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SchwerpunktIst das gesund?

Eine Schulleiterin in Corona-Zeiten

 

16.03.2021 - Christiane Langer

Von Nachbarn werde ich gefragt: Was machst du denn den ganzen Tag, die Schule ist doch zu! Von wegen! Die Bremer Grundschulen wurden nur zu zwei Zeiten für insgesamt vier Wochen ganz geschlossen. Ansonsten haben wir jede Art der Beschulung geplant, organisiert, durchgeführt und bevor die neue Form zur Gewohnheit werden konnte, wurde schnell die nächste verordnet: Viertelgruppen, Halbgruppen, vollständige Klassen, Schulbesuch auf Elternwunsch oder mit Präsenzpflicht ...  Alle haben noch nie so oft die Sitzordnung völlig neu aufgestellt, Tische und Stühle geschleppt. Die Schulleitung hat noch nie so viele Stundenpläne geschrieben wie im vergangenen Jahr. Dazu kommt die Erarbeitung von Präventionsmaßnahmen, Hygieneplänen und Gesundheitsregeln aufgrund von Verordnungen und Verfügungen, die uns gern am Freitagnachmittag erreichen. Von der Prozessbeschreibung bei einem Covid- 19 Fall träumt man dann nachts. Wir lernen ständig Neues, bekommen ständig neue Aufgaben!

Der ganz normale Wahnsinn

Das Schulleben findet nur noch in getrennten Kohorten statt. Der Schulhof wird in Zonen zerstückelt: Kinder und Lehrkräfte halten Abstand zueinander. Viele zusätzliche Aufsichten versuchen sich im Bewachen der Distanz. Eltern kommen nur noch telefonisch vor. Aber dann haben wir sie zum Sprechtag in die Schule zu laden, kann die Schulanmeldung nicht digital erfolgen, suchen Eltern den Kontakt, der auch ihnen fehlt, indem sie im Sekretariat einlaufen, um ständig Änderungen der Ganztagsbetreuung zu klären. All dies zu regeln braucht Zeit und erfordert Mehrarbeit von allen Mitarbeitenden. Einige fehlen am Vor- und Nachmittag, denn sie haben Arbeitsverbot. Auf dem Markt wie Stadtteilschule gibt es keine Vertretung mehr. Lehrkräfte schreiben Überlastanzeigen. Ständig schwebt über uns das Gefährdungsbewusstsein.

Grundschulkinder sind nicht so ansteckend?

Unsere Coronafälle bringen das Kartenhaus Schule schnell zum Wanken (Das klingt aktuell, 12. März, von Dr. Wieler vom RKI ganz anders). Dann kommt die große Lösung für den Distanzunterricht zu Weihnachten: Die I-Pads sind da und müssen für jedes der 340 Kinder von uns sofort eingerichtet werden, sonst droht Diebstahl. Aber wir Lehrer*innen haben kaum Zeit, uns mit den Geräten fortzubilden. Die Kinder sind ganz scharf drauf: Sie haben endlich eine Spielekonsole in der Schule. Das Personal kann jetzt online Dienstversammlungen, Gesamt- und Schulkonferenzen, Elternbeirat abhalten, aber ohne Pädagogische Mitarbeiter*innen, denn die haben keine Geräte bekommen.

Kooperative Steuerung ausgesetzt

Wir Schulleiterinnen hatten in vielen auch moderierten Sitzungen mit Behördenvertretern eine kooperative Steuerung entwickelt. Ist davon im vergangenen Jahr etwas übrig geblieben? Wir sind nur der verlängerte Arm der Behörde. Wir dürfen uns zu Wort melden, aber entschieden wird anders. Alle anderen Bereiche der Schulentwicklung liegen brach. Der Ganztag ist oft zur Aufbewahrung geworden.

Kollegial und miteinander

Wie wichtig das Miteinander im Kollegium ist, die Gespräche über Unsicherheiten, Pädagogische Maßnahmen, psychische Gesundheit von uns und den Kindern, Schulkultur, ... all das merke ich jetzt ganz besonders. Ohne die Zusammenarbeit im Leitungsteam und mit dem Kollegium würde Corona uns in die Knie zwingen. Corona ist überall maßgebend dabei. In Bremen haben wir in den Grundschulen mehr Unterricht durchgeführt als in jedem anderen Bundesland. Dafür zahlen Lehrkräfte und Schulleitung einen hohen Stresspreis.

Ich habe mich noch nie auf eine Impfung gefreut, aber jetzt.