GEW Bremen
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Frischluft: Jubel, Trubel, Heiterkeit!

Jetzt geht’s looos ! Aus Qual-Anal wird Qual-Off !

16.09.2017 - Wilfried Meyer

Lang erträumt wird es endlich wahr. Nach der Qualitätsanalyse kommt nun die Qualitätsoffensive für Bildung, bekannt aus Krämpfen, militärisch und sportlich. Schon einmal standen wir ganz oben auf der Treppe mit „Offensive Bildungsstandards“. Ein Narr, wer sich nicht erinnert an wohlfeile Geschenke des Dr. Bethge, ein 1GB-Stick und ein Ordner mit einem alten Vera-Test. Der Kulthammer seinerzeit und hoch begehrt. Man schlurte zu so called „Cluster-Fortbildungen“, natürlich nicht freiwillig. Das war schon eine Superoffensive, die wir begeistert mitgegangen sind. Jetzt kommt die nächste Sause. Bremen will ein „Qualitätsinstitut“, ein „Mehr an Leistung im System“, etwas „messbares“. Die „domänenspezifischen schulischen Standards“ müssen erfüllt werden. Was immer das alles ist, es hört sich verdammt gut an! „Die Dimensionen des Konzepts“, “Kernbereich der Schule“ und das Sahnehäubchen intellektueller Ergüsse: „Controlling durch Systematisierung des Monitorings“, „Vorgaben für Ziel- und Leistungsvereinbarungen“. Schwülstige Fieberträume behördlicher Schmierfinklappen auf Depupier. „Schulaufsicht fordert Rechenschaftslegung“. Hieß es früher noch im sogenannten Orientierungsrahmen Schulqualität: „Rechenschaft aller Ebenen“, also auch die der Schreiber und der Schulaufsicht, ist man davon ab. Gepriesen sei der Herr (Huesmann/Bethge). Da wird kommissbereit von „Beratung im Feld“(!) gesprochen, dafür wird ein alter Generalfeldmarschall aus Berlin als „critical friend“ angeheuert, natürlich für freundliches Geld. „Halt!“ rufst du da, Kollegin und Kollege? Nein, diese durch brillante Ideen und undurchdachten Brainschiss angeleierte Offensive hältst du nicht auf! Du musst mitmarschieren! Du wirst durch wunderbare, aber verpflichtende Aufgaben von der unmittelbaren Front im Unterricht entfernt und darfst an Bildung von „Verbünden“ zwischen Kita und GS, an neueingeführten Tests in der 5.Klasse, an Zwangsfortbildungen teilhaben (hier wird auf Seite 8 mit §2 Lehrerfortbildungsverordnung gedroht), du darfst die nachrückenden Unqualifizierten betreuen und ausbilden, du wirst gezwungen länger fachfremd zu unterrichten…Wenn du all diese Schätze der neuen Offensive heben willst, lies es bitte selbst. „Evidenzbasiertes Handeln“, “Domänen des Kompetenzerwerbs“, „Sprachförderbänder für alle Bremer Grundschulen“. Ein kleiner Rückschritt beim Sparen wird die angedrohte Entlastung sein von Lehrkräften in „besonderen Problemlagen“. Da möchte ich dagegen sprechen, denn es gibt bei vielen noch Luft nach oben, warum entlasten? Denn die Behörde arbeitet ja auch sehr zufriedenstellend: „intelligente Steuerung an Nahtstellen“, ja auch Geld wird gegeben („geldwerte Vergütung“) und Achtung, es gibt eine „Zuständigkeitsmatrix für unterschiedliche Player“. Kann man sich ins Klo hängen.

Da wird auch dem letzten klar, dass alles nur ein Spielchen war!

Selten war bei mir die Freude über ein gelungenes Papier aus der Behörde so groß und ich bedanke mich für die, auch zukünftige, Arbeit der Boygroup, namentlich bei Herrn Bethge, Huesmann, Kneuper und Pietrzok. Nach den berühmten vier Musketieren hier ein Bremer Bildungsquartett, welches selbst und dessen Arbeit nur einen Nachteil hat: Sie sind keine Pädagogen und haben wieder mal weder PR noch Lehrkräfte gefragt. Trotzdem Chapeau! Und wenn es soweit ist sind alle schon weg, wetten!

Und wieder einmal ein Machwerk, von ahnungslosen Papierschändern, von Leuten, die nicht schreiben können und deren Werke wir nicht lesen wollen, weil wir ihre Sprache nicht verstehen und die uns Maßnahmen und Menschen vorhalten, die ich nicht kennenlernen will.

(Zitate aus Depu-Vorlage L19/19 vom 6.9.17)

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