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GEW Bremerhaven - von der Schippe zum Bagger

Die vom Präsidenten des Senats zugesagte „Schippe drauf“ reicht nicht mehr aus, um die durch das Schulgesetz geforderten Aufgaben zu erfüllen.

Jetzt benötigt die Stadt die Kapazität eines Baggers!

17.07.2014 - von Peer Jaschinski

„Eine Schippe drauf“ für eine bessere Bildung hatte Bürgermeister Böhrnsen vor geraumer Zeit den Schulen in Bremerhaven versprochen. Aber: Monate sind seitdem vergangen und in der Seestadt sind keine zusätzlichen Mittel angekommen, die nur annähernd das Volumen einer Schippe vermuten lassen. „Wenn das schon eine Schippe drauf war, dann wird wohl doch eher eine riesige Baggerschaufel benötigt“, sagte sich das „Bremerhavener Aktionsbündnis für Bildung“, getragen vom Stadtschüler_innenring, dem Zentralelternbeirat und der GEW. Das Bündnis hat schon im vergangenen Jahr nachdrücklich auf die Missstände in Bremerhaven hingewiesen. So nahmen mehr als 7000 Menschen an einem Demonstrationszug im Mai und weitere 7000 an einer Menschenkette im November teil, bei der die GEW auf einer abschließenden Kundgebung 38 Schippen der Bremerhavener Schulen eingesammelt und von einer großen Delegation im Dezember dem Präsidenten des Senats im Bremer Rathaus überreicht wurden. Nun erreichten die Proteste in Bremerhaven einen weiteren Höhepunkt!

Spektakuläre Aktion

Am 23. Mai rückte in der Seestadt die Baggerschaufel an. An sieben Haltepunkten im gesamten Stadtgebiet gaben Schüler_innen, Eltern und Pädagog_innen sogenannte „Bausteine für die Bildung“ ab, auf denen sie ihre Forderungen und Wünsche kreativ gestaltet hatten. Morgens um 8 Uhr 30 ging es am Julius-Leber-Platz in Leherheide los. Mehr als 1000 Menschen empfingen dort den riesigen Radlader um das Beladen des Treckeranhängers mit den mitgebrachten „Bausteinen“ lautstark zu begleiten. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Bildung klaut“, schallte es über den Platz. Zwei große Trommelgruppen der Leherheider Schulen wurden durch schottische Dudelsackmusik begleitet, die wiederum den Sparwahn des Bremer Senats symbolisierte. Ob am Leher Altmarkt, am Ernst-Reuter-Platz, vor der großen Kirche, auf dem Konrad-Adenauer-Platz, vor der Fritz-Reuter-Schule oder abschließend gegen Mittag vor der Paula-Modersohn-Schule, an jeder „Bausteinladestation“ auf der Strecke von Nord nach Süd zeigte sich den beiden mitfahrenden Kamerateams von Radio Bremen und RTL sowie der regionalen und überregionalen Presse das gleiche Bild: Tausende junger Menschen, die ihr demokratisches Recht wahrnahmen ihren Unmut zur Bremerhavener Bildungssituation zu äußern. Mehr als 6000 waren es wieder einmal an diesem Tag. Sie überreichten diesmal über 300 Kartons für eine bessere Bildung.

Die Aufschriften auf den Kartons konkretisierten, was die jeweiligen Schulen aktuell benötigen. Immer wieder tauchten Forderungen auf wie:

  • "Arbeitsgemeinschaften soll es nicht nur in der Ganztagsschule geben“
  • "Wir wollen mehr Sport“
  • "Ich möchte gern ´mal in eine Bücherei gehen“
  • "Aufenthaltsbereiche für Schüler_innen werden benötigt“
  • "14 Unterrichtsstunden für Berufsschüler_innen“
  • Und immer wieder: "Wir brauchen mehr Lehrer_innen“


Baustelle Schullandschaft
Die Kartons symbolisieren aber auch, dass sich die Bremerhavener Schullandschaft zu einer riesigen Bildungsbaustelle entwickelt hat. Die Schulreform benötigt noch viele wichtige „Bausteine“, um erfolgreich umgesetzt werden zu können. Mit der Verwendung dieser „Bausteine“ würde der Senat die Schullandschaft auf ein solides Fundament stellen. Und bei der Menge an Forderungen wurde eines deutlich: „Schippen“ reichen tatsächlich nicht mehr aus, um die Arbeit der Schulen abzusichern. So war es folgerichtig, dass ein Bagger in Form eines riesigen Radladers vorfuhr, um die „Bausteine“ einzusammeln. Senatspräsident Böhrnsen schien im Dezember schon so eine Vorahnung gehabt zu haben, als er vor der großen Bremerhavener Delegation verkündete, dass er nur von einer „Schippe“ sprach und nicht von einer „Baggerschaufel“. Die muss es nun aber unbedingt werden!

Politik ist in der Verantwortung
Die Mitglieder des Bündnisses zeigten sich von der Beteiligung und der Resonanz begeistert. „An diesen Tagen“, so Bernd Winkelmann „zeigt sich, dass die Schulen bereit sind, für ihre Interessen einzutreten. Wir lassen nicht locker. Unsere Anforderungen an die verantwortlichen Politiker sind klar: Wir wollen ein Schulsystem, das allen Kindern und Jugendlichen gerecht wird. Wir wollen aber auch, dass die Schulen eine faire Chance haben, ihre Aufgaben mit der notwendigen Qualität erledigen zu können.“
Damit dies möglich ist, hat sich das Bündnis auf acht übergreifende Forderungen und Aussagen verständigt, die die Interessen von Schüler_innen, Eltern und Pädagog_innen bündeln:

  1. 170 Stellen „plus“ an Bremerhavener Schulen neu schaffen
  2. Unterricht statt Aufbewahrung
  3. Mehr Ganztagsschulen für Bremerhaven
  4. Inklusion muss bezahlt werden – 20 Mio. Euro zusätzlich pro Jahr
  5. Keine Schuldenbremse für Bildung
  6. Keine Privatisierung schulischer Aufgaben
  7. Gute Bildung ist Menschenrecht
  8. Qualität schafft kluge Köpfe

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen plant das Bündnis als nächsten Schritt die Übergabe der Kartons an Bürgermeister Böhrnsen. Die Aktionsbereitschaft ist groß, der Tag der Übergabe wird sicherlich nicht weniger spektakulär verlaufen. Aus Kreisen des Bündnisses ist schon jetzt zu hören: „Herr Böhrnsen wir kommen wieder!!!“

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