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Kein Vertretungspool für Sonderpädagogen

Personalrat Schulen: Inklusion wird Arbeitsschwerpunkt

16.08.2017 - Karsten Krüger

Die Telefonnummer des Personalrats Schulen (0421-361-6044 oder 0421-361-4667) kennen viele Schulbeschäftigte mittlerweile auswendig, genauso wie den Weg zum Personalsratsbüro in der Emil-Waldmann-Straße 3, gleich hinter der Bildungsbehörde. Zuletzt wird der Kontakt zu der Interessenvertretung häufiger als sonst gesucht. Der Grund für Anrufer und Besucher sich Rat, Antworten und Hilfe zu holen, hat nicht selten mit der mangelhaften Umsetzung der Inklusion an Bremer und Bremerhavener Schulen zu tun.

„Die Beschäftigten berichten uns über fehlende Sonderpädagogen/innen, über aufgelöste Doppelbesetzungen und unbefriedigende Vertretungslösungen“, sagt Michal Myrcik, der neue Vorsitzende des Personalrats Schulen. Er ist selbst Sonderpädagoge und er hält viel vom Grundgedanken der Inklusion, also der Schule für alle. Er, seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter im Personalrat und seine Kolleginnen und Kollegen an den Schulen stellen enttäuscht fest, dass die Inklusion in Bremen „ohne richtiges Konzept gestartet wurde. Die Kollegen werden mit den Herausforderungen allein gelassen“, so die Grundsatzkritik von Myrcik, der als Sonderpädagoge und Personalratsmitglied einen umfassenden Einblick hat. Viele Probleme im Bereich Inklusion entstehen wegen des bestehenden Personal- und Fachkräftemangels.

Unhaltbare Zustände

„Für Sonderpädagogen/innen gibt es leider keinen Vertretungspool. Immer mehr nicht ausreichende qualifizierte Kräfte sollen die Lücken stopfen“, so Myrcik. Um die teilweise unhaltbaren Zustände zu bekämpfen, fordert er zweierlei: „Die Probleme werden kaschiert. Wir brauchen sofort klare, transparente Zahlen, wie hoch der Unterrichtsausfall wirklich ist. Und wir brauchen  - so schnell wie möglich - die Einführung des Studiengangs Inklusive Pädagogik.“

Die Situation in Bremerhaven ist mindestens ebenso dramatisch. Auch dort melden sich immer mehr gefrustete Kolleginnen und Kollegen bei der Interessenvertretung. „Wir haben sogar in den Sommerferien wesentlich mehr Anrufe als üblich bekommen. Häufiges Thema sind die Belastungen durch das fehlende Personal und die negativen Auswirkungen auf den Schulalltag“, berichtet Elke Suhr vom Personalrat Schulen Bremerhaven. Auch in der Seestadt gibt es Probleme mit fehlenden Doppelbesetzungen und dem vermehrten Vertretungseinsatz von Sonderpädagogen/innen als Fachlehrer.

„Stellt Gefährdungsanzeigen“

Ein weiteres Problem ist, so Myrcik, dass Anträge für Assistenzen  in Inklusionsklassen sehr lange dauern. Die Folgen liegen auf der Hand: die Belastung für die Kollegien verschärfen sich. Der Personalrat Schulen in beiden Städten hat mit dem Thema Inklusion einen neuen Arbeitsschwerpunkt. Die Interessenvertretungen nehmen die Informationen und die Probleme der Beschäftigten auf, tragen sie weiter zu den bildungspolitisch Verantwortlichen, versuchen, Steine ins Rollen zu bringen, und rät den Kolleginnen und Kollegen dazu, mit Gefährdungsanzeigen den Handlungsdruck zu erhöhen. Allerdings werden die Gefährdungsanzeigen von den Verantwortlichen häufig nicht so ernst genommen, wie es nötig ist“, kritisiert Elke Suhr.  

Das Thema Inklusion und die Folgen im Schulalltag werden vorerst weiter – so die Prognose von Myrcik - auf der täglichen Tagesordnung der Interessenvertreter/innen bleiben. „Es müssen jetzt nachhaltige Lösungen her.“

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