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Die Isolation aufbrechen

GEW-Bildungsdelegation nach Kobanê im Frühjahr 2018

16.02.2018

Motive, Ziele, Hintergrund

Die GEW arbeitet an einer Bildungsdelegation nach Kobanê in Nordsyrien, um sich über den Wiederaufbau sowie die Konzeption eines diversitätsbasierten, demokratischen Bildungswesens zu informieren und auszutauschen und um Kontakte zu den Organisationen der Lehrkräfte aufzubauen. Gewerkschaftsmitglieder aus verschiedenen Landesverbänden wollen im Frühjahr dorthin reisen. Als Zeitraum ist im Moment Ende März bis Anfang April 2018 vorgesehen. Die Teilnehmenden sind auch jetzt schon innerhalb und außerhalb der GEW in der internationalen Arbeit bzw. im Bereich von Diversität und Antidiskriminierung tätig und unterstützen in Kobanê Solidaritätsprojekte im Bildungsbereich.

Ziel der Delegation ist es, sich über die Umsetzung dieser Projekte zu informieren (Schulpartnerschaften "Jiyana nû", Projekt Berufsschule für Mädchen, Projekt Schule für Waisenkinder "Alans rainbow") und sich mit den Kolleg_innen vor Ort persönlich über weitere sinnvolle bzw. notwendige Schritte der Unterstützung zu beraten. In diesem Zusammenhang sollen auch Vereinbarungen über die Verwendung bereits gesammelter und zukünftiger Spenden getroffen werden.

Darüber hinaus sollen Kontakte zum Bildungsrat in Kobanê bzw. in weiteren Städten hergestellt werden, um Informationen über die Lehrerorganisationen sowie über die inhaltliche und strukturelle Neugestaltung des Bildungswesens in der Föderation Nordsyrien zu erhalten und um auf dieser Grundlage gewerkschaftliche Kooperationsmöglichkeiten zu  diskutieren.

Gerade die Region um Kobanê hat extrem unter der Besetzung durch den IS gelitten und sich unter großen Opfern davon befreit. Die Stadt ist zum Symbol des Widerstands geworden. Weltweit berichteten die Medien über die erfolgreiche Verteidigung der Stadt, und angesichts der großen Zerstörung Kobanes bildeten sich zahlreiche Initiativen zur Unterstützung des Wiederaufbaus. Unter schwierigen Bedingungen, wie insbesondere die Behinderung durch Grenzschließungen und die noch immer präsente militärische Bedrohung, bauen die Menschen in Kobanê seitdem ihre Stadt wieder auf.

Die GEW ist Mitinitiatorin und Unterstützerin der Globalen Bildungskampagne, deren Ziel die Verwirklichung des Rechts auf Bildung weltweit ist, sowie des Projekts "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage. Daraus ergeben sich mehrere Bezugspunkte zum Wiederaufbau der Schulen sowie zur demokratischen Neugestaltung des Bildungswesens in Nordsyrien – denn dort wird mit Formen basisdemokratischer Selbstorganisation sowie einer Überwindung nationalistischer Ausgrenzung experimentiert, die für den Nahen Osten und auch anderswo richtungsweisend sein könnten.

Die Demokratische Föderation Nordsyrien beansprucht für sich, eine Gesellschaft aufzubauen, in der die verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen der Region selbstorganisiert zusammenleben. Zugleich soll die Gleichberechtigung der Frau vorangebracht und ein säkulares Bildungswesen aufgebaut werden, das allen Kindern und Jugendlichen gleichen Zugang bietet. Insbesondere der Mädchenbildung kommt eine Schlüsselrolle zu. Der kulturellen Vielfalt soll im Bildungswesen durch konsequente  Mehrsprachigkeit Rechnung getragen werden. Die Mitglieder der Delegation wollen sich in Gesprächen und Besuchen vom Stand dieses Aufbauprogrammes, seinen Fortschritten aber auch Problemen überzeugen. Dies kann als Grundlage für künftige gemeinsame Projekte dienen, denn bis die Schäden des Krieges beseitigt sind und ein Waffenstillstand erreicht ist, wird noch einige Zeit vergehen.

Eine traurige Aktualität hat das Projekt kürzlich durch die Angriffe der türkischen Armee auf das kurdisch verwaltete Afrin bekommen. Nachdem die kurdischen Regionen sich mühsam vom IS befreit haben, werden sie erneut überfallen. Im Schlepptau der türkischen Streitkräfte kommen die Dschihadisten aus der Nusra-Front, die als Freie Syrische Armee verkauft werden. Deutschland und die EU lassen Erdogan gewähren. Wieder werden die Kurden Opfer von Großmachtpolitik – auch darauf will die Delegation aufmerksam machen.

 

SprecherInnen der Projektgruppe:

Birgit Zwikirsch, Oldenburg
Berit Kranz, Köln
Süleyman Ates, Köln

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