Gruppe trifft sich regelmäßig am ersten Montag im Monat ab 19.30 Uhr (Ort siehe hompage)..
Auch per E-Mail sind die Mentoren unter
bremen [at] arbeiterkind.de zu erreichen.
In den 80 Ortsgruppen kann sich jeder engagieren, der Lust dazu hat, andere im Studienprozess zu unterstützen. Für eine gute Koordination der Gruppen sorgt das Soziale Netzwerk von ArbeiterKind.de. Dort stehen die neusten Informationen zu Veranstaltungen oder zum nächsten Stammtisch. Im Sozialen Netzwerk finden auch SchülerInnen und StudentInnen gleich Hilfe. Sie können erste Fragen stellen und erhalten schnell Antworten. Es ist also ganz leicht, Unterstützung zu geben. Dabei ist jedem selbst überlassen, wie viel Zeit er einbringt. Nähere Informationen gibt es auf www.arbeiterkind.de.

Auszeichnungen

Die Initiative wurde bereits mit dem „Deutschen Engagementpreis 2009“, mit den Engagementpreisen der Hans-Böckler-Stiftung und des Vereins der ehemaligen Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung, als „Ausgewählter Ort 2009“ im Rahmen des Wettbewerbs „Deutschland – Land der Ideen“ unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler sowie im Wettbewerb „startsocial2008“ unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel als eines der 25 besten Projekte ausgezeichnet.

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