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Erinnerungen an Siegfried Nauhaus

„. . . und ich dachte, es wäre doch so schön, noch hierbleiben zu können.”

(aus Siegfrieds Tagebuch, 14.2.2010)

16.08.2010 - von Knut Düwelhenke

Der Anruf von einem Freund kam unerwartet und unvermittelt, dass es Siegfried nicht mehr vergönnt war, noch etwas länger unter uns zu sein. Natürlich wussten alle seine Freunde, dass Siegfried sehr krank war, denn Gaby und er gingen offen damit um, versteckten sich nicht, unternahmen noch sehr viel, sogar Anfang des Jahres noch eine Reise in die alte Heimat Istanbul. Das Tagebuch seines Kampfes gegen den Krebs (auf seiner homepage nachzulesen und öffentlich gemacht) ist ein bewegendes Dokument, es sagt viel aus über den Menschen Siegfried Nauhaus.
Ich lernte Siegfried als Kollege kennen, er in der Gymnasialabteilung der Erwachsenschule, ich in der Abteilung Hauptschule/Realschule. Damals machte ich zum Jahresende einen satirischen Kalender über unsere Schule, der den Kontakt zwischen uns herstellte. Er konnte darüber sehr lachen, wollte mich dann auch überreden, bei der BLZ mitzumachen. Ich übernahm die Seite „Frischluft”, die es damals noch gab und dann später als nicht „gewerkschaftlich genug” gestrichen wurde. Unsere Redaktionswochenenden in Wremen werden mir unvergesslich bleiben, Siegfried immer auf der Suche, die BLZ zu verbessern. So tüftelte er am Computer neue Seitenlayouts aus, neue Schriften, neue Rubriken. Es machte ihm Spaß, uns immer wieder mit neuen Ideen zu überraschen.
Nach der Übersiedlung in die Türkei für 9 Jahre wurden die Kontakte weniger, aber seine Briefe aus der Türkei (auch in der BLZ veröffentlicht) begeisterten mich wegen der literarischen Qualität. Es waren nicht so sehr die Analysen der Politik und der Geschichte der Türkei, sondern die Beobachtungen des Istanbuler Alltags, die kleinen Geschichten, die das Leben von deutschen Auslandslehrern plastisch werden ließen.
Ich habe Siegfried viel zu verdanken, sein immenses Wissen über Geschichte, Literatur, Film und Musik machten unsere Gesdpräche für mich zu einem Erlebnis. Seine Rezension meines ersten Buches in der BLZ aus dem Jahre 1996 hängt immer noch gerahmt auf dem Flur. Die schönen Abende im „Plüsch” beim Bier, bereichert mit meinen neuesten Witzen, über die Siegfried immer herzhaft lachen konnte.
Ich bin dankbar, dass ich ihn kennen durfte und werde ihn vermissen.

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