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Eine neue Chance?

„Ihr bildet Sportlehrer an der Universität Bremen aus? – Ich dachte das ist abgeschafft.“ Diese oder ähnliche Sätze sind fast immer zu hören, wenn die Rede auf unsere Tätigkeit kommt. Da – nicht nur für Außenstehende – die Lage der Sportlehrerausbildung an der Universität Bremen recht unübersichtlich ist, erscheint eine Darstellung der aktuellen Situ-ation sowie ein kurzer Rückblick und Ausblick vonnöten.

16.06.2010 - Zur Situation des Schulsports in Bremen – aus der Perspektive des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Bremen | von Monika Ficus

Mit der Streichung der Professur für Sportpädagogik 2005 aus dem Stellentableau der Uni-versität Bremen fiel (implizit) die Entscheidung künftig keine Sportlehrer/innen mehr aus-zubilden. Seit dem Wintersemester 2007/08 ist die Zulassungszahl für Studierende im Lehramt für das Unterrichtsfach Sport an der Universität Bremen „auf Null gesetzt“. D.h. in zwei bis drei Jahren wird es keine „landeseigenen“ Absolvent/innen des Lehramtstudi-ums Sportwissenschaft mehr geben. Insofern hat, sollte diese Maßnahme Bestand haben, die Universität Bremen mit der Situation des Schulsports bald nicht mehr viel zu tun.
Es erscheint geradezu müßig, die Entscheidungsträger immer wieder an ihre Verantwortlichkeit zu erinnern und auf die Konsequenzen der Einstellung der Sportlehrerausbildung im Land Bremen hinzuweisen. In den hitzigen Debatten um die von der Universitätsleitung gewollte Schließung der Sportlehrerausbildung (die, zur Erinnerung, 2007 Ausgangspunkt für universitätsweite Proteste gegen die Sparzwänge der Landesregierung war) spielten Zahlen und Fakten keine Rolle und Argumente blieben ungehört. Spätere Versuche die Diskussion wieder aufzunehmen wurden in der Regel mit dem Verweis auf eine einmal getroffene Entscheidungen beendet, wiederum ohne eine Auseinandersetzung in der Sache.

Seither ist einiges geschehen. Bundesweit gewann die Argumentation für den Schulsport an Bedeutung und es wurden Initiativen gestartet, die nicht austauschbare Besonderheit körperlicher Bildung im Kontext allgemeiner Bildungsvorstellungen hervorzuheben und zu begründen. So hat die Kultusministerkonferenz (KMK) im Jahr 2009 eine Erklärung verabschiedet unter dem Titel „Bewegung, Spiel und Sport als Chance nutzen“, die die Qualitätssicherung des Sportunterrichts im Primarbereich hervorhebt. Im Jahr 2008 verabschiedeten der Deutsche Olympische Sportbund, die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft sowie der Deutsche Sportlehrerverband gemeinsam das „Memorandum zum Schulsport“, wonach Schulsport als Daueraufgabe und somit ständige Herausforderung für die Pädagogik und das schulische Bildungswesen verstanden werden.
Gegen den bundesweiten Trend verhält sich Bremen auch im Bezug auf die Ästhetische Bildung. In einem Beschluss der KMK aus dem Jahr 2008 wird innerhalb eines „Primarstufenspezifischen Kompetenzprofils“ der Studienbereich Ästhetische Bildung explizit ausgewiesen. Bremen hat hingegen das Fach Ästhetische Bildung im Jahr 2005 mit der Umstellung auf das Bachelor-Studium abgeschafft.
Auch in der Bildungsbehörde und universitätsintern hat sich die Situation verändert. Alle Bachelor-Studiengänge werden überarbeitet und die Fächergrößen werden neu zugeschnitten, so dass selbst das zwischenzeitlich personell reduzierte Sportinstitut der Universität Bremen ein Lehramt-Fach Sport anbieten könnte. Mit einer neugeschaffenen Stellenkategorie der sog. Universitätslektoren ist die Forderung nach Vertretung der Fachdidaktiken durch Professoren obsolet geworden.
Hier hat sich eine Chance eröffnet, die die Beteiligten – ohne Gesichtsverlust – ergreifen könnten und die Sportlehrerausbildung in Bremen könnte wieder aufgenommen werden. Und nachdem nun auch dem Institut für Sportwissenschaft die Möglichkeit eröffnet wurde, wieder ein vollständiges Fachstudium anbieten zu können, ist es nur noch ein sehr kleiner Schritt, den die Verantwortlichen tun müssten um für die Rechte von Kindern und Jugendlichen auf Bewegung, Spiel und Sport einzutreten. Damit wird gleichzeitig einem Bildungsauftrag Rechnung getragen, der auch die Gegebenheiten der leiblichen Existenz des Menschen (in pädagogischen Institutionen) umfasst.

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