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GEW BremerhavenFehlende Lehrkräfte werden Schulen weiterhin unter Druck setzen

Das Schuljahr 2018/19 geht langsam seinem Ende entgegen. Seit letztem Sommer sind und blieben Ausschreibungen in einem Umfang von ca. 30 Stellen unbesetzt, damit 2,5 % des Gesamtvolumens.

26.06.2019 - Bernd Winkelmann

Bremerhaven – „Dies zeigt noch einmal die angespannte Lage auf dem Teilarbeitsmarkt „Lehrkräfte“. Ebenso verweist die Situation auf gravierende Fehler der Vergangenheit, von denen augenscheinlich niemand etwas wissen will“, so Bernd Winkelmann, Landesvorstandssprecher der GEW.

Ansonsten würden Überlegungen zur zukünftigen Versorgung mit ausgebildeten Lehrkräften planvoll vorgenommen; ggf. eine Gesamtstrategie auf der Ebene der Kultusministerkonferenz entwickelt. Dies geschieht nicht, vielmehr wird schon immer wieder einmal der Eindruck erweckt, dass das Wellental des „Lehrermangels“ überstanden sei. Diese Aussage aber entbehrt jeder sachlichen Grundlage.

Umso wichtiger ist es, das Augenmerk auf die Kolleg*innen zu richten, die in der Not, mit unterschiedlichsten Berufserfahrungen kommend, sich entschlossen haben, als so genannte Quer- und Seiteneinsteiger*innen in den Schuldienst einzutreten. Mittlerweile sprechen wir in diesem Zusammenhang in Bremerhaven von gut 350 Personen, also mindestens einem Viertel aller Lehrkräfte, von denen 250 einer weiteren Qualifizierung bedürfen.

Naheliegenderweise spielt bei diesem Kreis von Kolleg*innen der Aspekt von Fort- und Weiterbildung eine wesentliche Rolle. Dies gilt umso mehr, als dass von den tatsächlichen tarifrelevanten Qualifizierungen ca. 200 Personen nicht erfasst werden.

Woran liegt das?

  • Die in Bremen so bezeichneten „Seiteneinstiege“ greifen nur, wenn bestimmte Voraussetzungen von den Bewerber*innen erfüllt werden. Dabei geht es insbesondere um die Ableitung schulischer Unterrichtsfächer aus dem jeweiligen Studium. Vor allem die Anlage von Studiengängen erschwert immer wieder den Nachweis schulfachrelevanter Studienleistungen;
  • Ein neu konzipierter Seiteneinstieg („U“), der zusätzlich das Studium eines Faches ermöglicht, verfängt seinerseits nur bedingt, da die Universität ausschließlich Fächer ausschreibt, die nicht zulassungsbeschränkt sind. Diese decken sich aber nicht zwingend mit den Vorkenntnissen der „Einsteiger*innen“, ebenso wenig wie mit dem Bedarf an Schulen.

Was passiert also mit den oben zitierten 200 Kolleg*innen?

Die Stadt hat ein inhaltlich unterstützendes Programm über das Lehrerfortbildungsinstitut aufgelegt Das ist gut, führt aber zu keinem verbesserten Abschluss. Es ist damit kein Schritt, der in einer anzustrebenden Gleichstellung mit grundständig ausgebildeten Lehrkräften mündet – und damit zu entsprechender Bezahlung.

Ebenfalls wurde durch das Schulamt eine Stabsstelle ausgeschrieben, die sich um diesen Personenkreis kümmern soll. Das ist richtig. Nur wird auch von dieser Seite die Situation nur schwer zu bereinigen sein, wenn sie nichts in der Hand hat, mit dem sie agieren kann.

Als Lösung des Dilemmas regt die GEW einen flexiblen Seiteneinstieg an, der an den nachgewiesenen Studienleistungen der Kolleg*innen anknüpft. Dieser „Seiteneinstieg F“ (=“flexibel“) müsste z.B. ein (Teil-) Nachstudium in zwei Fächern ermöglichen, da wir wiederholt auf Bewerber*innen treffen, die jeweils Teilnachweise vorbringen. Diese reichen im Umfang aber nicht aus, hinreichend schulfachrelevante Fachlichkeiten zu belegen.

„Es zeigt sich, dass ein erheblicher Teil der in den Klassen als Lehrkräfte Arbeitenden mit den existierenden Maßnahmen nicht qualifiziert werden kann. Dies muss aber gelingen, die Kolleg*innen werden benötigt, über Jahrzehnte“, fasst Winkelmann zusammen.

Die neuen Koalitionen in Stadt und Land sind gefordert, dieses Problem zu lösen.

Für Nachfragen steht zur Verfügung:
Bernd Winkelmann | 0162-97 31 230

 

 

 

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