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DänemarkDer Blick über den Tellerrand

Erfolgreiche Bildungsreise nach Dänemark

 

16.03.2019 - Dr. Wolfram Grams

Die Deutsche Nachschule in Tingleff – eine schöne kleine Schule mit 150 Schülerinnen und Schülern und 20 Lehrerinnen und Lehrern und einen engagierten Schulleiter. Ein kleines Paradies - es tut gut einfach mal zu sehen, dass Schule aus so sein kann.

Der Arbeitskreis Internationales der GEW Bremen hat sich ja vorgenommen, den "Blick über den Tellerrand" zu wagen und die Schulsysteme unserer Nachbarn anzuschauen. Im Rahmen dieser Reihe hat von 28.2. bis 2.3.2019 zum 2. Mal eine Bildungsreise in diesem Jahr nach Süddänemark stattgefunden.

Mit Kolleginnen und Kollegen aus Schleswig-Holstein und aus Bremen sind wir am Donnerstag den 28.2. in das herrlich gelegene Haus Quickborn direkt an der Flensburger Förde gefahren. Wo wir gleich am ersten Abend ein sehr aufschlussreiches Gespräch mit der engagierten Kreisvorsitzenden Annette van Buren aus Sonderburg hatten, die uns von einem Arbeitskampf zwischen den dänischen Volksschullehrerinnen und -lehrern und dem Staat berichtete, der in ner fünfwöchigen Aussperrung der Kolleginnen und Kollegen gipfelte und in dem eine massive Arbeitszeitverlängerung der Lehrerinnen und Lehrer durchgesetzt wurde. Mit der Folge von massiver Demotivation und z.T. Kündigung vieler dänischer Kolleginnen und Kollegen.

Bei mir blieb der Eindruck zurück, dass in vielen europäischen Ländern nicht nur die bekannten rechtspopulistischen Erscheinungen zu beobachten sind, sondern auch die Tendenz, dass staatliche Schulsystem immer weiter zu verschlechtern mit der Folge, dass immer mehr Privatschulen entstehen, auf die alle, die es sich leisten können, dann ihre Kinder schicken.

Am Freitagmorgen wurden wir dann von Jörn Warm, dem Schulleiter der Deutschen Nachschule in Tingleff und von Käthe Nissen, der pädagogisch-administrativen Konsulentin beim Schulamt in Apenrade empfangen: Wir lernten die in Deutschland unbekannte Schulform der Nachschule (dänisch: Elfterskole) kennen: Es ist eine Schulform, die als Internatsschule geführt wird und zurück geht auf den Pastor Grundtvig und den Pädagogen Kold aus dem 19. Jahrhundert.

Heute werden diese Schulen von ca. 60 % der dänischen Schülerinnen und Schüler besucht und erfüllen vielfach die Funktion, den Schülerinnen und Schülern, die in der Pubertät nach vielfach frustierenden Erfahrungen in der 9-jährigen Volksschule (dänisch: Folkeskole) ihre Lernmotivation verloren haben, ihnen durch einen Neustart außerhalb der Familie in einer ganz anderen Umgebung - alle Elfterskolen sind Internatsschulen - und mit andern Schwerpunktsetzungen (Angeln, Reiten, Malen, Musizieren, Sport, etc.) wieder neuen Lebensmut und Lernlust einzuhauchen. Dabei ist ein wichtiges didaktisches Instrument an den Stärken der Schülerinnen und Schüler anzusetzen und diese hervorzuheben.

Wir waren begeistert von der Atmosphäre an der Deutschen Nachschule in Tingleff und merkten aber auch, dass man mit einem engagierten Kollegium und - was an vielen deutschen staatlichen Schulen ganz anders aussieht -  mit kleinen Klassen und einer guten Schüler-Lehrerrelation (150 Schülerinnen und Schüler an der Deutschen Nachschule in Tingleff in zwei Jahrgängen) auch leichter erfolgreich gute Schule realisieren kann.

Nach einen sehr appetitlich angerichteten Mittagimbiss fuhren wir dann nach Apenrade, wo wir vom Chefredakteur Gwyn Nissen der Zeitung "Der Nordschleswiger" erfuhren, dass diese Tageszeitung der deutschen Minderheit (ca. 15 000 Menschen) in Süddänemark nur noch 1400 Abonnenten hat mit der Folge, dass sich die Redaktion nunmehr entschlossen hat, ab 2020 die Papierausgabe der Zeitung einzustellen und nur noch eine kostenlose Onlineausgabe zu produzieren.

Dies ist ja eine Tendenz, die auch bei vielen Zeitungen in Deutschland zu beobachten ist. Wir diskutierten anschließend untereinander viel über die sich dadurch ändernde Qualität von Zeitungsinformationen.

Am Abend fand dann im Haus Quickborn ein reger Austausch sowohl über den reichhaltigen Informationsinput des Tages als auch über die konkreten Berufserfahrungen der Kolleginnen und Kollegen aus Schleswig-Holstein und aus Bremen statt.

Am Samstagvormittag hatte die Gruppe dann noch Gelegenheit durch eine Führung im Museum an den Dübbeler Schanzen, sich ein Bild von den auch bei vielen Lehrerinnen und Lehrer unbekannte wechselvolle und von vielen sehr brutalen Kriegen begleitete Geschichte im deutsch-dänischen Grenzgebiet zu machen.

Danach war das einhellige Urteil: Eine sehr erfolgreiche und bereichernde Veranstaltung!

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