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Kompetenzraster in der Grundschule

Auf der letzten Vertrauensleute-Versammlung des Stadtverbandes Bremen wurde über Konferenzdebatten um die neuen Kompetenzraster in den Grundschulen berichtet. Der Personalrat Schulen hat sich eingeschaltet. Wir dokumentieren hier den Beitrag, den die Kollegin Petra Kumm vom Personalrat Schulen Bremen auf der letzten Personalversammlung zu diesem Thema gehalten hat:

16.01.2015 - Ein heißes Eisen

Liebe Kolleginnen und Kollegen, „Hier ist alles SUPER“ ist das Motto dieser Personalversammlung. „Super“ sind auch die neuen Kompetenzraster, die seit einem Jahr an den Grundschulen im Umlauf sind. Die sind so super, dass nun auch einige Oberschulen mit einer Pilotierung des Einsatzes von Kompetenzrastern begonnen haben. Und das obwohl an Grundschulen noch keine einschlägigen Erfahrungen damit gesammelt wurden und die Rückmeldungen der Lehrkräfte der Pilotschulen ziemlich durchwachsen ausgefallen sind. Alles natürlich wieder einmal ohne Information und Beteiligung des Personalrates. Aus dem LIS, federführend bei diesem Projekt, hieß es gegenüber dem Personalrat, dass die Kompetenzraster in den Oberschulen auch langfristig nur als freiwilliges Angebot für Lehrkräfte geplant sind. Da sind wir mal gespannt.

 

Das Pilotprojekt „KOMPOLEI“

Ganz anders verhält es sich in der Primarstufe: Nachdem die Neufassung der Zeugnisverordnung vom Juni 2013 festlegt, dass das Zeugnis im ersten Teil als Raster gestaltet sein soll, beschloss die Behörde kurzerhand, das gesamte System der Leistungsrückmeldung an Grundschulen neu zu konzipieren - mit dem Ziel

  • für mehr Tranzparenz und rechtliche Absicherung sowie
  • mehr Verständlichkeit für Eltern, Lehrer und Kinder zu sorgen.


„Es soll“ (laut Behörde) „Lehrerinnen und Lehrern helfen, zeitsparend eine qualitativ fundierte Rückmeldung geben zu können.“ Eine super Sache also!
Eine Arbeitsgruppe wurde ins Leben gerufen und erstellte mit viel Eifer in wenigen Wochen ein komplett neues Leistungsrückmeldungssystem, das sich aus rasterförmigen Entwicklungs-Übersichten, Portfolios, Lehrer-/Eltern-/ Schülergesprächen und neuen Zeugnisformularen zusammensetzt: Kurz genannt: KOMPOLEI (für kompetenzorientierte Leistungsrückmeldung).
Im Schuljahr 13/14 nahmen fünf Bremer Grundschulen unmittelbar an einem Pilotprojekt zur Erprobung von KOMPOLEI teil. Und kaum war dieses angelaufen, verkündete die Behörde, dass das neue System zum Schuljahr 14/15 flächendeckend eingeführt werden soll - obwohl die Pilotierung weder abgeschlossen noch ausgewertet war. Dem Personalrat wurde eine Beteiligung immer wieder zugesagt, trotzdem erfuhren wir stets erst im Nachhinein, was die Behörde plante. Unsere Einwände und Bedenken stießen bei den Verantwortlichen fortwährend auf taube Ohren. Einzig das Argument "die Inklusionskinder seien noch unberücksichtigt" führte zum Aufschub auf das nun kommende Schuljahr.

 

Die Rückmeldungen

Inzwischen (nach wochenlangem Nachhaken) liegen dem Personalrat einige Rückmeldungen von Lehrkräften der Pilotschulen vor. Daraus geht hervor, dass die Arbeit mit den Kompetenzrastern doch nicht nur super ist. Es wurde zum Beispiel gesagt:

  • die Kompetenzen seien zu ungenau beschrieben,
  • es seien keine Abstufungen möglich,
  • eine Gleichgewichtung aller Kompetenzen sei problematisch,
  • die Zeugnisformulare seien für Kinder und Eltern nur mit vielen Erklärungen verständlich,
  • und mit KOMPOLEI begänne der Leistungsdruck schon ab Klasse eins.


75 % der Lehrkräfte erklärten, dass die Pilotierung mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden war. Mehrere KollegInnen gaben an, dass sie es lohnenswert fänden das Instrument KOMPOLEI weiterzuentwickeln, es aber für noch nicht ausgereift hielten.
Wir alle wissen, wie schwierig es ist, Systeme und Strukturen, die einmal eingeführt sind, wieder abzuschaffen, wenn die erhofften Verbesserungen ausbleiben.

 

Deswegen fordert der Personalrat

  • dass ein angemessener Zeitrahmen für die Erprobung und Evaluation von KOMPOLEI angesetzt wird. Sinnvoll wäre es, den Einsatz während eines gesamten Grundschulzyklus zu erproben, also eine Pilotierung über vier Jahre plus Auswertungsphase vorzusehen,
  • außerdem sollte die Mehrarbeit zur Einarbeitung und Fortbildung der Lehrkräfte durch anderweitige Entlastungen ausgeglichen werden!


Liebe Kolleginnen und Kollegen, laut §36 BremSchVwG ist die Form eurer Lernentwicklungs-Dokumentation von der Gesamtkonferenz und der Schulkonferenz zu beschließen.
Lasst Euch diese Entscheidung nicht nehmen. Diskutiert KOMPOLEI in euren Kollegien und wendet euch an den Personalrat, wenn eure Schulleitung allein darüber bestimmen will.
Der Personalrat ist bei der Einführung von KOMPOLEI mitbestimmungsberechtigt und dringend auf Rückmeldungen aus den Schulen angewiesen, um überschauen zu können, ob KOMPOLEI sich wirklich bewährt.
Wenn KOMPOLEI so super ist, wie die Behörde es uns verkaufen will, wollen bestimmt alle mitmachen.
Wenn es aber Mehrarbeit anstatt Erleichterung bedeutet, muss es verbessert oder aufgehalten werden. Vielen Dank!

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