GEW Bremen
Du bist hier:

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ich möchte nicht einstimmen in den Chor der ständigen Kritik an Bildung. Bildung bildet doch auch.

16.12.2011 - Beitrag auf der Personalversammlung am 15.11.2011 | von Wilfried Meyer

Ich wollte eigentlich etwas zu den Grundschulen etwas sagen, aber warum? Sie scheinen ja in der Politik nicht mehr vorzukommen. Im Moment sind wir nicht so wichtig, wir können damit leben. Wir arbeiten unsere 29 Stunden und gut. Schadet das? Im Gegenteil, es hilft den Anderen. Deren versprochenen Gelder gehen sonst wohin, die Stunden auch, die Stellen auch. Damit können wir uns gut abfinden. Ein Jahrgangsleiter in der Oberschule verdient ganz gut, in der Grundschule gibt es das Problem gar nicht. Es gibt ja auch keine Jahrgangsleiter. Mir reicht auch ein warmer Händedruck.
Zup-Leiter in der Oberschule für A15, in der Grundschule gibt's wieder den Händedruck. Ganztag in der Grundschule, woher soll das Geld kommen? Unsere Kinder bringen keins. Die Bundes- Konjunkturprogramme sind zu Ende. Wir könnten sammeln, spenden.
Mehr Schulleiterstunden für die viele Arbeit, 148 Tätigkeiten, sind 2011 nicht drin, vielleicht 2012,13,14?
Schluss mit dem Gejammer, ich plädiere für größere Anstrengungen. Nicht immer nur an uns denken, das schadet doch nur. Wichtig ist das große Ganze, die Vision. Es ist nicht alles schlecht, nur mir manchmal.
Ich möchte die allgemeinen Vorteile für uns kurz zusammenfassen:
Ihr gehört zu den bestbezahlten Lehrkräften weltweit. Verglichen mit Birma oder Afghanistan liegen wir weit vorne.

Die Schulreform hat bisher doch allen viel Spaß gemacht. Überall schießen neue, fruchtbare, inklusionsgeschwängerte Standorte wie Pilze aus dem Boden. Ihr habt die große Freiheit euch mal hierhin, mal da hin zu bewerben. Planlos. Es gibt schöne neue Stellen und es steht noch nicht einmal fest was man da tun muss. Zupfleiterheime, Rebuzims, Zentren und Cluster erwarten euch. Falls die Gebäude fertig sind. Habt Geduld. Baut mit auf.
Kümmert euch um schöne Schulen: Die hässlichen werden gerade geschlossen, verlegt, zusammengeführt, renoviert, abgerissen ,tolle neue gestaltet mit Super- Mensa, einem Anbau, Hochbau, Tiefbau, Umbau, Aufbau. Vorübergehend kannst du im Klassenraum speisen. Ist das nicht sozial?
Euro Schulen sind doch wunderbar ausgestattet, z.B. .........die neue International School. Einige von unseren Schulen haben sogar ein Smartboard, zwei ein funktionierendes Internet.

Dein Team kannst du dir leider nicht immer aussuchen und ihr seid auch nicht sooft zusammen im Unterricht, aber ihr schafft das locker. Ihr differenziert und individualisiert und heterogenisiert. Vielleicht pasteurisiert ihr auch bald. Ihr seid doch richtig gut.
Kleiner Tipp, wenn ihr die Arbeit nicht schafft: Trefft euch einfach öfter. Verabredet euch.
Bis nachmittags um 16 Uhr könnt ihr immer präsent sein und dann eine Fortbildung dranhängen, die den Unterricht nachhaltig verbessert.

