GEW Bremen
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Gewerkschaftliches Engagement in Bremerhaven

Was tun!

 

 

16.12.2016 - Bernd Winkelmann | Landesvorstandssprecher

Seit Mai 2013 kämpft das Bremerhavener „Bündnis für Bildung“ für bessere Lern- und Arbeitsbedingungen in den Schulen der Stadt. Die Chronologie der Ereignisse zeigt, dass es gelungen ist, eine Reihe spektakulärer politischer Aktionen durchzuführen, die eine hohe öffentliche Wahrnehmung mit sich brachten. Die Zusammenstellung fordert durchaus Überlegungen heraus, wie diese stetige Einbeziehung derart vieler Schüler*innen, Eltern und Lehrkräfte gelingen konnte und welche Rolle dabei „gewerkschaftliches Engagement“ spielte.

02.05.2013: Demo von Schüler*innen, Eltern und Lehrkräften in zwei Marschsäulen zur Großen Kirche (7.000 Teilnehmer*innen)

16.05.2013:„Marsch in schwarz“ der Lehrkräfte zu den Parteibüros von SPD und den Grünen (500 Teilnehmer*innen)

12.11.2013:Menschenkette durch Bremerhaven am „Tag der Schippe“ (7.000 Teilnehmer*innen)

02.12.2013: Übergabe von Schippen aus 35 von 37 Schulen an Bürgermeister Böhrnsen (Delegation der Schulen zum Rathaus, 80 Teilnehmer*innen)

23.05.2014: „Von der Schippe zum Bagger“. Einsammeln von Bildungsbausteinen (6.000 Teilnehmer*innen)

20.10.2014:Übergabe von 300 Bildungsbausteinen an Bürgermeister Böhrnsen (Delegation der Schulen zum Marktplatz; ca. 300 Teilnehmer*innen)

18.02..2015: Politischer Aschermittwoch. Einsammeln von 5.000 Pappnasen (7.000 Teilnehmer*innen)

16.07.2015: "Wir wünschen 5.000-fach einen guten Riecher“: Übergabe von 5.000 Pappnasen an Bürgermeister Sieling und Senatorin Bogedan (Delegation der Schulen mit 150 Personen zum Marktplatz)

07.06.2016: „Wo sind Sie, Frau Bogedan?“: Einsammeln von Einladungen zu Schulbesuchen an die Senatorin (4.500 Teilnehmer*innen). Am 31.08. wurden die Einladungen an die Senatorin übergeben.

13.09.2016: „Der Notfall ist eingetreten“ (200 Kolleg*innen suchen den Ausschuss für Schule und Kultur in Bremerhaven auf). Daraus resultiert eine Anhörung mit Kommunalpolitiker*innen, die am 31.10. durchgeführt wurde.

Das gewerkschaftliche Engagement
Als außerordentlich hilfreich erwiesen sich vorbereitende gemeinsame Sitzungen von Betriebsgruppensprecher*innen und Schulleitungen. Dadurch gelang es uns regelmäßig, die Hälfte bis 2/3 der Schulen in Bremerhaven an den Planungen und notwendigen inhaltlichen und organisatorischen Absprachen zu beteiligen, indem beide Vertreter*innen zusammen teilnahmen oder sich vorab darüber verständigten, wer die Schule repräsentiert. Dies führte im Idealfall zu ersten Überlegungen, wie die jeweilige Schule einen Beitrag zum Gelingen der Aktion leisten kann sowie welche innerschulischen Informationskanäle genutzt werden sollen – ins Kollegium, an die Eltern und hinsichtlich der Schüler*innen.

Notwendig für den Mobilisierungserfolg war die jeweilige „Materialisierung“ des Protestes und der damit verbundenen Forderungen – direkt bezogen auf den jeweiligen Adressaten (z.B. die „Schippe drauf“ an Jens Böhrnsen oder die Einladung an Frau Bogedan: „Wo sind Sie, Frau B.?“). So haben wir uns bei den Vorbereitungstreffen darauf verständigt, dass

  • jede Schule eine Schippe gestaltet, die wir dann im Bremer Rathaus übergeben haben (Dezember 2013);
  • jede Schule „Bildungsbausteine“ herstellte, die die Mängel an den Schulen hervorhoben („fehlende Steine“) und als Mauer auf dem Bremer Marktplatz aufgebaut wurden (Oktober 2014);
  • jede Schule für den Aschermittwoch Pappnasen fertigte, die wir an die Landesregierung „zurückgaben“ zum Regierungsantritt von Carsten Sieling (Juli 2015);
  • jede Schule eine Einladung auf großer Karte an Frau Bogedan aussprach, damit diese sich ein Bild über den Zustand vor Ort machen kann (Übergabe August 2016).

Der Effekt dieser Vorbereitungen war beeindruckend. In den Schulen, in vielen Klassenräumen fand eine Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen schulischen Lernens statt. Wenn wir es etwas euphorisch formulieren, sprechen wir von politischer Bildung im großen Maßstab, praktische Umsetzung inbegriffen. Gemeinsame Ziele von Eltern, Schüler*innen und Pädagog*innen wurden zudem definiert – unter Nutzung der unmittelbaren Erfahrung an den einzelnen Standorten. Das „gewerkschaftliche Engagement“ jeder einzelnen Kolleg*in war dabei ein Erfolgsgarant. Wenn der Tag der Aktion kommt, ist Verlässlichkeit ein entscheidendes Kriterium.

Neben diesen ganzen Abstimmungen benötigt man das „verbindende Element“, die Identifikation. Unsere Sprechchöre haben uns dabei sehr geholfen, unabhängig von der Größe der Gruppe. „Mayday Frau Bogedan, Mayday“ stellte sich als äußerst einprägsam heraus. Der unbestrittene Klassiker bleibt aber „Ein dreifaches ´Schippe drauf´ “. In diesem Sinne machen wir weiter!

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