GEW Bremen
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Ein Diskussionsabend bei der „Jungen GEW“

"Praxisschock? Schulschock trifft es besser.“ Da sind sich die Mitglieder des Arbeitskreises „Junge GEW“ schnell einig. Mit der Begriffspräzisierung erklären sie sich vor allem die vermehrten Überlastungssituationen, speziell für die jungen, noch nicht so berufserfahrenen Kolleginnen und Kollegen. "Elternarbeit, Konzeption von Klassenarbeiten, rechtliche Unsicherheiten oder vermehrte sozialpädagogische Verantwortung" sind da nur einige Beispiele, die zu Problemen bei den Berufsanfängern führen können. Besonders dann, wenn die vielen außerunterrichtlichen Aktivitäten gleichzeitig zu erledigen sind.“

16.11.2011 - Am Tisch im Lagerhaus saßen Sheila Beringer, Ina von Boetticher, Daniel Duensing, Michal Myrcik, Sandra Steinert

Der Erwartungsdruck mancher Schulleitungen neben der Unterrichtsverpflichtung noch Aufgaben in der Schulentwicklung zu übernehmen, verschlimmere die Lage für die Referendarinnen und Referendare oder Junglehrerinnen und Junglehrer, die auf Probe eingestellt sind. Dazu komme, dass die Kolleginnen und Kollegen oft nicht „Nein“ sagen können oder wollen.“ Die Folge ist: die Betroffenen stehen schnell vor großen Bergen, die unüberwindlich sind oder so erscheinen.
Der Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern, so die eigenen Erfahrungen aus dem Unterricht oder aus den Berichten von Kolleginnen und Kollegen, die bei der Jungen GEW um Rat gebeten haben, wird im Vergleich als weniger belastend empfunden. „Wenn da nicht die weiteren Verpflichtungen vor, nach und zwischen den Unterrichtsstunden wären ...“.

Kritisiert wird der Umfang des eigenverantwortlichen Unterrichts im Referendariat. „10 Stunden Verantwortung vor einer bis zu 30-köpfigen Klasse sind einfach zu viel. Da bleibt zu wenig Zeit für Hospitationen. 8 Stunden eigener Unterricht und 4 Stunden für Hospitation wäre im Sinne einer nachhaltigen Lehrerausbildung besser. Bei den Einstellungsterminen im August und im Februar haben die Referendarinnen und Referendare zudem ein noch kleineres Zeitfenster für Hospitationen, weil sie oft sofort eigene Unterrichtsverpflichtungen haben. Gerade das Besprechen von Unterrichtserfahrungen komme dann zu kurz, da „auch die Fachleiter oft überlastet sind oder bei Krankheitsausfall kaum oder zu spät ersetzt werden“.
Zudem sei die Qualität der Betreuung durch Mentorinnen und Mentoren und Fachleiterinnen und Fachleiter manchmal nur dürftig oder findet in zu großen Gruppen statt, so die Mehrheitsmeinung in der Runde.
Viele Ideen, Maßnahmen und gut gemeinte Projekte, den Praxis- oder Schulschock abzumildern, verlieren sich im Kosmos zwischen den Ausbildungsschule, dem Landesinstitut für Schule (LIS) und der Bildungsbehörde, so ein weiterer Kritikpunkt. „Die Kommunikation zwischen Schule, LIS und Behörde muss besser, regelmäßiger und intensiver werden. Mehr Austausch würde allen Beteiligten da sicherlich helfen.“ Vor allem bei den Strukturen für die Ausbildung des Lehrernachwuchses in den Schulen sei noch viel Luft nach oben. Mehr Zuständigkeiten in und mehr Organisation durch die Schulen wäre da ein Schritt in die richtige Richtung. Und die Junge GEW hat in diesem Zusammenhang einen Verbesserungsvorschlag: „Eine kompakte Informationsschrift für Referendarinnen und Referendare bzw. Lehrerinnen und Lehrern, die frisch aus dem Referendariat kommen, könnte der Orientierungslosigkeit entgegenwirken.“ Die positive Folge: „Wer sich schneller und besser orientieren und Ansprechpartner finden kann, hat mehr Zeit für die Vor- und Nachbereitung des eigentlichen Unterrichts.“

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