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GEW unterstreicht ihre Kritik an der „Offenen Ganztagsgrundschule“

Ohne Ganztagsschule für Alle geht nur Schule und Hort

16.01.2012

„Es muss darum gehen, Schule und Unterricht so umzugestalten, dass alle Kinder von dieser zeitlich veränderten Lern- und Entwicklungsstruktur profitieren können. Ganztagsschule ist nicht in erster Linie eine Betreuungsfrage, auch wenn dies für viele Eltern notwendigerweise eine wichtige Rolle spielt“, betont Christian Gloede, Landesvorstandssprecher der GEW Bremen. Die geplante „Offene Ganztagsgrundschule“ (oGTS) verhindere genau diese notwendige Umgestaltung des Schulalltages. Als Großstadt mit allen bekannten sozialen Problemen, die sich gerade im Zusammenhang zwischen Armut und unzureichender Bildung manifestiere, könne Bremen sich diese offenen Modelle eben nicht leisten.
Zudem würde nach wie vor suggeriert, dass Eltern eine Wahl hätten, ob ihre Kinder bis 13 Uhr oder länger in der Schule bleiben könnten.
Richtig sei vielmehr, dass es sich bei dem Angebot der oGTS um eine Lotterie handele, da die Plätze begrenzt seien und eben nicht alle, die es wünschten, einen Ganztagsplatz bekämen. Auch die Aufnahme- und Förderbedingungen behinderter Kinder seien gänzlich ungeklärt, kritisiert die GEW.
Besonders ignorant sei in der Debatte um die oGTS die Kopplung an Hortschließungen. „Horte stehen für eine ganzheitliche Konzeption von Bildung und Erziehung, die zudem in der Betreuung verlässlich sind“, hebt Gloede hervor. Diese im Rahmen einer Diskussion über unzureichende Schulentwicklung anzutasten, diskreditiere die bisherige Arbeit in den Horten und verhindere damit die notwendige und sinnvolle gemeinsame Entwicklung von Konzepten zwischen Hort und Schule. Hierfür sei auch die von der Bildungssenatorin nicht gewollte Übernahme der Hortnerinnen und Hortner ein Indiz.
Die oGTS entpuppe sich allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz als bildungspolitisches Billigmodell. „Sozialsenatorin Stahmann muss dieser drohenden Entwicklung mit einem klaren Bekenntnis zur ganzheitlichen Konzeption und Absicherung aller derzeitigen Hortplätze entgegentreten“, fordert Gloede weiter. Nur eine „gute Ganztagsschule für Alle“, in der Lehrkräfte, sozialpädagogische Fachkräfte und andere gemeinsam mit Eltern und Kindern den Schulalltag entwickeln und gestalten, könne Horte überflüssig machen.
Die GEW lädt zu kommenden Donnerstag, 12.1. um 9 Uhr interessierte Hortbeschäftigte zu einer gemeinsamen Diskussion über weitere Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten ins DGB-Haus ein.

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