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Forderungen der Grundschul-Personalversammlung

Resolution der Personalversammlung Grundschule

16.07.2015

Am 9. Juni haben ca. 1000 Beschäftigte der Bremer Grundschulen auf einer viel beachteten Personalversammlung folgende Resolution verabschiedet, die anschließend von einer spontanen Demonstration in der Bildungsbehörde überreicht wurde:

Die Grundversorgung der Schulen ist mangelhaft und den Bedarfen nicht angepasst!

Im Vergleich der Stadtstaaten liegt Bremen weit zurück. An den öffentlichen Schulen gaben 2014 Hamburg und Berlin 7400 € pro SchülerIn aus. In Bremen waren es nur 6300 €. Um dieses Defizit auszugleichen, fehlen  an den öffentlichen Grundschulen rein rechnerisch durchschnittlich 17 Millionen für die Beschulung der 15.700 SchülerInnen.

Diese massive Unterfinanzierung der Grundschulen hat Folgen: Massive Personalknappheit und  hoher verdeckter Unterrichtsausfall, Überlastung aller Beschäftigten verbunden mit einem hohen Krankenstand. Leiharbeit und prekäre Beschäftigungsbedingungen durch Schulvereine und andere Träger sind an der Tagesordnung. Pädagogische Mitarbeiter, Sozialpädagogen und Sonderpädagogen werden als Lückenfüller im Vertretungsbereich eingesetzt, die sonderpädagogische und sprachliche Förderung findet kaum noch statt. Alle Schulen leiden unter einer überbordenden Unkultur von Dokumentationen, Vergleichstests und verdeckten Rankings, die fundiertes Lernen behindern statt zu fördern.

Wir haben einen bildungspolitischen Auftrag, dem wir gerecht werden wollen!

Die Grundschule knüpft an die gesellschaftlichen, d. h. vor allem an die sozialen und familiären Lebensbedingungen ihrer Kinder an. In Bremen ist ein Drittel der Kinder arm, ein Drittel der Kinder hat einen Migrationshintergrund, jeden Tag kommen neue, z.T. schwer traumatisierte Flüchtlingskinder dazu, viele Kinder haben Defizite in ihrer sozio-emotionalen Entwicklung, über die Hälfte der Grundschulen arbeiten im Ganztag und alle Grundschulen beschulen seit 1999 inklusiv.

Die sich daraus ergebenden Aufgaben erfordern eine neue Qualität und  Ausstattung von Grundschule!

Unsere Aufgaben:

  • Unterricht zum Erwerb grundlegender Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Erlernen der Kulturtechniken
  • Begabungen erkennen, Benachteiligungen ausgleichen, Kinder umfassend fördern sowie  Verschiedenheit annehmen und durch Differenzierung gezielt individuelle Lernentwicklung begleiten
  • Die Entwicklung der Persönlichkeit, des Sozialverhaltens, der Lern- und Leistungsmotivation, die kognitive und motorische Entwicklung, die Entwicklung musischer Talente und die emotionale Entwicklung.

 Wir fordern die notwendigen Ressourcen für Unterricht, soziale Arbeit und Kooperation, um unseren bildungspolitischen Auftrag erfüllen zu können!

Das heißt

• die Ausstattung der Grundschulen mit einer Vertretungsreserve für Unterricht und soziale Arbeit von 6 % und einer Reserve für Fortbildung und Schulentwicklung von 3 % im Grundbedarf.

• Doppelbesetzungen in allen Klassen zur Umsetzung der Inklusion.

• die 2-stündige Absenkung der Unterrichtsverpflichtung für Elternarbeit, Dokumentationen, jahrgangsübergreifendem Unterricht, Kooperation, Koordination und Absprachen im Bereich der Inklusion und der Ganztagsbeschulung und für sozial-/pädagogische Fachkräfte die Zuweisung von je 4 Kooperationsstunden.

• den Ausbau der Schulsozialarbeit und die Einstellung von Sonderpädagogen, Motopäden, Logopäden,
   Ergotherapeuten und Psychologen, die in multiprofessionellen Teams an den Schulen arbeiten.

• den Abbau prekärer Beschäftigung, die Übernahme der bei nicht tarifgebundenen Trägern und
    Schulvereinen Beschäftigten an Schulen in den öffentlichen Dienst, tarifliche Bezahlung und eine
    vertragliche Arbeitszeit, die eine Sicherung des Lebensunterhalts ermöglicht.

• die Aufstockung des Verwaltungsstundenschlüssels entsprechend der tatsächlichen Aufgaben der Verwaltungskräfte.

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