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Wie Bremen mit jungen Lehrkräften umgeht

16.12.2017 - Karsten Krüger

Die Schulen in Bremen und Bremerhaven brauchen händeringend Lehrkräfte. Die Kollegien vor Ort, Eltern, Schulleitungen und die GEW beklagen unisono einen um sich greifenden Mangel an ausreichend ausgebildeten Pädagogen/innen. Die Schulen müssen Kinder tageweise wieder nach Hause schicken, wenn Lehrer/innen ausfallen und nicht ersetzt werden können. Soweit das Problem, Tendenz steigend.

Und dann gibt es da sechs motivierte und leistungsstarke Nachwuchslehrkräfte, die nach dem erfolgreichen Masterstudium und einer “Eins vor dem Komma” ins Referendariat wollen. Sie haben alle schon jede Menge praktische Unterrichtserfahrung gesammelt. Das weiß auch das Landesinstitut für Schule (LIS), das für die Auswahl der Referendare/innen zuständig ist. Das LIS hat ihnen trotzdem Ablehnungsbriefe zugesandt. Kein Referendariat ab Februar 2018 und LIS-Leiterin Petra Perplies-Voet gibt ihnen auch für das Auswahlverfahren zum August 2018 “keine Garantie” für einen der jährlichen 588 Referendariatsplätze. Große Enttäuschung bei den Betroffenen und den Schulen, die teilweise schon mit ihnen geplant haben. Die sechs Abgelehnten haben ihren Ärger in einem Weser-Kurier-Leserbrief formuliert. “Wir und auch unsere Schulleitungen verstehen die Welt nicht mehr”, sagt Mareile Pohl. Sie unterrichtet derzeit - von der Stadtteilschule angestellt - an der Oberschule am Leibnizplatz und wartet jetzt auf eine Zusage für August. Dies aber nicht mehr nur in Bremen: “Ich bewerbe mich jetzt auch in Niedersachsen.” Andere aus der Gruppe in Nordrhein-Westfalen. Ein weiterer Kollege hat nach der Bremer Absage schon einen Platz im Nachbar-Bundesland. Perplies-Voet hätte die sechs Bewerber/innen wahrscheinlich gerne eingestellt, aber “ein sehr normiertes Einstellungsverfahren, ungünstige Fächerkombinationen, soziale Faktoren und Noten” haben dies zum Februar verhindert.

Dieses Beispiel zeigt zweierlei:

Gute, ambitionierte Lehrkräfte kehren Bremen - unabhängig von geringerem Gehalt in manchen Schulstufen - enttäuscht den Rücken. Und der Bildungsbehörde ist die kostengünstigere Weiterbeschäftigung von Pädagogen/innen ohne zweites Staatsexamen wichtiger als eine breitere Referendariatsausbildung. Bildungsqualität geht anders.

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