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Frischluft

Es schallt ein Hall wie Donnerruf durchs Lehrerzimmer:„Kollege, unterrichtest du heute wieder kompetenzorientiert?“ „Ja selbstverständlich, wie denn sonst?“

16.10.2013 - Vor uns die Sintflut – in der Bildungs-Wunderwelt der Worthülsenfabrik | von Wilfried Meyer

Wenn du dazugehören willst und auf der aktuellen Kompetenzwelle im Kompetenzpool mitschwimmen möchtest, dann unterrichtest du und ich und alle kompetenzorientiert.
Und was ist das jetzt genau? Frag doch mal die Benutzer dieser Mainstream-Formulierung, den Schulleiter, den Aufsichtsbeamten, den Fortbildner, nach einer konkreten Erklärung, die dir echt hilft im Alltag für deinen Unterricht? Und frag bitte auch was du vorher anders und falsch gemacht hast! Du wirst ein Inkompetenzkompensationskompetenzgeschwurbel ersten Ranges erleben, wenn du überhaupt eine Antwort bekommst.
Kompetente (unkonkrete) Antwort: Kompetenzorientiert heißt, sich an den Kompetenzstufen orientieren, die durch die Bildungsstandards vorgegeben werden. „Aha, und was ist da vorgegeben?“ Tja, die Standards bilden sich ab durch die Stufen und die Stufen können sich durch Kompetenzen abbilden, die wiederum durch Inhalte dargestellt werden können, oder auch umgekehrt. Das können problemlöseorientierte Aufgaben in Mathematik... sein, deren Antworten wir dann passgenau in einem Kompetenzraster bewerten. Dann weißt du schon ganz gut bescheid. Kannst du das wiedergeben? Dann hast du schon eine hohe Stufe erreicht.
Jawohl. Dann mach deine Kreuze im Raster an der richtigen Stelle! An so einem Raster arbeitet die Behörde. Oder du und ein paar Kollegen. Und weil das mit den 5 Kompetenzstufen so schwierig ist, sollen das jetzt weniger werden. Vielleicht 3 oder 4.
Wie die Stufen heißen, du Dösbaddel? Alarmstufe 1,2.... und der Durchschnitt ist auch nicht der Stufenschnitt, das ist hairy. Nein, viel schöner: Die Stufe „Unter Minimalstandard“ ist z.B. wenn du bei der Frage über Bremen von folgenden Lösungen a) Fluss bei Werder b) eine Weser-Fussballmannschaft c) ein Seenotrettungskreuzer d) Fernsehmoderator Heiner, die Lösung e) ist ‚ne Insel ankreuzt. Die folgende Stufe „Minimalstandard“ ist, wenn du weißt, dass Werder Bremen unter Exsenator Lemke eine gebildete Bundesligamannschaft (11 bilden eine Mannschaft) war. „Regelstandard“ ist, du kennst die aktuelle Regel für Abseits und kannst in der Regel „Wo die Weser gerne einen Bogen macht um Werder“ mitsingen. „Über Regelstandard“ ist, wenn du deinen 4jährigen Jungen über die maßen regelmäßig mit in die Raucherkneipe nimmst, die Stufen zuhause noch schaffst und das unter Bildungsnachmittag abhakst und das noch alles deinem Mann erklären kannst. „Maximalstandard“ ist, wenn du weißt wie Rufer, Bratseth, Arnautovic und all die anderen Bremer Jungs heißen und darüber mit Anderen eine halbe Stunde dikutieren kannst. Und du weißt ja, wenn dein Kind in all diesen wichtigen Fragen mindestens über dem Regelstandard liegt, dann kannst du die Tasche für’s Gymnasium schon mal klar machen. Die Frage von Eltern in Stadtteilen mit sozialen Schieflagen-„Ali gut?“ erübrigt sich in Zukunft und wird ersetzt durch „Kann ich mal meines Sohnes Ali sein Kompetenzraster sehen?“ Und vorm Zubettgehen entspannt über’m Raster hängend erklärt sich alles durch die Kreuze wie von selbst. Durch diesen Kreuzzug kommen wir unterrichtlich vorwärts, die Qualität entwickelt sich, alles wird besser, weil Kreuze machen Zeit spart. Und durch Rasterfahndung kommen wir auch endlich mal weg von der Höflichkeitsfloskel der langweiligen täglichen Anrede „Frau Lehrerin“ und „Herr Lehrer“, man nennt uns nur noch Rasterman und Rasterwoman. Oh,Yeah,yeah.

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