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Gymnasiale Oberstufe

16.02.2012 - Die GEW-Fraktion im Personalrat Schulen Bremen

Kursgrößen
Seit einigen Jahren wird die Lehrer-Schüler-Relation in der gymnasialen Oberstufe ständig schlechter. Dennoch ist der Bildungsbehörde kurz vor den Sommerferien 2011 eingefallen, dass die Oberstufe eigentlich in den vergangenen Jahren viel zu viele Stunden zugewiesen bekommen hatte und es wurden auf die Schnelle weitere Kürzungen vorgenommen. Das Resultat dieser Kürzungen ist, dass die Kurse noch größer geworden sind. Die Korrekturen, die schon früher viele Wochenenden aufgefressen haben, nehmen inzwischen gar kein Ende mehr und die einzelne Schülerin / der einzelne Schüler bekommt immer weniger Aufmerksamkeit.

Neue Oberstufenverordnung
Die Vorlage für die (wieder einmal) neue Verordnung für die Oberstufe sieht vor, dass in der E-Phase die drei Naturwissenschaften Chemie, Physik und Biologie jeweils zwei- bis dreistündig unterrichtet werden sollen. Auch andere Fächer können durch die neue Stundentafel nicht mehr dreistündig unterrichtet werden. Eine solche Zweistündigkeit bedeutet, dass man statt zwei Kursen mit je 30 SchülerInnen dann drei Kurse hat, was unter anderem 90 statt 60 Klausuren beinhaltet. Das führt für die KollegInnen zu einer weiteren Arbeitsverdichtung.

Klassenverband
Die neuste Idee der Behörde ist es, die Einführungsphase im Klassenverband stattfinden zu lassen, der bitteschön nichts mit den späteren Profilen zu tun haben soll. Aus pädagogischer Sicht ist das eine Katastrophe: Gerade hat man alle gruppendynamischen Prozesse so weit begleitet, dass ein positives Miteinander möglich ist, die SchülerInnen haben sich an die neue Lehrkraft gewöhnt und der guten inhaltlichen Arbeit steht nichts mehr im Weg. Dann sollen alle SchülerInnen noch einmal neu zusammengewürfelt werden, die gesamte pädagogische Arbeit, die die Kollegin / der Kollege investiert hat ist für die Katz und eine andere Lehrkraft muss noch einmal ganz von vorne beginnen. Außerdem bedeutet das eine Verkürzung der Oberstufe auf weniger als zwei Jahre und eine Abkehr vom Grundgedanken der reformierten Oberstufe.

Problem der Stoffmenge
Unabhängig von der neuen Gy-O-Verordnung gelten nach wie vor die (ganz neuen) alten Bildungspläne und die SchülerInnen müssen den gleichen Stoff in größeren Gruppen mit viel weniger Unterrichtszeit erarbeiten. Dieses gilt natürlich insbesondere für Fächer wie Informatik, die gar nicht mehr in der jetzigen Unterrichtstafel auftauchen, die man aber bisher bereits in der E-Phase auf Leistungskursniveau unterrichten konnte. Solche Fächer können jetzt nur noch – wenn überhaupt - stiefmütterlich mit einigen wenigen Stunden im Wahlpflichtbereich stattfinden.

Fächerarmut
Durch die Veränderung der bildungspolitischen Landschaft - Zerschlagung der Sek-II-Zentren, Einrichtung kleiner Oberstufen – findet im Moment bremenweit eine Verarmung des Fächerangebotes der gymnasialen Oberstufen statt. Zum einen haben kleine Oberstufen das Problem, dass sie nicht in der Lage sind, weniger angewählte Kurse wie beispielsweise Musik, Französisch, Chemie anzubieten, bei dreizügigen Oberstufen läuft es in einer Leistungskursschiene fast zwangsläufig auf die Kernfächer Englisch, Mathe und Deutsch hinaus. Zum anderen wird es den – noch – existierenden größeren Oberstufen durch die neue Oberschulverordnung erschwert Leistungskurse wie Informatik, Pädagogik oder Musik anzubieten. Die GEW war nicht die einzige, die diese Planungen von Anfang an kritisierte.

Die GEW fordert:

  • Die Oberstufenkurse müssen wieder annehmbare Größen von weniger als 30 SchülerInnen bekommen, auch in der Einführungsphase.
  • Die SchülerInnen sollten selbst bestimmen dürfen, welche Naturwissenschaften sie in der E-Phase belegen wollen und diese sollten dann immer mindestens dreistündig sein.
  • Die Profilbildung inklusive der Einrichtung von Leistungskursen sollte bereits in der E-Phase möglich sein und die Schulen sollten selbst darüber bestimmen, welche Kurse gemeinsam im Klassenverband stattfinden. Das gibt den SchülerInnen die Möglichkeit Leistungskurse auszuprobieren und gegebenenfalls noch rechtzeitig zu wechseln.
  • Wenn Veränderungen an der Stundentafel vorgenommen werden, sollte dies nur in Zusammenhang mit inhaltlichen Änderungen der Bildungspläne geschehen.
  • Es dürfen keine weiteren Mini-Oberstufen eingerichtet werden. Das Ziel sollten Oberstufen mit einem großen Fächerangebot sein, die SchülerInnen mit unterschiedlichen Begabungen gerecht werden.
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