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FrischluftFGM - Schul-Behörde gelingt es über den eigenen Schatten zu springen

Mit einem langgeatmeten Ommmm und strahlendem Lächeln in die Zukunft.

16.11.2019 - Wilfried Meyer

Im Angesicht des sinkenden Interesses an schriftlichen Publikationen fiel uns neulich trotzdem der Weserkurier auf den Redaktionstisch (12.11., Seite 15., wohlgemerkt nicht 11.11. 11 Uhr 11) Titel: „Vom Glücklichsein bei der Arbeit“  Dafür gibt es jetzt in vielen Firmen den „Feel-Good-Manager“, hier in der bemerkenswert schillernden Person H. Götz. Und da gibt’s natürlich auch den zu recht so genannten „Agile day“, mit dem Ziel den Kollegien „Kraft zu schenken“. Wie wird man so etwas? „Empathisch sein“, zeigen, „welche Chancen“ es gibt. Holger G. „geht nun an Büros vorbei, und manche Kollegen stehen auf und fangen an zu tanzen - passend zu ‚I feel good‘.“ Er hat „nichts gegen Grillen, aber das ist nicht der Kern“! Als er klein war, litt seine Mutter unter Depressionen. Das kann man sich alles vorstellen, muss man aber nicht. Er will weiter auf der Spassleiter, ein „Coach“ werden, er besucht „das Institut für Wertekultur in der Wirtschaft in Bremen“.

Kein Obstkorb

Unvorstellbar was es alles noch gibt, und ein Obstkorb wird nicht hin gestellt : „Das ist nichts, wo ich einen Obstkorb aufstelle.“ Ziele sind unter anderem der „Well-being Manager“ oder die Ernennung zum „Chief Happiness Officer“, da sieht man schon die Schilder am Revers blinken. Und einem Jacobs-University-Typ entfährt es vorn: “Das ist sehr sinnvoll“. Allen geht es besser, „alle (!!! Hervorh. der Red.) können dann produktiver und kreativer arbeiten und engagieren sich mehr.“ Beim Typ von der Uni (Sven Voelpel) hat dafür witzlos und ungelogen „Hund Lotte“ im Team „diesenTitel“ des Fell-Good-Managers erhalten! „Das macht sofort super Stimmung“. Und man muß sich öffnen, wenn man nicht schon überall offen ist. Nun noch kurz erzählt wie Götze zum FGM-Job kam: „Ich fand es genial, wie mein Vater Witze erzählt hat.“

Freundliche Übernahme

Soweit so gut der hinreißend recherchierte und tatsächlich ernstgemeinte Artikel der sicherlich stark aufstrebenden Autorin Lisa Boekhoff. Ein Name, den man sich merken sollte und der sich der Schulbehörde schon irgendwo tief eingeprägt hat. Kurzum und folgerichtig, Senatorin Bogedan und Staatsrätin Monetoring, übernehmen das Modell für Kitas und alle Schulen. Begründung siehe oben, allen geht es eben besser. Und die Arbeit läuft einfach weg, vom Selbstgänger hin zum Selbstläufer. Ab Halbjahr kommen Hunde und andere FGMs, trainiert vom neuen Quality-Institut und auch Voelpel und Götze an die Schulen. Das ist teuer, die Vorfreude aber ist riesig und Kollegien sollten sich schon Songs überlegen, die tanzend aufgesprungen skandiert und beim an Klassen- und Lehrerzimmern vorbei defilierenden FGM gute Stimmung zu verbreiten in der Lage sind. Vielleicht „Staying alive“ oder „Get lucky“, welche durch ihren beinahe 120er-Takt auch als Erste-Hilfe-Songs infrage kommen, falls es doch mal Einer/m wegen Überlastung nicht so gut geht und sie/er einfach umkippt? Die Behörde hat sich jedenfalls mottomäßig festgelegt, nicht „Burn out“, sondern „Catch the fire“. Damit nichts anbrennt in den Schulen.

Warning

Da dies genauso ein ausgefeiltes Nischenprodukt ist wie das Quality-Institut, überlegen schon einige in den Kollegien, sich diesen heißbegehrten Job unter den Nagel zu reißen. Die Redaktion warnt allerdings vor Schnellschüssen, denn eine Gelingensbedingung ist auf jeden Fall einzuhalten und auch Auswahlkriterium bei Personalgesprächen: Euer Vater muss ein genialer Witzeerzähler sein und euer Hund schulstubenrein. Selbstverständlich unterstützt die GEW Bremen das Projekt nicht nur ideell, sondern auch mit wahlweise zwei Rollen  Kot- oder Kotzbeutel.

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