GEW Bremen
Sie sind hier:

Bildung. Weiter denken!GEW Aktionen zum Thema: Gebäudesanierungen jetzt!

GEW-Landesverbände quer durch die Republik haben unter dem Motto „lerntRÄUME gestalten“ mehr Geld für eine zeitgemäße bauliche und technische Ausstattung von Kindertagesstätten, Schulen und Hochschulen gefordert.

01.06.2018

„Zu wenig Lärm um Lärm?“
GEW-Mitgliederversammlung Stadtverband Bremen am
Dienstag, den 15. Mai 2018, in der Aula der Oberschule am Leibnizplatz auf den Spuren von Baumängeln.
 Dr. Gerhart Tiesler (ISF Bremen): „Lärm in Bildungsstätten“

In diesem Jahr lud uns eine Kollegin aus dem Stadtverbandsvorstand zur Mitgliederversammlung an ihren Arbeitsplatz ein – auch damit wir ein Auge oder vielmehr ein Ohr auf die Probleme vor Ort werfen konnten. Erst sechs Jahre alt ist die Mensa der Oberschule am Leibnizplatz in der Bremer Neustadt. Leider ist die Mensa, in der Pädagogische Mitarbeiter*innen mittags regelmäßig 80 Kinder beim Mittagessen beaufsichtigen, ein gutes Beispiel für die Vernachlässigung der Raumakustik im Schulbau.
Zwar sorgen viele an Wänden und Decke verbaute „Sauerkrautplatten“ dafür, dass es so aussieht, als sei an den Schallschutz gedacht worden, aber, so klärte uns Dr. Gerhart Tiesler vom Institut für interdisziplinäre Schulforschung Bremen (ISF) auf:

da die „Sauerkrautplatten“ fest mit der Wand verschraubt sind, bleiben sie weitgehend wirkungslos. Für eine auch tatsächlich gute Raumakustik wäre beim Neubau kein zusätzliches Geld nötig gewesen. Eine Dämmung im Nachhinein dagegen kostet Geld – die Lärmsanierung eines normalen Klassenraumes ist nach Tieslers Worten für 3.000 bis 4.000 Euro zu haben.
Für längere oder größere Räume wie eine – auch als Aula genutzte – Mensa sollte aber unbedingt eine konkrete Berechnung durch ein Akustik-Ingenieurbüro durchgeführt werden. Mit einer „Murmelrunde“ erkundeten wir noch vor dem Vortrag den „Lombard-Effekt“, der bei schlechter Raumakustik in der Mensa – aber auch z.B. in Gruppenarbeitsphasen ein großes Problem darstellt. Sprechen gleichzeitig mehrere (Arbeits-)Gruppen im Raum, wird das Sprechen in der einen Gruppe zum Störgeräusch für die anderen. Um sich trotz Hintergrundgeräusch verständlich zu machen, wird in den anderen Gruppen lauter gesprochen. Es beginnt eine Kettenreaktion: Die Gruppen reagieren aufeinander und schrauben den Geräuschpegel somit über die Zeit hinweg immer weiter nach oben, obwohl die Anzahl der kommunizierenden Parteien gleich bleibt.
Dieser Effekt – so die Untersuchungen des ISF – fiel in Klassenräumen nach einer raumakustischen Intervention durch Decken- und Wandverkleidung (Nachhallzeit auf etwa 0,4 s gesenkt) fast vollständig weg. Das mag einer der Gründe sein, warum eine Lärmsanierung, die rechnerisch zu einer Schalldruckreduzierung von 3 Dezibel (dB) führt, in den Versuchen im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin tatsächlich eine gemessene Reduzierung des Geräuschpegels um durchschnittlich 13 dB im Unterricht erreichte. (Zur Einordnung: Die Dezibel-Scala ist logarithmisch: Wird der Schall um 3 dB mehr, bedeutet dies eine Verdoppelung des Schalldrucks!).
In den leiseren Räumen ließ sich anhand der Herzfrequenz der Lehrkräfte als objektivem Indikator für die psychophysische Arbeitsbeanspruchung eine deutliche Senkung der Belastung nachweisen, die zudem zu einer geringeren Empfindlichkeit auf den Stressor ›Lärm‹, und zu einem deutlich entspannteren Arbeiten führte.
Die neue DIN 18041 zur Akustik von Schulräumen ist der anzuwendende Stadt der Technik für Neubauten und Sanierungen. Ihre Nichteinhaltung sei ein Baumangel. Bei den bestehenden Räumen sei es schwer eine Lärmsanierung zu erreichen, so Dr. Gerhart Tiesler. Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten, mit Hörschäden und mit nichtdeutscher Muttersprache, hätten einen Anspruch auf gute Akustik. Dieser könne im Gegensatz zu den Gesundheitsschutz-Ansprüchen der Pädagog*innen mit genügend Druck auch der Elternschaft oft durchgesetzt werden.

Beschluss der Mitgliederversammlung:

„Die Mitgliederversammlung der GEW Bremen fordert die Senatorin für Kinder und Bildung (SfKB) dazu auf, gemeinsam mit den Interessenvertretungen zeitnah ein Lärmmess- und -schutzkonzept zu entwickeln und umzusetzen. Im kommenden Haushalt sind Mittel für notwendige Lärmsanierungen einzuplanen.

Die Bildungseinrichtungen werden aufgefordert, der SfKB dringende Bedarfe anzuzeigen, damit diese vorrangig behoben werden können.
Insbesondere bei Neubauten und Sanierungen von Schulen, Kitas und Hochschulräumen ist auf die Einhaltung der DIN 18041 zu achten.“

Zurück