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»Das geht alles von eurer Zeit ab!«

Der ambitionierte Turboaufbau eines „Campus Ohlenhof “ /Gröpelingen

16.02.2017 - Wilfried Meyer

Erstgenannte erzieherische Androhung wollen wir mal auf ein  Projekt und die beteiligten Politiker anwenden. Der sogenannte Campus Ohlenhof gleicht mittlerweile tatsächlich einem durchpflügten Acker, besser einem Schlachtfeld. Gut 6 Jahre nach vollmundigen Sprüchen von Bildungs-Machern, oder heute auch gern Akteure genannt wie da waren:  Jürgens-Pieper/Senatorin, Othmer/ Staatsrat „hier ist genug Platz“), Lücking /Bau, Schumacher/Bau („tolles Projekt“), Bothmann/oberste Schulaufsicht (wir wollen das nicht diskutieren, das ist entschieden“), Heinrichs/Schulaufsicht/Schulleiter („die besten Container des Marktes“), Kraatz-Röper/Schulaufsicht/Schulleiter („Geld ist genug da“), Genthe-Welzel/Schulaufsicht ( „?!“), Beirat West/ überwiegend SPD (der Personalrat ist hier gar nicht eingeladen“) stehen auf einem für Schüler mittlerweile kaum als Schulhof zu bezeichnendem Gelände inzwischen 3 Schulen: die den Schülern 2011 versprochene neue Oberschule Ohlenhof ist aus einem nicht renovierten Gebäude der Grundschule am Halmerweg in frische, tolle Container auf der früheren Spielwiese der Grundschule untergebracht. 

Container seit 2011

Die Lehrkräfte der Grundschule unterrichten ein Drittel der Schülerschaft seit 2011 in provisorischen Containern, die laut Senatorin Bogedan nicht für Langzeitnutzung geeignet sind (!!). Im Winter frieren die Toiletten ein, im Sommer herrschen tropische Temperaturen. Diese werden demnächst fit gemacht, um darin Kitakinder auf dem Gelände der Parkschule in Oslebshausen zu bespaßen. Dafür kommen auf das „Campusgelände“ andere Container der evangelischen Kirche, um dortselbst eine neue Kita zu installieren. Und es gibt natürlich die Grundschule, die sich inzwischen mit Aushilfskräften für Verwaltung und Unterricht durch das Schulleben schleppt. Bachelorstudenten übernehmen die Klassenführungen, Studenten machen dies und das, die aufgerissenen Löcher werden versuchsweise immer neu gestopft. Und nebenbei gesagt, die Unterrichtsverpflichtung an einem so ungastlichen Ort (gebäudemäßig) beträgt nach wie vor 28 Stunden bei abgesenktem A12 und anderen prekären Löhnen. Nach 6 Jahren hat nun eine weitere Teilrenovierung, Pavillon 3, begonnen. Es steigt die Hoffnung, daß die gesamte Grundschule, die sich eine Campuisierung des Geländes nie gewünscht hat, im nächsten Jahrzehnt einer Vollendung der seit 40 Jahren überfälligen Arbeiten entgegen sehen kann. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Täter sind weg

Aus Elternsicht war eine damalige Empfehlung an die Eltern der 4.Klassen, Kinder an die neue Oberschule zu schicken, in neuen Räumen und Gebäuden mit einer dem sozialen Brennpunkt angepassten Superausstattung, schlicht gesagt Hohn. Derber ausgedrückt Lüge und Betrug. Also eigentlich ein Verbrechen an den Kindern? Die Täter sind inzwischen untergetaucht, abgewählt, zurückgetreten, versetzt, Schulleitungen geworden, verrentet, pensioniert oder haben wieder für einen Dorfbürgermeister kandidiert? Und deswegen, das ist ja guter Brauch in der Politik, aber auch bei Behördenvertretern, für ihr Tun im Nachhinein nicht zur Verantwortung  gezogen zu werden. Gut, die SPD möchte auch weiterhin ein paar Wählerstimmen gerade in Gröpelingen für ihr Tun erhalten. Dabei gerät dann manchmal sogar die Stadtteilpolitik mit der Senatspolitik in Reibung. Das eine was man möchte oder was nötig ist, das andere was man bezahlen kann oder nicht kann. So hatte doch Rot/Grün zwischendurch das Projekt Oberschule Ohlenhof schon gekippt. Protestseidank geht es weiter, aber eben nur abgespeckt. Wer den Speck in Erinnerung hat, der sonst so in den Stadtteil gepumpt wird, der weiß wie abgespeckt sein wird. Jetzt kommt auch noch dazu:  es fehlt eine Grundschule im Stadtteil!

Das neue CCH

Wer hat das denn ausgerechnet und wann? Schwere  Zweifel an der „Planungskompetenz“ des „Senat for Children and Education“ and her chairwoman of KMK 2016 Miss Dr. Bogedan  in Bezug auf Zahlen von Neugeborenen, Kindern und Schulpflichtigen sind angebracht. Immerhin, Staatsrat Bildung(?) Pietrzok hat sich alle Probleme schon mal wohlwollend angehört, wie alle Deputierten auch. Der Staatsrat nimmt alles sicherlich „mit ins Haus“, in die Schublade „Hat mein Vorgänger verbockt, nicht ich!“ Aus dem Kollegium der Grundschule  wurde schon vorgeschlagen die neue Kita, die neue Grundschule, die nicht gebaute Oberschule, die nicht renovierte Turnhalle, den nicht renovierten Verwaltungstrakt, die nicht renovierte Aula usw. einfach  weiterhin in alten und natürlich in neuen, innovativen Containern auf dem Gelände des „Campus Ohlenhof“ unterzubringen. Zum Beispiel in der immer noch grünen Ecke, in der der Schulgarten noch den Containern und Baufahrzeugen trotzt wie das kleine gallische Dorf. Vorteil ist, es gibt schon einen Zaun drumherum. Wäre man ironisch könnte man zur zukunftsweisende Bezeichnung  CCH greifen: Container Campus Hohlenhof.

Wo bleiben die Leckerlis?

Ebenso könnte man fragen, wie denn die immer wieder versprochenen Maßnahmen zur Herstellung von Chancengleichheit im Stadtteil Gröpelingen die letzten 6 Jahre durchgeführt wurden und als Masochist dann auch wie die Planungen für die nächsten Jahre aussehen. Obwohl, die gibt es ja gar nicht. Allen Betroffenen vor Ort kann man nur die Hochachtung aussprechen, dass unter diesen Bedingungen überhaupt noch Bildungsarbeit geleistet wird. Die von der damaligen Senatorin Jürgens-Piper versprochenen Leckerli für das Kollegium „wegen der vielfältigen Unannehmlichkeiten“, die das Kollegium sogar aufgelistet hat, sind bis heute (!) nicht angekommen. Wertschätzung sieht anders aus? Vielleicht wäre ja auch weiterer Widerstand angesagt, wenn die Zeit auch in Zukunft an diesem Projekt vorübergeht. Zumindest verlautet aus gut unterrichtenden Kreisen, dass die Schulleitungen im Westen aus ihrer Not heraus eine Senkung der Unterrichtsverpflichtung der Lehrkräfte um 4 Stunden fordern. Ich würde einen Container verwetten, dass das nicht erfüllt wird. Und für diejenigen, die das hier Angeführte nicht glauben wollen, weil sie gerne an das Gute glauben, die lade ich gern zu einem gummibestiefelten Campusbummel ein!  Unter dem Motto:  Kinder wie die Zeit vergeht!

Wilfried Meyer, live vom Campus

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