GEW Bremen
Du bist hier:

Hart, aber fies!

16.05.2011 - BLZ-Reporter fragen - Politiker antworten (nicht) | von Wilfried Meyer

Ich glaube, wir sind auf Sendung, wir können jetzt:
Wir haben hier in der Anstalt Besuch von Politikern, die sich unseren Fragen stellen.
BLZ: Lohnraub bei Lehrkräften. Wir wollen Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Tariferhöhung!
POLITIKER/in (POL): Ja, ha, sehr verständlich, aber das können wir im Moment nicht darstellen.
BLZ: Sie müssen qualifizierte Fachkräfte im Mangelfachbereich einstellen!
POL: Gibt der Markt im Moment leider nicht her.
BLZ: Zurücknahme der Unterrichtstunde für die unter 50jährigen!
POL: Können wir im Moment nicht realisieren. Finanziell, glaube ich.
BLZ: Entlastungsstunden für jeden weiteren neuen Jahrgang der Oberschule!
POL: Da fehlt uns die Realisierungsmöglichkeit, im Moment, so geldlich gesehen.
BLZ: Wir möchten Einbeziehung von Lehrkräften in die Prozesse der Umwandlung, bevor Entscheidungen getroffen werden!
POL: Was meinen sie damit? Mehr Demokratie etwa?
BLZ: Ältere unter uns kennen noch die Beteiligung von Kollegien aus dem letzten Jahrhundert.
POL: Wir brauchen effektive, schlanke Entscheidungshierarchien. Statt Input geht es um den ressourcengesteuerten Output. Den können wir gut darstellen.
BLZ: Keine Zwangsfortbildungen für Grundschultestvera-Schlechtabschneide-Lehrkräfte!
POL: Es gibt keine Zwangsfortbildungen, wir bieten nur verpflichtende Hilfen für Unterrichtsverbesserung an. Die Lehrkräfte realisieren das gerade.
BLZ: Mehr Geld pro Schüler als 4900 Euro im Jahr, andere Länder geben erheblich mehr aus!
POL: Können wir im Haushalt im Moment nicht darstellen, pekuniär jedenfalls.
BLZ: Inklusion muss besser ausgestattet werden, räumlich, materiell, personell!
POL: Schauen sie sich mal die Schuldenuhr Bremens an, das lässt sich im Moment finanziell leider nicht darstellen oder realisieren, wie Sie wollen.
BLZ: Lehrerausbildung in Bremen: Sonderpädagogik und Sport z.B. wurden abgewickelt?
POL: Das war der Vorgänger Lemke, der jetzt für die UN umherreist. Weg ist eben weg. Könnten wir im Moment aber auch nicht realisieren. Wegen fehlender Mittel.
BLZ: Alte schlecht angewählte Schulen schließen, neue aufmachen, ihr neues Konzept?
POL: Wenn wir vom Bund Geld kriegen, lässt sich einiges Weniges darstellen bzw. abbilden.
BLZ: Was können sie Schulen und Lehrkräften denn anbieten?
POL: Oh. Ganz viel Mitarbeit bei Gestaltungsprozessen zur Kreation effektiver, leistungsbezogener und qualitativ hochwertiger Classroom-Innovation mit ergebnisoffener Steuerung von Unterrichtsprozessen im Hinblick auf evaluativen Konstruktions-Determinismus zu synaptischen Vernetzungsstrategien bei Schülergehirnen, gegendert natürlich, vorher funktionsgerastert und das alles in inclusiven, aber schicken Lern-Umgebungen von Oberschule und Gymnasium. Ohne Ressourcenvergeudung, versteht sich. Lassen sie es mich so sagen: Letztlich ist doch Geld nicht alles, das sehen wir doch bei den Banken, oder in Island, Griechenland und Portugal. Sind die etwa glücklich, nur weil sie kein Geld haben und wir ihnen viel leihen? Geht es uns nicht blendend hier im Bildungssystem. Immerhin haben wir einen festen Arbeitsplatz, der immer besetzt ist, denn preußische Beamte dürfen nicht streiken. Das alles so bleibt, das haben wir uns in das Wahlprogramm geschrieben. Das werden sie ja sehen nach dem 22.5., wenn es sich realisieren lässt. Die Schuldenbremse, also diese Bremse, lässt uns wenig Spielraum, wenig Möglichkeiten, wir können wirklich kaum was darstellen, sehr beschränkt. Das ist schade, aber so ist Politik nun mal. Wir Politiker können damit gut leben.
BLZ: Wir danken für die Darstellungen, äh Ausführungen. Mehr können wir hier nicht realisieren. Und wollen wir auch nicht. Das war ja ganz furchtbar, das können die Ohren alles gar nicht realisieren. Ich will zurück auf mein Zimmer. Abführen bitte.

Zurück