GEW Bremen
Du bist hier:

»Free Quality Education For All!«

Vor zwei Jahren begann in Tunesien der Arabische Frühling bzw. die so genannte Arabellion. Mit dem Sturz des Diktators Zine El Abidine Ben Ali entstand eine breite Bewegung für mehr Freiheit und Demokratie, die in vielen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens ihre Nachahmer fand; und in manchen Fällen sogar ebenfalls eine Transformation des politischen Systems zur Folge hatte (bspw. in Ägypten).

16.05.2013 - Impressionen vom Weltsozialforum 2013 in Tunis | von Björn Allmendinger

Unter diesem Eindruck entschied sich der „International Council“ (Internationale Rat) des Weltsozialforums das elfte weltweite Treffen der Globalisierungskritiker zum ersten Mal in einem arabischen Land stattfinden zu lassen und dadurch auch „institutionell“ die Demokratisierungsprozesse sowie die zivilgesellschaftlichen Organisationen vor Ort zu unterstützen. Nach Nairobi (2007) und Dakar (2011) war mit Tunis nun zum dritten Mal ein afrikanisches Land Austragungsort des Weltsozialforums.

Seit der ersten Zusammenkunft im brasilianischen Porto Algere 2001 bietet das Weltsozialforum einer Vielzahl globalisierungskritischer Akteure und Initiativen die Möglichkeit sich auszutauschen, zu vernetzen und gemeinsame Projekte und Kampagnen vorzubereiten. Neben Menschenrechts- und Umweltaktivisten, internationalen Nichtregierungsorganisationen und kirchlichen Basisgruppen, sind an diesem „Jahrmarkt der Protestbewegung“ (TAZ) auch zahlreiche Gewerkschaften vertreten. Insgesamt 4500 Organisationen nahmen an dem diesjährigen Treffen teil. In mehr als 1000 Veranstaltungen (vorwiegend Seminare, Foren und Diskussionszirkel aber auch Konzerte, Theaterworkshops und Fotoausstellungen) diskutierten die rund 50.000 BesucherInnen aus 127 Ländern die Folgen und Auswirkungen der neoliberalen Globalisierung auf Mensch und Natur. Die Themenpalette unter dem Forumsmotto „Dignity“ (Würde) war wie jedes Jahr breit gefächert und reichte von der EU-Flüchtlingspolitik über Land-Grabbing bis hin zu Frauen- und Gewerkschaftsrechten. Die Großveranstaltung in Tunis offenbarte ein buntes Potpourri verschiedenster Ideen, Wünsche und Zukunftsvorstellungen.

Die GEW war auf dem Weltsozialforum mit einer 26-köpfigen Delegation mit TeilnehmerInnen aus neun Landesverbänden vertreten; darunter überwiegend junge KollegInnen, die bisher noch nicht die Möglichkeit hatten, sich auf internationaler Ebene mit anderen GewerkschafterInnen über das Menschenrecht auf Bildung, die Globale Bildungskampagne oder das bis 2015 zu erreichende Millenniumsziel „Education for all“ (Bildung für Alle) austauschen zu können. Bereits vor dem eigentlichen Beginn des fünftägigen Weltsozialforums (26. bis 30. März) reisten einige KollegInnen in die tunesische Hauptstadt um die GEW-Workshops mit den jeweiligen Partnerorganisationen vorzubereiten. Thematisch beschäftigten sich die GEW-Veranstaltungen mit Bildung in Zeiten einer zunehmenden Austeritätspolitik, Handlungsperspektiven gegen ausbeuterische Kinderarbeit sowie Formen und Möglichkeiten der internationalen Solidarität mit der türkischen Bildungsgewerkschaft Egitim Sen und ihrem Dachverband KESK. Doch nicht nur im Rahmen der GEW-Workshops wurde eifrig diskutiert. Schon während der Auftaktdemonstration fand ein reger Meinungsaustausch über diese und ähnliche Themenfelder statt, der in den folgenden Tagen auf unterschiedlichste Art und Weise (sei es nun während oder am Rande des Weltsozialforums) fortgesetzt wurde.

Aus Deutschland beteiligten sich insgesamt 37 Organisationen an der Gestaltung des Weltsozialforums, darunter neben der GEW-Delegation sowohl die evangelische Hilfsorganisation „Brot für die Welt", Attac-Deutschland und die Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) als auch die Friedrich-Ebert- und Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Auf dem weitläufigen Gelände der El-Manar-Universität (Hauptveranstaltungsort), tummelten sich neben den internationalen Gästen vor allem viele junge TunesierInnen. Sie nutzen den offenen Raum des Forums, um mit den anderen ForumsteilnehmerInnen über Würde, Freiheit, soziale Gerechtigkeit oder Demokratie zu diskutieren. Die Intensität und Dynamik dieser und anderer Gespräche wird wohl vielen deutschen KollegInnen noch lange in Erinnerung bleiben. Es ist daher zu hoffen, dass dieser wichtige Ort der Solidarität und Begegnung auch weiterhin erhalten bleibt und von der GEW aktiv unterstützt wird.

Weitere Informationen zur GEW beim Weltsozialforum 2013 in Tunis unter:

http://www.gew.de/Weltsozialforum_2013.html

Zurück