Und gestern und morgen ist auch ein Präsenttag. Das kommt von Present-Geschenken. Freu dich drauf. Sei präsent. Carpe diem.
Ihr habt ein super Schulprogramm entwickelt, euer geiles Schulcurriculum ist fertig und die Leitideen stehen wie eine Eins. Oder hängen vor eurer Schultür, wo auch der schicke neue Name prangt. Gesche Gottfried Oberschule, Pipi Sparstrumpf-Grundschule oder so. Unsere Quoten-Senatorin möchte mehr Frauennamen. Arbeitet mit Ideen, lasst sie nicht in Schubladen vergammeln. Messt euch mit anderen tollen Schulen, beteiligt euch an Wettbewerben, ihr könnt die beste Schule Deutschlands werden. Setzt euch Ziele, arbeitet dafür. Schafft etwas. Werdet die Innovatoren 2012. Beste Mitarbeiter des Monats....
Abends hast du noch genug Zeit deinen Unterricht vorzubereiten, das hast du im Turboreferendariat doch exzellent gelernt. Verzichte auf den wenigen Schlaf, der bringt dich nicht weiter. Deine Kraft reicht noch, die Familie kann auch mal warten.
Nebenbei: Du musst dich regional zu Zwangsfortbildungs-Clustern spinnenhaft vernetzen oder demnächst in regionale Bildungszentren einbetten. Geh einfach regelmäßig hin und sei dabei, bring dich ein. Informiere dich, mach dir Notizen. Take a picture. Berichte uns. Gestalte diese oder jene Konferenz damit.
Tut nicht so als sei für euch nichts dabei? Lasst uns kreativer werden.
Noch nie hatten wir so viel Zeit den Unterricht zu gestalten. 24 Stunden stehen zur Verfügung. Bist du auf einen Arbeitsplatz in der Schule angewiesen? Es gibt drei Tische im Lehrerzimmer mit alten Sparkassenrechnern, das sollte genügen. Was wäre, wenn jeder einen Platz beanspruchen würde? Macht das Sinn?
Wer soll das bezahlen? Und wovon? Und vor allem warum?
Stelle nicht die hohen Ansprüche, sei bescheiden, zeig Demut, der hilft dir weiter. Wenn er nicht krank ist.
Außerdem hast du doch deinen Laptop und kannst dir am Abend noch einen zwitschern, sorry, twittern. Ruf die Kollegin an, sprecht euch ab. Skyped euch an.

Kollegin, Kollege, hattest du schon das wichtige Personalentwicklungsgespräch und hast mit deiner Schulleitung deine Ziel- und Leistungsvereinbarungen festgezurrt?
Wohin willst du dich entwickeln, vorwärts, rückwärts, seitwärts? Was soll am Ende des Jahres stehen? Wie willst du unterrichten? Kennst du jetzt den Weg als Ziel? Geh ihn einfach. Vertraue den Vorgesetzten. Die haben doch datengestützte Gespräche für deine Schule geführt, alles läuft nach einem göttlichen Plan. Bleib ruhig,
Ist deine 1a-Jahresplanung fertig und du hast mal wieder hochwertigen Unterricht vorbereitet. Gut so. Das musst du noch eben dokumentieren und evaluieren. Einfach downloaden, ausfüllen, Returntaste. Sei stark, hau in die Tasten!
Dann ins Bett. Freu dich auf Übermorgen, da tagt die Fachgruppe und das Jahrgangsteam, tolle Ergebnisse winken. Und du erreichst eine fast grenzenlose Zufriedenheit. Aber flipp' nicht aus. Werde nicht übermütig.
Nimm dir noch die Zeit zu Zwangsfortbildung, aber nicht zu knapp. Engagier dich.
Und zwischendurch schreibst du bitte die Projektanträge, damit mal Geld in der Schulkasse klingelt? Richtig gemacht. Es gibt so viele Sponsoren, die du nach Unterstützung fragen kannst. Jakobs, Werder, Aldi, Lemke, Getränkemarkt . Tu es einfach, streng dich an, bring dich voll ein.
Ein Tipp noch: Krank sein und liegen bleiben? Mit dir nicht, mit mir auch nicht. Sei nicht unanständig und bodenlos. Halte dich fit, wellnesse oder mach dich aquafit. Nimm dir ein Beispiel an der Senatorin, die hat Gesundheit locker dazu gewählt, sonst hieße sie ja auch nur Senatorin für Krankheit und Keime.
Tun wir was für unser Geld, arbeiten wir wie die Behörde, die wirklich überwiegend aus Schuften besteht. Sparen ist alternativlos, also machen wir mit. Seid solidarisch. Kotzt auch mal über den Tellerrand.
Dann gehören wir auch in dieser Legislaturperiode zu den Siegern und lachenden Schlusslichtern.
Wir wollen Bremen endlich oben sehen, damit wir nicht immer am Ende steh’n!
Kopf hoch, Glück auf. Abführen.

Zurück