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Frischluft: 2017 muss ich einfach besser werden

16.02.2017 - Wilfried Meyer

Gib es zu. Dein Unterricht im letzten Jahr war auch nicht berauschend. Deswegen wurde ich in den Weihnachtsferien in einem Selbstcoachingkurs von einem Selbstcoaching-Coach gecoacht. Der Trend geht zum „Es sich einfach wieder selbst machen“. Effektiv und billig.Kurs aber teuer.  

Davon berichte ich euch hier:Erste Frage war „Wie bekomme ich ein Problem?“ Wenn ich es dann habe, komme ich nur durch „paradoxe Intervention“ da raus, „eine Symptomverschreibung“?! „Positive Lehrerpower hilft“, was meint, dass ich mich „uneingeschränkt gut fühle“. „Das erreiche ich, indem ich alle Erwartungen an die Stunde fallen lasse“. Auch Humor hilft, wenn ich sage: „Du meine Güte, was hatte ich mir denn dabei gedacht?“ „Damit lade ich die Schüler in eine lösungsorientierte Haltung ein“. Die Zweifler binde ich in einem „Cover all bases“ ein. Schüler: „Also ich bin total demotiviert“. Ich: „Sie dürfen ruhig demotiviert sein, das ist okay“. Das wirkt paradox, weil von mir natürlich eine andere Reaktion erwartet wird. Ist das schlau? Ja, denn ich umgehe typische Widerstände eines Autonomie-Abhängigkeitskonfliktes, so wenn ich sagen würde: “Musst du aber machen!“ Cover all bases-Strategie heißt verschiedene Anliegen der Einzelnen wertschätzend einzubinden. So sage ich: “Auch wenn vielleicht manche noch Zweifel an dem Sinn unseres Themas haben oder andere möglicherweise noch müde sind, so könnte es ja sein, dass der eine oder andere doch immer mehr Zuversicht in das eigene Können entwickelt oder dass es ihm sogar Spaß macht und er überrascht ist wie gut das alles geklappt hat. Oder es passiert etwas ganz anderes, aber auch das ist ok.“
Dieses „Wording ist der integrativen Suggestion aus dem NLP“ entlehnt. So kann ich die Schüler in „einen koevolutorischen Prozess einbinden“. Und vom Zeitmanagement richte ich mich stets danach was für mich möglich ist. Und direkt vor der Stunde konzentriere ich mich darauf in „einen positiven Ressourcenzustand zu gehen“. Da geht es um das „Priming, das Vorreizen der Aufmerksamkeit, das Flowgefühl. Alles drumherum vergessen, im Spannungsfeld zwischen extremer Langeweile und Angst. Das Geheimnis des Glücks“. Flow! Weiterer Bestandteil des Coaching im Raum ist das „Classroommanagement mit einem gelungenes Gelenkstellenmanagement“, welches „die Strukturelemente des Unterrichts transparent“ macht. In wichtigen Phasenübergängen im Unterricht „kann es nützen mit Moderationskarten Formulierungen vorzubereiten“. Wenn aber trotz deines so perfekt vorbereiteten Plans Konflikte auftauchen? Eine Schülerin hat eine wichtige Arbeit geschwänzt! Soll ich mich deshalb innerlich vergiften, meine Wut hochkochen lassen? „Unbewusst wäre ich dann im Dramadreieck von Täter-Opfer-Retter gelandet“. Ich beschließe ihr im Notengespräch zu „sagen, dass ich sie dafür bewundere, dass sie es so durchziehe und unbeirrt ihren Weg ginge. Mit dieser Haltung kann ich ihr wertschätzend gegenübertreten und die Strategie der Triangulation aus dem Beschwerdemanagement anwenden“. Ich sage: „Ich höre ihr Argument, dennoch gibt es hier Regeln, denen ich verpflichtet bin!“
Jetzt muss ich nur noch diese erfolgversprechenden Ansätze in meiner Praxis anwenden, die Vorfreude ist groß, der Flow naht. Und die Pädagogik schreitet unaufhaltsam fort zur Selbstkompetenz als Herausforderung an multiprofessionelle, heterogenisierte, digitalisierte Lehrkörper. Und ich fand es toll zu erfahren, dass es mal eine Woche ganz ohne Inhalte ging.
(Dieser Text kann selbstverständlich als Grundlage für Schulentwicklungsprozesse auf euren Konferenzen verlesen/verteilt werden, denn fast alles ist wörtlich zitiert aus Päd Extra, Autoren sind der Redaktion gottseidank nur namentlich bekannt.)


Eilmeldung:
Gerade erhält die Redaktion eine Mitteilung aus wohl nicht unterrichtenden Kreisen der Bildungsbehörde, dass ein Teil der akuten Finanzierungsprobleme gelöst sind durch die Gewinnung eines superpotenten Sponsors aus Flensburg (vorne uh, hinten se). Das war nur möglich durch penetrantes Nachbohren und enge Beziehungen. Der Konzern ist aufgrund seines Standings (gut aufgestellt) in der Lage und willens neben Geld auch technisches Knowhow in Bildung zu transplantieren.So soll ein Teil der Produktion künstlicher Glieder auf Rückgrat umgestellt werden. Praktisch soll damit in der Behörde (Primus inter Paris) begonnen werden. Hier wird viel brachliegende Potenz vermutet, denn auf der Karriereleiter hat man lange keinen hochgekriegt, der dann auch Rückgrat hatte. Die BLZ-Redaktion wird bei der Stange bleiben, sind doch durch diesen Kontrakt die Erwartungen für 2017 unerwartet steil in die Höhe geschnellt. Behörde, mach dein Ding! In der Hoffnung auf Verbreitung weiterer wegweisender und zukunftsfähiger Konzepte verbleibt
Wilfried Meyer

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