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Die Villa Hollerallee 75

Die Villa Hollerallee 75, zwei Häuser vom Standesamt, wurde 1902 als Ruhesitz eines Bankiers erbaut. Der prächtige Fitger-Fries in der Halle nimmt ein Wort aus Goethes „Faust“ auf: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“ Ab 1934 residierte hier die SA unter ihrem Anführer Böhmcker, zugleich Bremer Bürgermeister. Nach dem Krieg wurde das Haus von einer Wollspedition genutzt. Heute beherbergt es das „Forum Kirche“ und bietet sich als Lernort u. a. zur NS-Geschichte an. Nach frühzeitiger Terminabsprache können kostenfreie Hausrundgänge und Aufführungen der Medieninstallation „BEFEHLENGEHORCHENTÖTEN“ gebucht werden.

16.01.2011

Mit Lagern und Folterkellern, Orten des Leidens und Sterbens von NS-Opfern, hat die Bürgerpark-Villa äußerlich nichts gemein: Hier gingen in gediegenem Ambiente Schreibtischtäter in gebügelten Braunhemden ihrem mittelbaren Mordgeschäft nach. Deshalb steht eine Granitstele mit einem schwarzen Telefon, dem Siemens-Designklassiker von 1938, im Fokus der vom Künstler Matthias Duderstadt gestalteten Installation.

Böhmcker gab den Terrorbefehl des 9. Nov. 1938 von München, wo er an einem Treffen von Nazigrößen teilnahm, per Telefon an seinen Bremer Stab durch. Telefonisch instruierte man von der Villa aus die regionalen Befehlsstellen im Nordwesten. Und so wurden die nachgeordneten Einheiten bis hinunter zu den Einsatztrupps vor Ort verständigt. Dort zogen meist keine Berufsschläger los, sondern Bäckergesellen, Musiklehrer, Gärtner, Juristen oder Kaufleute: Staatsterror nach Feierabend. Die mündliche Befehlsweitergabe über mehrere Stufen vergröberte und verschärfte hier und da die Weisungen. Fünf Menschen wurden im Gebiet des heutigen Bremen als Ergebnis der telefonischen Befehlskaskade ermordet.
Die NS-Propaganda versuchte der Bevölkerung weiszumachen, es habe sich um einen Ausbruch des spontanen Volkszorns gehandelt. Die anonyme Berliner Wortprägung „Reichskristallnacht“, von der gelenkten Presse nicht verwendet, spielt darauf an, dass in Wahrheit eine staatlich organisierte Gewaltaktion stattgefunden hatte: die systematische Zerstörung der Synagogen und jüdischen Geschäfte praktisch unter aller Augen. Der NS-Staat hatte eine neue Lizenz, frei nach Goethe, ausgestellt: „Hier bin ich Unmensch, hier darf ich’s sein.“
Zur Unterrichtsvorbereitung kann ein PDF (Sachdarstellung mit Quellentext-Auswahl) angefordert werden.
Für Gruppenbesuche sollten 45 bis 90 Min. zur Verfügung stehen. Kontakt u. Terminbuchung: Forum Kirche, Tel. 34615-50 (Susanne Stolze)

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