GEW Bremen
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Integrationskurse

Sie sind hochqualifiziert. Sie arbeiten im öffentlichen Auftrag. Ihr Mission: die Integration von MigrantInnen verbessern. Sie unterrichten Deutsch als Fremdsprache in Integrationskursen im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Sie verdienen zwischen 12 und 22 Euro in der Stunde – es sei denn sie sind krank oder es sind Ferien. Vom Bruttolohn müssen sie die Renten- sowie Krankenversicherungsbeiträge allein bezahlen – inklusive Arbeitgeberanteil. Ansprüche auf Arbeitslosengeld haben sie nicht. Lehrkräfte in Integrationskursen sind unzufrieden.

16.09.2013 - Prekäre Arbeitsbedingungen von Lehrkräften | Interview mit Katja Dikushina

In Bremen organisierte eine Gruppe von ihnen schon im März eine gut besuchte Podiumsdiskussion mit den heimischen Bundestagsabgeordneten im Bremer Gewerkschaftshaus. Andreas Staets sprach mit Katja Dikushina von der Vorbereitungsgruppe.

Du hast mit einigen Kolleginnen schon in den Osterferien eine GEW-Veranstaltung mit Bundestagsabgeordneten organisiert. Warum seid Ihr schon so früh in den Wahlkampf eingestiegen?
Wir dachten: jetzt oder nie! Wir sind aus der Sicht der Politik eine recht uninteressante und leise Randgruppe, von der kaum jemand Kenntnis nimmt. Wenn es um Integrationskurse geht, geht es um Erfolge, Integration, Potentiale, Deutschkenntnisse, Perspektiven... Es geht aber so gut wie nie um die, die dahinter stehen. So wird es auch oft in den Medien dargestellt. Durch den Wahlkampf waren die Parteien bereit, sich mit unseren Forderungen zu beschäftigen. Außerdem wollten wir auf uns aufmerksam machen, lauter werden!
2012 wurden außerdem die KinderbetreuerInnen in Integrationskursen des Paritätischen Bildungswerks Bremen von der Rentenversicherung als sozialversicherungspflichtig eingestuft. Daraufhin wurden sie angestellt. Das war für uns u.a. ein Zeichen, dass Änderungen im Beschäftigungsverhältnis möglich sind.

Der Tivolisaal war mitten in den Osterferien voll besetzt. Was treibt Euch Dozenten von Integrationskursen um?
In erster Linie die Unsicherheit. Die panische Angst davor, krank zu werden und nicht arbeiten zu können. Die Angst davor, dass man auf den Anschlusskurs monatelang warten und dadurch einen extremen Verdienstausfall hinnehmen muss. Die Angst vor den langen Sommerferien, die nicht bezahlt werden, in denen man aber weiterhin die Sozialbeiträge zur Renten- und Krankenversicherung tragen muss, ganz zu schweigen von den übrigens Lebenshaltungskosten. Die drohende Altersarmut...

Wie wird man Dozent in Integrationskursen – was muss man können?
Grundsätzlich braucht man ein DaF-Studium. Wenn man Deutsch / Germanistik studiert hat, braucht man eine pädagogische Zusatzqualifizierung (Zusatzqualifikation DaF). Im Einzelfall entscheidet das BAMF (s. www.bamf.de). Das ist die formale Seite der Qualifikation. Man braucht außerdem eine sehr hohe interkulturelle Kompetenz und emotionale Intelligenz, Einsatzbereitschaft, starke Eigenmotivation, gutes Zeitmanagement, Erfahrungen im Konfliktmanagement und gute Fremdsprachenkenntnisse.Und man muss körperlich fit sein! Schließlich steht oder läuft man den ganzen Tag.

Was fordert Ihr, was sind Eure Perspektiven?
Die Arbeitgeberanteile für Kranken- und Rentenversicherung, die wir bislang von unserem Honorar tragen, sollen übernommen werden. Die KursleiterInnen sollen bezahlten Urlaub sowie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erhalten. Wir fordern ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis und eine angemessene Vergütung in Anlehung an den staatlichen Schuldienst.

Gerade bei Podiumsdiskussion mit Politikern wird ja viel geredet. Hat Eure Veranstaltung konkret etwas gebracht?
Die Bundestagsabgeordnete Agnes Alpers, die an der Podiumsdiskussion teilgenommen hat, hat einen offenen Brief zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Lehrkräfte in Integrationskursen an das Bundesministerium des Inneren, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und die Innenministerkonferenz der Länder geschickt. Angeschlossen haben sich die Abgeordneten der SPD und der Grünen, die bei unserer Veranstaltung anwesend waren (UnterzeichnerInnen: Agnes Alpers, MdB; Uwe Beckmeyer, MdB; Sülmez Dogan, MdBB). Die bei der Veranstaltung anwesenden Abgeordneten der CDU und der FDP haben sich von ihrer anfänglichen Unterstützung distanziert und den offenen Brief nicht unterschrieben.

Was wünschst Du Dir für die Zukunft?
Spannenden Unterricht, interessante und motivierte KursteilnehmerInnen und vor allem gute und sichere Arbeitsbedingungen!

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