GEW Bremen
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Exzellent beschäftigt im Projekt prekär?

Die Bedingungen unter denen studentische Beschäftigte arbeiten, werden in regelmäßigen Abständen von Gewerkschaften, ASten und Initiativen angeprangert. Auch in Bremen hat sich die GEW entschlossen, das Thema wieder in die Öffentlichkeit zu bringen. Die neue Initiative muss sich die Frage stellen, warum sich trotz großen Engagements bisher nicht viel verändert hat.

16.06.2014 - Studentische Hilfskräfte fordern Aufnahme in Tarifvertrag | von Laura Wolters

Am 08. März trafen sich die Mitgliederversammlung des Freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften (fzs), Aktive der GEW und engagierte Studierende, um gemeinsam für die Aufnahme von studentischen Beschäftigten in den Tarifvertrag der Länder zu protestieren. Sie forderten, nicht »im Regen stehen gelassen zu werden« und spannten als Zeichen gemeinsam den Schutzschirm Tarifvertrag auf. Die frisch gegründete Tarif-ini Bremen sieht die Aktion als Initialzündung für eine langfristige Kampagne, die Hilfskräften in Bremen und bundesweit bessere Bedingungen ermöglichen soll.

 

Das Hauptproblem studentischer Beschäftigter liegt darin, dass sie arbeitsrechtlich kaum geschützt sind. Kettenverträge mit kurzen Vertragslaufzeiten, Überstunden und eine intransparente Stellenvergabe prägen das studentische Beschäftigungsverhältnis.
Abgesehen von allgemeinen gesetzlichen Regelungen sind sie aus fast allen Schutzmaßnahmen ausgeschlossen.
Der TV-L nimmt sie ausdrücklich aus; statt dessen legt eine Richtlinie der Tarifgemeinschaft der Länder einseitig Höchstlöhne für alle studentischen Beschäftigten fest, von denen die Hochschulen nur nach unten abweichen können. Landesweite Regelungen (wie z.B. den bremischen Mindestlohn) gibt es nur selten und in der Hälfte aller Bundesländer fehlt ihnen das Recht auf Personalvertretung.
Darüber hinaus werden nun auch Stimmen laut, die Studierenden sogar einen vermeintlich flächendeckenden Mindestlohn vorenthalten wollen. Doch auch grundlegende Arbeitsrechte, welche ausnahmslos allen ArbeitnehmerInnen in der Bundesrepublik zustehen, werden von Hilfskräften häufig nicht wahrgenommen oder sogar von ihren Vorgesetzten verwehrt.
Oftmals wissen die Studierenden nicht, dass sie einen Anspruch auf Urlaub haben und weder Kranken- noch Feiertage nacharbeiten müssen.
Dieses Résumé lässt eigentlich vermuten, dass es nicht schwer sein dürfte, die Betroffenen zu mobilisieren. Doch gerade hier liegt ein schwerwiegendes Problem. Nicht nur die Identität von ArbeitgeberIn und PrüferIn und die Angst vor dem Jobverlust lassen die Hilfskräfte zögern, auch die hohe individuelle Zufriedenheit mit der eigenen Situation ist ein häufiges Phänomen. Der Grund dafür liegt in der unklaren Positionierung der Hilfskräfte zwischen Qualifikation und abhängiger Beschäftigung. In der Wahrnehmung vieler Studierender ist die Arbeit in einer Forschungsgruppe oder für »ihre« ProfessorIn ein großes Privileg und ein vielversprechender Meilenstein auf dem Weg in eine akademische Laufbahn. Dass sie für diese »Begünstigungen« mit unsicheren Arbeitsbedingungen bezahlen müssen, wird dann kaum noch in Frage gestellt. Dies hat nicht nur für die Hilfskräfte Folgen, es prägt bereits in einem frühen Stadium der akademischen Sozialisation die Beschäftigungsverhältnisse an der Hochschule.
Studentische Beschäftigte lernen schon früh, dass sie für einen Werdegang in der Wissenschaft prekäre Verhältnisse in Kauf nehmen, ja sogar dafür dankbar sein müssen. Außerdem zementiert diese Konstellation den Ausschluss Studierender aus ärmeren Elternhäusern, die auf ein regelmäßiges dauerhaftes Einkommen besonders angewiesen sind und sich eine so unsichere Beschäftigung oft nicht leisten können.
Für eine neue Tarifinitiative bedeutet dies, dass sie einen umfassenden Ansatz verfolgen muss. Um die Bedingungen studentischer Beschäftigung nachhaltig zu verbessern bedarf es einerseits verlässlicher rechtlicher Regelung in Form eines Tarifvertrags, andererseits einer engagierte Personalvertretung, die dessen Einhaltung sichert. Diese Forderungen müssen stets begleitet werden von einer Kritik an den prekären Verhältnissen im Wissenschaftsbetrieb allgemein, denen die studentische Beschäftigung als Sozialisationsbasis dient.

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