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Ein bildungsreiches Jahr 2014 wünschen wir uns. Kann das sein? Was kann das nicht sein?

16.01.2014 - Kann doch sein?! | von Wilfried Meyer

Das kann doch nicht sein, dass 10% der Bevölkerung über 75% des Vermögens der BRD verfügen. Das kann doch nicht sein, dass schon wieder über ein Drittel aller Bremer Kinder von Armut betroffen sind. Hoffentlich diesmal das andere Drittel. Das kann doch nicht sein, dass man von 10 % Ausgaben für Bildung seit 2008 fabuliert und kaum die Hälfte dafür bisher ausgibt. Das kann doch nicht sein, dass man als verbalhochbegabter Profalla vom Kanzleramt direkt in den Bahnvorstand wechselt. Das kann doch nicht sein, dass die Bremer Bildungssenatorin in ihrer Neujahrsansprache in der Behörde das Wort Bildung nicht einmal in den Mund nimmt. Kann das denn sein, dass man von Bildung keine Ahnung mehr hat und deshalb wird darüber auch nicht mehr gesprochen, geschweige denn diskutiert? Kann das sein, dass in kaum einem Kollegium noch über Bildung und Bildungsinhalte gesprochen wird?
All das kann natürlich sein. Und dann käme ja auch noch gleich die Pädagogik dazu. Kann das sein, dass man als Pädagoge heute gar keine Zeit hat über Pädagogik zu sprechen?
Kann sein, hat aber bestimmt gute Gründe. Dann redet man lieber über Sachen, von denen alle reden und dann versteht man sich auch gleich viel besser, weil es sein kann, dass man dann gar keine Ahnung mehr braucht. Man muss nur die entsprechenden Vokabeln können. Kennst du? „Du, wir sind jetzt gebundene Ganztagsschule!“ „Wie, alle angebunden?“; „Du, wir unterrichten alle nur noch Bildungsstandards vom Feinsten, kann man sich downloaden“; „Früher war ich gut ausgebildeter Deutschlehrer, heute bin ich Sprachberater“; „Ich coache jetzt das Kollegium in Teambildung“; „Früher kannte ich die Kinder ganz genau, heute mache ich eine Individualdiagnose, da gibt es jetzt einen Diagnosekoffer beim LIS“; „Watt kann dein Kind denn so?“ „Da muss ich erst eine Lernstandserhebung durchführen“; „Es gibt eine Qualitätsanalyse, die die Qualität so etwas von analysiert, das ich dann qualitativ erheblich effizienter Qualität abliefern kann“; „Und immer inklusiv bleiben, bitte.“ Exklusiv gab es gestern, heute geht es um die Exzellenz, aber was ist das? Lassen sie uns einfach mal wieder über Bildung sprechen, lassen sie uns einfach mal über Inhalte sprechen, nicht über die Formen und Methoden. Da gibt es Schulleitungen, die wollen Methoden wie z.B. „offenen Unterricht“ verordnen und wissen gar nicht was das ist, weil sie noch nie so gearbeitet haben. Ja was soll denn da offen sein? Da steht uns der Mund offen, Weltoffen, A...offen.
Und für alle, die uns gute Ratschläge machen, haben wir eine Antwort parat: „Zeig mir mal was du meinst und mach es mir doch bitte mal vor! Und zwar für mehrere Wochen. Ansonsten schweig für immer.“
Wir wünschen uns und euch für 2014 Ruhe zur inhaltlichen, unterrichtlichen Arbeit, ohne neue „Reformen“ und ohne Mehrarbeit. Nur so sichern wir die Zukunft, von der wir heute schon wissen, dass sie morgen zum Heute wird, weil heute dann schon wieder gestern ist. Das kann doch sein!? Oder?

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