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Eine Klassenfahrt ist doch wie Urlaub

Wie schön, dass die Lehrkraft der 4c mich gefragt hat, ob ich sie auf der diesjährigen Klassenfahrt begleiten könnte, ein Zeichen, dass die Zusammenarbeit klappt und wir wirklich ein gutes Team sind. Außerdem sind die anderen im LehrerInnenkollegium ja auch fast alle KlassenlehrerInnen und alle zwei Jahre eine Woche unterwegs mit den eigenen SchülerInnen, das ist doch anstrengend genug. Also sage ich unter der Voraussetzung zu, dass meine Familie mitspielt und ich das mit meiner zweiten Arbeitsstelle irgendwie regeln kann. Für beides ist es wichtig frühzeitig planen zu können, deshalb schnell nach einem möglichen Termin geschaut und natürlich nach einer Unterkunft, die attraktiv, erreichbar und finanzierbar ist. Es lebe das Internet, da kann mensch ja abends mal schauen und auch Angebote von Busunternehmen einholen, so nebenbei …

16.05.2011 - Beobachtungen aus der Sicht einer Pädagogischen Mitarbeiterin | von Andrea Köster

Mit einem abgesprochenen Vorschlag und einigem Infomaterial wird dann ein Elternabend angeboten. Klar wäre es schön, wenn auch die PM dabei ist, schließlich wird soviel gefragt, muss noch soviel bedacht werden: Taschengeld, Gummistiefel, hat das Haus auch eine Homepage, wie ist das Essen, was machen Sie wenn es regnet … wie schnell doch zwei Stunden vorbei sind, Vorbereitung und Aufräumen nicht mitgerechnet und die, die nicht dabei waren können ja anrufen, irgendwann … tun sie auch, am liebsten am Wochenende.
Prima ist es ja auch, wenn der Zielort der Klassenfahrt den Pädagogen schon vorher bekannt ist und diese schnuckeligen Orte an der Nordseeküste sind doch immer eine Reise wert; also am besten samstags mal einen Ausflug mit der Lehrkraft starten und sich alles ansehen. Schade, dass manche Attraktion am Wochenende doch geschlossen ist, aber der Fisch im Lokal am Hafen ist ja so lecker und frisch. Nun gut, nichts für die Kinder, aber es war doch ein schöner Samstag, oder?

In der Schule gehen die Vorbereitungen weiter, Kostenbeitrag einsammeln, Material zum Basteln und Spielen organisieren und verstauen, mit den Kindern ein Programm überlegen, die Forscherwerkstatt on tour organisieren, d.h. alle nötigen Ausrüstungsgegenstände und Unterlagen beschaffen und einpacken, die steigende Aufgeregtheit kanalisieren, Absprachen für die Vertretung in den anderen Gruppen treffen, den Alltag mit Hol- und Bringdiensten in der Familie organisieren, für die zweite Arbeitsstelle schon Mal „vorarbeiten“. Das normale Stundenkontingent reicht da nie, aber es ist doch schön, dass ich mitfahren darf … ob ich mir das wirklich gut überlegt habe.
Dann endlich ist Abfahrtstag – morgens 8.°°Uhr in Deutschland - , hoffentlich alles organisiert und an alles gedacht, die Kinder werden schon genug vergessen haben, trotz aller verteilten Checklisten. Alle sind aufgeregt, dass es endlich losgeht, mancher Mutter fällt der Abschied schwerer als ihrem Kind, aber das Heimweh kommt auch bei einigen von ihnen, die ersten Tränen rollen spätestens, wenn der erste feststellt, dass die Bettwäsche doch noch Zuhause liegt. Aber neben Bus ausladen, Zimmer verteilen und Hausführung ist das Organisieren zu zusätzlicher Bettwäsche noch das geringste Problem. Dann ist ja auch schon Mittagessen, Fütterung der Raubtiere, manchmal legen die SchülerInnen auch ähnliche Tischmanieren an den Tag, ob das Zuhause auch so ist?
Nach dem Essen, aber schnell raus, den Ort erkunden, Nachschauen ob das Meer auch da ist. Schade, Ebbe, sind wir überhaupt an der Nordsee? Aber das Außengelände des Hauses ist auch ganz toll zum Spielen. Außerdem, nach der Busfahrt heute Morgen ist Bewegung ja auch nicht schlecht und der frische Wind scheint sowieso nur die Erwachsenen zu stören. Für die Kinder kommt das Abendessen viel zu früh, aber die Küche will ja auch mal Feierabend machen, unserer ist leider noch in weiter Ferne. Erstmal Klassengespräch, noch mal die Verhaltensregeln und die Hausordnung besprechen, die Planung für die Woche und vor allem für morgen festlegen, dann noch ein Spiel und eine Gute-Nacht-Geschichte und ab in die Betten und Ruhe. Theoretisch. Der Abend wird noch lange, die einen sind noch so aufgedreht, die anderen schon lange über den toten Punkt hinweg und bei den Dritten kommt jetzt das erste Heimweh. Gegen 23.°°Uhr ist dann endlich Ruhe, endlich mal Zeit in Ruhe mit der Lehrkraft den Tag und Beobachtung zu einzelnen Kindern zu besprechen und Absprachen für morgen zu treffen. 24.°°Uhr Licht aus, wie schön, wenn allein der Arbeitstag schon 16 Stunden hat, dann brauchen die Nacht ja nicht mehr so lange zu dauern. Und richtig, ab morgens um 7.°° Uhr sind die ersten schon wieder richtig fit, wie gut, wer dann schon geduscht, gestiefelt und gespornt bereit steht und das bis zum Abreisetag, denn jeder Tag hat seine eigene Sorge. Wie gut, dass eine Klassenfahrt nur bis freitags geht, wie schön und verlockend am Ende manchmal sogar das altbekannte Schulgebäude wirken kann, wenn es durch die großen Busfenster auftaucht.
Ja, es war schön und hat viel Spaß gemacht, alle – Kinder und Erwachsene - haben viel von und aneinander gelernt, endlich einmal Lernen am anderen Ort, aber es war auch sehr anstrengend, ein paar Tage frei wären jetzt schön, allein um wieder einen normalen Tag-Nachtrhythmus zu bekommen. Aber Montag geht es wieder ganz normal weiter, ohne Stundenausgleich oder Überstundenausgleich, warum auch, wie fragte ein Vater beim Abholen doch so einfühlsam: „Na, wie war´s im Urlaub?“

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