GEW Bremen
Du bist hier:

Grundschule X

Wie sieht die Arbeit der pädagogischen Mitarbeiterin aus? Um darüber berichten zu können haben wir uns mit Ulla getroffen. Sie arbeitet an einer Schule in schwieriger Lage, im sogenannten Brennpunkt, im Bremer Westen.

16.05.2015 - Pädagogische Mitarbeit konkret | von Wilfried Meyer

Seit wann?

Ich bin 1984 als staatlich anerkannte Erzieherin in einem Familienkinderheim angefangen. Da habe ich für ca. 1500 DM brutto 13 Jahre gearbeitet. Danach war ich auch persönliche Assistenz für ein türkisches Mädchen für den MC. 2001 wurde ich Mitarbeiterin als Hausaufgabenhilfe im Nachbarschaftshaus. Dort wurde ich angesprochen, ob ich im Rahmen der Verlässlichkeit in der Grundschule arbeiten wollte. Das war 2001 und wir waren die Betreuungskräfte.

 

Was heißt das?

Wir haben die Kinder beschäftigt, die keinen Unterricht hatten. Gespielt, gebastelt, gemalt, gefrühstückt, auf den Spielplatz begleitet… Allerdings waren die ersten Verträge meistens befristet, und es gab z.B. kein Weihnachtsgeld.

 

Du warst qualifiziert, waren das alle?

Nein, es gab sehr viele Kräfte, die überhaupt keine Ausbildung hatten. Mütter, die ein paar Stunden da waren ohne Ausbildung, und es hat auch nie Fortbildung oder Weiterbildungsangebote gegeben. Natürlich gab es auch damals schon Absprachen mit den Lehrkräften, aber Teams, die zusammenarbeiteten waren eher die Ausnahme. Und die Ansprüche an uns waren auch nicht so hoch wie heute. Erst später hatten mehr die ErzieherInnenausbildung, auch weil sie endlich angeboten wurde als Qualifizierungsmaßnahme.

 

Was hat sich geändert?

Also ich habe einen festen Vertrag bei Bildung, das ist gut. Früher war die Arbeit unstrukturierter, heute ist Teamabsprache erwünscht, aber auch spontaner Einsatz, wenn Lehrkräfte fehlen, und das geht dann in Richtung Vertretung von Unterricht, die wir ja offiziell nicht machen dürfen. Aber wir werden da zum Stopfen von Löchern benutzt. In der Statistik der Senatorin taucht das als Unterrichtsausfall bisher nicht auf! Mittlerweile werde ich auch nach Tarif bezahlt, ausgerechnet habe ich für mich den Stundenlohn von 14,06 Euro.

 

Und die Kinder, wie sind die so?

Die haben sich auch verändert. Sie sind anspruchsvoller geworden, schwieriger im Verhalten, schlechter in ihren Leistungen, viele werden von zu Hause nicht mehr ausreichend vorbereitet oder unterstützt, das macht das ganze Arbeiten anstrengender, weil es nicht mehr reicht, Angebote zu machen. Also haben wir auch mehr Vorbereitung. Es geht auch viel um Beachtung von Regeln, Respekt untereinander, Achtung des anderen, der anderen Kultur. Ganz oft müssen Streitereien geschlichtet werden. Ich kann da insgesamt etwas von meiner Erfahrung profitieren. Auch Spaß muss dabei sein, wir spielen, musizieren, lesen vor, erfinden Geschichten. Wir müssen wie die Lehrkräfte für alles Mögliche da sein. Die Absprachen untereinander sind besser geworden, aber der Aufwand dafür auch höher. Da bräuchten wir unbedingt Teamstunden, die wir nicht haben. Hausaufgabenhilfe wird erwartet. Selbst das Aufräumen der Schultaschen, Elterngespräche und die Übernahme von Aufgaben der Eltern. Und wir haben dann auch noch Begleitung von Klassenfahrten, Ausflügen, Gang zum Mittagessen, Busfahrten,… Da werden schnell Überstunden gemacht, die meistens unbezahlt sind. Und die offiziellen Fortbildungen fehlen, wir müssen uns selbst kümmern, wenn wir das wollen und die Kraft reicht.

 

Gibt es auch Zufriedenheit?

Toll ist es, wenn es gelingt zu den Kindern eine intensivere Beziehung aufzubauen. Das ist für uns manchmal eher möglich als für die Lehrkraft, weil wir oft auch mit den einzelnen Kindern arbeiten können und nicht nur Gruppen haben. Da haben wir einen Vorteil.

 

Gibt es weitere Probleme?

Wie gesagt, der Job ist anstrengend. Und vom Geld her letztlich nicht ausreichend. Ich habe einen zweiten zusätzlich. Und es ist auch immer noch schwierig mehr Stunden zu bekommen, weil für die Schulleitung natürlich viele Köpfe mehr Sinn machen, da man diese flexibler einsetzen kann als einen mit vielen Stunden. Das ändert sich so langsam, weil der Personalrat die Aufstockungvor- Neueinstellung-Regel durchgesetzt hat.

 

Welche Wünsche / Forderungen hast du?

Für mich wünsche ich mir im Moment mehr Stunden. Und in diesen Stunden auch mehr Einsatz im Lernbereich. Insgesamt mehr Würdigung unserer Arbeit, weil sie so vielfältig ist. Absprachen und Teamarbeit sind nötig und sollten mit mehr Stunden fest verankert werden. Und ich wünsche mir immer gute Zusammenarbeit. Zu der Zusammenarbeit gehört auch, dass ich zusammen mit den Lehrkräften mich austausche über die Kinder, und zwar nicht nur über die Problemfälle, sondern über alle Kinder, deren Schwächen und Stärken. Eine Kleinigkeit ist z.B. ein eigenes Fach zu haben, meinen eigenen Schrank für Material usw. Das sind eigentlich Selbstverständlichkeiten. Mehr Fortbildungs- oder Weiterbildungsangebote sollten gemacht werden. Möglichst in der Arbeitszeit. Und die Kolleginnen sollten alle bei Bildung beschäftigt werden. Ein weiterer Punkt wäre noch die Ansprechbarkeit oder Stärkung von Interessenvertretung für mich, vielleicht so eine regionale Ansprechstelle oder Gewerkschaftsgruppe.

 

Liebe Ulla, Danke für das Gespräch.

 

Das Gespräch wurde mit Ulla Schwientek geführt, Pädagogische Mitarbeiterin / Schule am Halmerweg.

Die Fragen stellte Wilfried Meyer

Zurück