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Bildung und GesellschaftKinder zeichnen Corona

Ausstellung in der Stadtbibliothek Bremen – Berührende Arbeiten

 

16.07.2021 - Frauke Hellwig

Zu Beginn der Pandemie sammelte das Schulmuseum Bremen Zeichnungen von Kindern und Jugendlichen zum Thema Corona. Damit sollten Kinder die Möglichkeit bekommen, ihre Gedanken, Erfahrungen und Gefühle zur Pandemie selbst zu formulieren. Schon Ende März 2020 kam Steffi Möller, eine junge Mutter und Psychologin, mit dieser Idee auf das Schulmuseum zu, weil sie gerade mit Kindern in ihrem Umfeld thematisierte: Was ist Corona? Wie sehen „Herr oder Frau Corona“ wohl aus? Die Krise, die durch die Pandemie eintrat, war für Kinder unerwartet, unfassbar und unverständlich. Die Bilder sollten Sprachanlässe schaffen, um über Ge- und Verbote, Erlebnisse, Eindrücke und Gefühle zu sprechen.

Der Aufruf wurde an Schulen weitergegeben, um durch Zeichnungen die Eindrücke und Gedanken von Kindern und Jugendlichen zu sammeln. Bremer Schülerinnen und Schüler vom ersten bis zum zwölften Schuljahr haben sich daran beteiligt. An der Universität Bremen wurde im Studiengang Psychologie eine quantitative Inhaltsanalyse zum Bilderkonvolut verfasst. Bei der Auswertung zeigt sich: Die meisten Bilder zeigen „Corona“ selbst und sind von der Darstellung des Virus als roter Kugel in den Medien geprägt. Viele Bilder veranschaulichen auch die zu lernenden „AHA-Regeln“, die es zu verstehen und zu trainieren gilt. Das Haus bildet einen Schutz gegen die gefräßigen Viren, aber auch: Man muss lernen, wie man sich zuhause beschäftigen kann. Viele Kinder setzen zeichnerisch um, dass Corona die ganze Welt bedroht. Einige Zeichnungen verbildlichen die Botschaft „Wir halten zusammen“. Deutlich aus der ersten Zeit der Pandemie sind die thematisierten Hamsterkäufe von Nudeln und Toilettenpapier. – Die Motivwahl und ihre Häufigkeit wären heute, mit der Erfahrung der Pandemie nach einem weiteren Jahr, sicher ganz anders verteilt.

Aus 585 Zeichnungen und Fotografien haben wir 100 Zeichnungen ausgewählt, die ab 1. September in der Ring-Galerie der Zentralbibliothek Bremen präsentiert werden. Alle Arbeiten der Kinder und Jugendlichen sind berührend und führen uns ihre Sorgen und Nöte vor Augen. Die Aufarbeitung der Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche dauert an - die Bilder aus dem Frühjahr 2020 sind historisches Zeugnis in unserer Sammlung.

Weitere Informationen:

www.schulmuseum-bremen.de