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Russland„Meinst Du, die Russen wollen Krieg?“

Ausstellung im Gewerkschaftshaus, Bremen

 

 

 

16.11.2019 - Horst Otto

Russland – immer noch und immer wieder ein Buch mit sieben Siegeln. Was die Medien berichten, klingt nicht gut: unberechenbar, aggressiv und unfähig zur Demokratie. Doch stimmt dieses Bild? Eine Ausstellung über das heutige Russland zeigt ab 31. Januar 2020 im Gewerkschaftshaus Bremen Fotografien und Impressionen vom Alltag. Begleitende Texte bieten eine Möglichkeit, den Blick auf dieses Land zu überprüfen.

Konzipiert und umgesetzt wurde die Ausstellung von Elena Maslovskaya und Jörg Munder. Elena Maslovskaya wurde in Leningrad geboren. Sie ist selbstständig tätig als Grafikerin, Übersetzerin und Leiterin von Medienprojekten. Ihre Mutter überlebte die ersten und schlimmsten neun Monate der Blockade Leningrads und konnte als Zeitzeugin ihr Wissen weitergeben. Heute lebt Elena Maslovskaya hauptsächlich in Stuttgart, pendelt aber häufig in ihre Geburtsstadt.

Jörg Munder ist Gewerkschaftssekretär beim DGB in Stuttgart. Das friedliche Zusammenleben und die Verantwortung für die gemeinsame Geschichte von Russland und Deutschland ist ihm ein besonderes Anliegen. Regelmäßige Besuche in Russland geben ihm Einblicke zu diesem Thema.

Besonders interessant ist ihr Blick auf den Wandel der Erinnerungskultur. Wie sehen die Menschen Russlands heute das Trauma des Zweiten Weltkrieges und wie gedenken sie der 27 Millionen sowjetischen Menschen, die dabei zu Tode kamen. Diese Frage lenkt natürlich auch den Blick auf die geschichtliche Aufarbeitung in Deutschland und die Nato-zentrierte Politik der Bundesregierung.

 

Ein Rat von Michail Gorbatschow an die Deutschen

Gorbatschow, ehemals Präsident der Sowjetunion und Förderer der deutschen Wiedervereinigung macht deutlich, worum es aktuell geht: „Das Ziel der Sanktionspolitik, die Deutschland unterstützt, ist es, Russland zu bestrafen. Will Deutschland Russland bestrafen? Denken Sie über diese Worte nach (…) Die Deutschen wollen die Russen bestrafen“, so Gorbatschow. „Das russische Volk (bestrafen), das bei der Befreiung der Bevölkerungen Europas, darunter auch der Deutschen, vom Hitler-Regime, unfassbare Opfer erlitten hat. Die Russen, die vor 30 Jahren menschliches Mitempfinden gezeigt haben und dem starken Wunsch der Deutschen, in einem einheitlichen Land zu leben, entgegengekommen sind“, schreibt er in seinem neuen BuchWas jetzt auf dem Spiel steht“.„Darum möchte ich meinen Wunsch ausdrücken; mein Rat für die Deutschen ist es, über die Vergangenheit und die Gegenwart nachzudenken und daran zu denken, wo wir hinkommen können, wenn wir den aktuellen unfreundschaftlichen Weg fortsetzen.“

 

DGB Bremen ist Mitveranstalter

Veranstalter der Ausstellung ist der im August 2019 gegründete Deutsch_Russische Friedens_Tage Bremen e. V. gemeinsam mit dem DGB Bremen.

Der Verein hat ambitionierte Ziele: Mehr Informationen über das Leben und die Kultur in Russland; Mehr Begegnungen mit Russinnen und Russen und jenen Menschen aus dem Gebiet der früheren Sowjetunion, die in unserer Stadt leben; Mehr Diskussion über die Gestaltung der deutsch-russischen Beziehungen, insbesondere im 75. Jahr der Befreiung Europas vom deutschen Faschismus; – mit vielfältigen Veranstaltungen gibt der Verein Anregungen, den eigenen Blick auf Russland zu überprüfen und auch darüber nachzudenken, welche gemeinsame Zukunft Deutschland und Russland auf dem europäischen Kontinent haben. Mit dem Engagement seiner Mitglieder will er zu einem entspannten und friedlichen Verhältnis und guter Nachbarschaft zu Russland beitragen.

Die Ausstellung kann besucht werden – Eintritt frei:

Freitag, 31. Januar bis einschließlich Freitag, 28. Februar im Foyer des Gewerkschaftshauses, Bahnhofsplatz 22–24, 28195 Bremen. Eintritt frei!

Mo – Do 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr 
Fr 9.00 Uhr bis 14.00 Uhr

Führungen für Schulklassen und Gruppen können auf Anfrage angeboten werden.
E-Mail: info [at] deutsch-russische-friedenstage [dot] de

Bild/Foto: Jörg Munder, Stuttgart
Bildtext: Die Ausstellung dokumentiert auch den Wandel der Erinnerungskultur an das Trauma des Zweiten Weltkrieges in Russland. Allein am 9. Mai 2019 waren in St. Petersburg eine Millionen Menschen auf den Beinen, um die Erinnerung wach zu halten.

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