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Initiative Demokratische Pädagogik:

Ein Jahr nach Gründung der Initiative „Demokratische Pädagogik“ entfaltet sich die Diskussion aus den Blickwinkeln verschiedener Personengruppen und unter Akzentuierung thematischer Schwerpunkte mehr und mehr. In der Regel werden in keiner Veranstaltung erhebliche Handlungsbedarfe bestritten. Gerade in einer Bildungsgewerkschaft stellt sich deshalb zunehmend die Frage, warum nicht längst „alle Räder still stehen“.

16.02.2013 - „Ich habe keine Zeit, mich für meine Interessen einzusetzen“ | von Bernd Winkelmann

Dieser Artikel wird mit einem Aufruf enden. Er will die Kolleginnen und Kollegen stärken, die in den vergangenen Wochen und Monaten an verschiedenen Stellen des Bremischen Bildungssystems sich einfach die Zeit genommen haben, eine Schulreform politisch zu bewerten. Dies sind Menschen, die aus einer strukturellen Unterfinanzierung des Bildungsbereiches Konsequenzen gezogen haben, indem sie in Bremen auf die Straße und in Bremerhaven zum Schulausschuss gegangen sind und Forderungen formuliert haben. Der Artikel soll außerdem dazu beitragen, alle anderen zu ermutigen: Es lohnt sich, beim nächsten Mal dabei zu sein.

Ergebnisse des Fachtages

Ein Jahr lang eine eigentliche Selbstverständlichkeit zu besprechen, hinterlässt Spuren. Der Bremische Gewerkschaftstag, der Landesvorstand und die Teilnehmer/innen unserer Fachtagung „Schule wird Demokratie“ trugen zunächst bei verschiedenen Anlässen Erfahrungen zusammen. Studierende sprachen von straffen Strukturen, Schüler/innen von vollen Lehrplänen, Pädagoginnen und Pädagogen von Vermittlungstempo bei innerbetrieblicher Hierarchie und Wissenschaftler/innen von zweifelhaften Exzellenzen.
Nach einer derartigen Problemsichtung in Vielfalt und Tiefe müssen wir vorsichtig sein, dass uns die Mächtigkeit der damit zusammenhängenden Fragen nicht „erschlägt“. In der Dokumentation unseres Fachtages ist z.B. nachzulesen:

  • Wie können wir Zeitinseln für Aufklärung schaffen?
  • Wie können wir den Kolleginnen und Kollegen die Angst nehmen, sich für ihre Rechte einzusetzen?
  • Wie ließe sich demokratische Schulentwicklung und Schulkultur als Ziel im Lande Bremen etablieren?
  • Wie kann ich innerhalb einer nicht wirklich demokratischen Struktur Partizipation und Mitbestimmung lehren?


In der Dokumentation steht auch „Kämpfen statt Klagen“ als Konsequenz. Das ist richtig. Aber alle wissen auch, dass Appelle alleine nicht helfen. Den Mitstreiter/innen der Initiative und den Delegierten in den Gremien ist das ja gegenwärtig. Jeder kennt die Stimmungsschwankungen vor Ort und weiß um die Betriebsgruppen, die sich flächendeckend wiedererfinden müssten.
Aber anfangen oder weitermachen (siehe oben) muss man schon, sonst dominiert die Klage das Kämpfen. Und es ist auch keine neue Erkenntnis, dass der nächste Schritt immer der schwerste ist.

Wie geht es weiter?

Der Beschluss des Bremischen Gewerkschaftstages 2012 bleibt in Würdigung des ersten Jahres der Initiative angesichts dieser Problemlage erst einmal vage, schafft lediglich Möglichkeiten. Von einer Folgeveranstaltung zum Fachtag, der Erarbeitung weiterer Handreichungen und vertiefenden Diskussionen ist dort die Rede sowie dem frühzeitigen Einbeziehen der Bürgerschaftswahlen 2015.
Allerdings fordert der besagte Beschluss auch auf: Geht zur gewerkschaftlichen Bildung, nehmt teil am Seminar „Was tun, um Einfluss zu nehmen ?!“ im Mai und macht euch im April auf den Weg nach Bremerhaven zur Pädagogischen Woche mit dem Titel „Demokratische Pädagogik“. Noch fahren Züge dorthin.
Diese beiden Beispiele sind letztlich nur die Konkretisierung des übergreifenden Aufrufes der gesamten Initiative: Macht mit! Die Arbeitgeber werden niemals freiwillig genug Zeit bereitstellen, damit man in Ruhe und mit Muße studieren, in den Einrichtungen und Schulen lernen, lehren oder unterstützen und sich auch noch um seine eigenen Belange kümmern kann. Nehmt euch die also Zeit – Demokratie fängt in und mit der Gewerkschaft an.

Am 18. Februar, 17 Uhr tagt die Initiative im Gewerkschaftshaus in Bremen wieder. Aus unseren Möglichkeiten sollten wir gemeinsam etwas machen.

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