GEW Bremen
Sie sind hier:

Dein Weg wird kein leichter sein...

Wie ist die Lage an den Schulen? Ständige Überlastungen durch die Fülle von verschiedenen Aufgaben, Anforderungen und Erwartungen im Kollegium, Aufgaben mit den Jugendlichen und Kindern, mit den Eltern, mit Inklusion, mit Zugewanderten.

16.02.2016 - Wilfried Meyer

Das ist mittlerweile der Alltag an Bremer Schulen. Es ist unter den jetzigen Bedingungen und auch der Spar-Politik nicht zu schaffen. Wie sollen wir damit umgehen? Da gibt es verschiedenen Möglichkeiten.

Die individuelle Lösung: Du denkst erst einmal an dich, du schaffst es nicht, du arbeitest und lebst verkehrt. Deshalb besuchst du Kurse privat und am LIS, falls welche angeboten werden. Z.B. „Catch fire statt burn out“. Das sieht der Arbeitgeber natürlich gern, dass du etwas tust, um dich arbeitsfit zu halten. Nehmen wir an, auch damit gelingt es dir nicht gegen deine Erschöpfung, deinen Frust, deine Überlastung anzuarbeiten. Du kannst natürlich auch in Absprache mit dem Personalrat eine Gefährdungsanzeige stellen.

Die kollegiale Lösung: Du hast eine Schulleiterin, die dich fürsorglich begleitet und auch sehen kann, dass es so nicht weitergeht. Sie sorgt für dich, nimmt dich aus den verschiedenen Problemfeldern, schwierigen Klassen, belastenden Aufgaben. Nach Krankheit wirst du behutsam wieder aufgebaut. Ja, das gibt es. (Ist aber zu selten.) Dein Kollegium ist so, dass es dich in schwierigen Situationen mit auffangen kann, es hilft dir, es wird geredet, man kümmert sich um die Einzelpersonen. Es gibt Gespräche, die es ermöglichen offen mit den Problemen an der Schule umzugehen. Aber vielleicht hasst du einen nicht fürsorglichen Schulleiter, der dir noch diese und jene Aufgabe zusätzlich aufdrückt, weil er selbst nicht mehr weiß wie er die Löcher stopfen soll, die ihm die Behörde eröffnet. Und stell dir vor du hast ein Kollegium, in dem Jede und Jeder selbst so hoch belastet ist, daß für dich gar keine Zeit mehr bleibt. Es muß noch Verschiedenes organisiert werden, es muß noch dokumentiert werden, wir haben noch Teamsitzung, Dienstbesprechung, Fachkonferenz... Ja, was ist dann? Dann wirst du vielleicht krank, wenn du es rechtzeitig merkst. Du beantragst eine Kur. Eventuell reduzierst du auch deine Unterrichtsverpflichtung. Du hast aber eine Familie und eigentlich brauchst du das Geld und den vollen Job. Auf diesem Feld ist also auch nicht eine Besserung der Verhältnisse in Sicht. Und eigentlich sind das doch keine Lösungen! Dieser Job muß Spaß machen, es geht um das Lernen, er müsste erheblich besser bezahlt werden und wir brauchen eine Pflichtstundenreduzierung für Arbeiten mit mehr Sinn und Verstand.

Und in all deine Tätigkeiten eingebunden, merkst du, dass du seit Jahren gar nicht mehr über die Pädagogik, die Ziele von Bildung in der Schule, die Inhalte der Fächer gesprochen hast, weil dazu einfach die Zeit nicht reicht. Du bist geschafft. Als Berufsanfänger merkst du das vielleicht gar nicht, weil du es ja nicht kennst, auch ein Kollegium kennst du nicht, welches trägt und viel von den Schwierigkeiten auffängt oder einfach kollegial im Umgang ist. Und manchen fehlt die Erfahrung im Austausch, auch von Unterrichtsmaterial, weil Verlage und Institute uns den individuellen Download als Vereinfachung der Arbeit vorgaukeln. (Heraus kommt aber meistens nur ein Arbeitsblatt, keine Kommunikation.)

Der kleine Beginn einer möglichen Lösung zur Eigenhilfe: Im Kollegium wird Austausch organisiert, nicht nur über Schüler/innen und Organisation. Es werden Anträge auf der Gesamtkonferenz diskutiert und abgestimmt. Es gibt auch gemeinsame Stellungnahmen gegen Überlastungen und unsinnige Aufgaben. Es gibt ab und zu ein gemeinsames Nein und bei  Vorschlägen von Behörde oder Schulleitung wird sich Zeit genommen bis zu einer eventuellen Entscheidung, das kann Druck herausnehmen. Denn von behördlicher Seite wird es immer öfter heißen: „Wir stehen vor großen Herausforderungen, die wir meistern müssen“. Wohlgemerkt „WIR“! Wo kann man sich besser zusammenfinden als in relativ kleinen Gruppen?   Nur, dieser Austausch muss wirklich stattfinden, sonst wird der Kontakt, der Einfluss, die Mitentscheidung, die Demokratie aus der Schule verschwinden.

Vertreter können nur vertreten: Und für Konfliktsituationen, die sich im Moment zwangsläufig häufiger ergeben, da wird z.B. ein Personalausschuss gegründet, welcher an der Schule agiert. Und wenn das alles so nicht geht, dann gibt es immer noch einen Personalrat Schulen, an den sich jede(r) an der Schule Beschäftigt  wenden kann, in allen Fragen, die die Arbeit dort betrifft.

So haben wir es lange in der Schule gehalten und sind gut damit gefahren.

Wilfried Meyer | Schule am Halmerweg | Ehmaliges Personalrats-Mitglied

Zurück