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ArbeitszeitMogelpackung Teilzeit

Ein gefährlicher und ungerechter Teufelskreis

16.08.2018 - Anke Wuthe, Stv Frauenbeauftragte Schulen

Es gibt Lebensphasen, in denen eine Vollzeitbeschäftigung einfach nicht passt, sei es wegen kleiner Kinder, zu pflegender Angehöriger oder anderer privater Gründe. In solchen Situationen wird die Option der Teilzeit zu einem vermeintlich attraktiven Modell für Beschäftigte, denn sie scheint den Wunsch nach einer besseren Balance zwischen Familie und Beruf zu erfüllen. Es sind vor allem Frauen nach der Elternzeit, die hochmotiviert wieder in den Beruf einsteigen wollen und sich daher an uns wenden. In den ersten Gesprächen geht es dann oft um Möglichkeiten einer Reduzierung der Arbeitszeit während des Einstiegs, um die Belastung zu mindern. Und erschreckend häufig wenden sich dieselben Frauen nach nur wenigen Wochen erneut an uns, weil sie trotz der Stundenreduzierung kaum Entlastung verspüren und sich Beruf und Familie nicht wie erhofft vereinbaren lassen. Ungünstige Einsatzpläne führen nicht selten dazu, dass sie mit vielen Springstunden deutlich länger in der Schule sein müssen als es ihrer Arbeitszeitverpflichtung entspricht. Die Arbeitszeiten sind häufig nicht kompatibel mit den Angeboten der Kinderbetreuung. Besonders in den Nachmittagsstunden wird zudem die Teilnahme an Konferenzen, Teamsitzungen und Präsenzveranstaltungen erwartet. Noch stärker lastet der Druck auf Kolleg*innen in Funktionsstellen, deren gutes Recht auf Teilzeit in Schule häufig auf wenig Akzeptanz trifft.

Unter diesen Rahmenbedingungen führt Teilzeitarbeit nicht zur erwarteten Entlastung und nicht selten ist eine weitere Reduzierung der Berufstätigkeit bis hin zur Mindestarbeitszeit die Folge, in der Hoffnung, so Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Damit begeben sich die Beschäftigten jedoch in einen gefährlichen Teufelskreis: Um die Anforderungen und Belastungen des Berufes bewältigen zu können, sind Zusammenarbeit und Zusammenhalt, die Unterstützung und der Austausch mit dem Kollegium wichtige Ressourcen. Das ist durch Studien belegt. Zieht man sich jedoch wegen der Teilzeitarbeit immer stärker aus dem Team zurück, gehen diese Kraftspender für die Bewältigung der tagtäglichen Belastungen verloren und die Arbeit wird als noch anstrengender empfunden. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Teilzeitarbeit in der Schule nur die tatsächliche Unterrichtszeit bzw. die Arbeit am Kind reduziert, aber nicht notwendigerweise die vielfältigen weiteren Aufgaben im Schulalltag. Und nicht zu vergessen: durch Teilzeit sinken das monatliche Einkommen und die späteren Renten bzw. Pensionsansprüche. Nur darüber machen sich viele erst Gedanken, wenn es bereits zu spät ist. Dabei ist es nicht nur im Sinne der Beschäftigten in Teilzeit, sondern auch im Interesse der Schulen, sinnvolle Teilzeitarbeit zu ermöglichen. Wer die Anforderungen von Familie und Beruf gut organisieren kann, ist nicht nur zufriedener, sondern auch motivierter und eher bereit die Stundenzahl zu erhöhen oder früher aus der Elternzeit zurückzukehren.

In Zeiten des Fachkräftemangels können wir es uns schlichtweg nicht leisten, auf gut ausgebildete Menschen zu verzichten, die wir in unseren Schulen so dringend benötigen. Wir müssten vielmehr um jede Stunde kämpfen, die Fachkräfte mehr arbeiten können, und durch bessere Arbeitsbedingungen mehr Beschäftigten die Möglichkeit einer Vollzeit- oder vollzeitnahen Teilzeittätigkeit eröffnen. Wir brauchen auch im Schulbereich flexible und lebensphasenorientierte Arbeitsmodelle, denn eine familienfreundliche Personalpolitik gilt inzwischen als ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss selbstverständlich sein und gelebt werden. Das erfordert ein Umdenken, die Bereitschaft zu familienfreundlichen und flexiblen Arbeitsbedingungen muss auf allen Ebenen entwickelt werden. Familienfreundlichkeit muss Schule machen, dann klappt’s auch mit der erfolgreichen Teilzeittätigkeit.

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