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Das Focke-Museum als außerschulischer Lernort

Sammeln, Erforschen, Erhalten, Zeigen – das sind bekanntlich die grundlegenden Aufgaben aller Museen. Die Vermittlung der Sammlungen und der an ihnen gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse gehört also zu den Kernaufgaben. Dies geschieht seit den Anfängen des Museums durch die ständigen Schausammlungen mit ihren Objekterläuterungen, durch Sonderausstellungen und thematische Führungen, durch Vorträge und andere Veranstaltungen. Ausgearbeitete Konzepte und spezielles Personal für das Vermitteln an die verschiedenen Gruppen von Museumsbesuchern gibt es allerdings noch gar nicht so lange. Als das Focke-Museum vor nun mehr als 30 Jahren einen museumspädagogischen Dienst einrichtete, war es eines der ersten Museen in der Bundesrepublik, das insbesondere für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ein Team von Museumspädagoginnen aufstellte. das nicht nur Führungen und praktische Aktivitäten für Schulklassen entwickelte, sondern auch Arbeitsmaterialien und Informationsbroschüren für die Lehrer erstellte und Lehrerfortbildungen anbot.

16.05.2011 - von Heinz-Gerd Hofschen

Heute haben sich die Anforderungen an die Museumspädagogik durch die gesellschaftlichen Entwicklungen quantitativ und qualitativ stark gewandelt. Um nur einige Beispiel für diese Veränderung zu geben: Die durch die neuen Medien geprägten Kinder sind weniger denn je durch eine bloße Führung – so dialogisch und wenig frontal sie auch erfolgt – zu fesseln, sondern sie brauchen in viel stärkerem Maße als früher die Eigenaktivität in Form von praktischen Aktionen. Die kulturelle Vorbildung eines erheblichen Teils der Kinder und Jugendlichen - nicht nur derjenigen aus Migrantenfamilien – ist geringer geworden, was natürlich Konsequenzen für die Vermittlungskonzepte haben musste. Der Bedarf an museumspädagogischen Angeboten ist indessen noch gestiegen, sei es wegen der zahlreichen Sonderausstellungen des Museums, sei es wegen der allgemeinen Nachfrage von Kindergärten bis zu Seniorenheimen. Denn das Focke-Museum als stadt- und kulturgeschichtliches Museum bietet mit seiner Dauerausstellung und seinen museumspädagogischen Angeboten wie an keinem anderen Ort in Bremen die Möglichkeit, die Geschichte unserer Stadt und die Kulturgeschichte unserer Region an den historischen Originalen in didaktisch sinnvoller Präsentation zu erfahren. Das wird von den zahlreichen elektronischen Medien im Museum unterstützt, darunter die 20minütige Multivisionsschau über „1200 Jahre Bremen“. Durch das Schaumagazin, durch Fockes Labor und Studio Focke und das Kindermuseum im Haus Riensberg haben sich die Möglichkeiten für die museumspädagogischen Aktivitäten in den letzten Jahren noch erheblich erweitert.

Das aktuelle museumspädagogische Programm

Die museumspädagogischen Aktivitäten werden als öffentliche Führungen, als Führungen für Gruppen, als Familiennachmittage für Kinder und Eltern mit praktischem Programm und als Führungen für Schulen und Kindergärten durchgeführt. Daneben gibt es eine Reihe von besonderen Angeboten, die von praktischen Kursen für Erwachsene bis zu Kindergeburtstagen und Ferienkursen im Museum reichen. Wir bieten derzeit Führungen zu fast 40 Themen der Stadtgeschichte, der Kulturgeschichte und der angewandten Kunst an. Zu diesen ständigen Themenbereichen gehören unter anderem:

  • 1200 Jahre bremische Geschichte, Der Kampf um Bremens Selbständigkeit, Bremen im Mittelalter, Als Bremen französisch wurde, Von der Handelsstadt zum Industriezentrum, Krieg und Revolution, Bremen im Ersten Weltkrieg und in der Revolution von 1918/19, Bremen in der NS-Zeit einschließlich Verfolgung und Widerstand, Geschichte der Schifffahrt und des Schiffbaus, des Walfangs, des Bremer Handels, des Stadtbildes, des Bremer Hauses, Frauenleben in Bremen, Feiern und Feste in Bremen, Unterwegs – Reisen früher, Bremer Porträts , Bremer Silber, Bremer Bildhauerkunst. Zu diesen und weiteren Themen wird im Haupthaus und im Schaumagazin geführt;
  • im Haus Riensberg und dem Kindermuseum werden die Themen Bremische Wohnkultur, Europäische Glaskunst, Mode im Spiegel der Zeit, Kinderleben und Kinderspiel behandelt;
  • im neugestalteten Eichenhof werden ab Mai 2011 Führungen zur Bremer Archäologie, zur Frühgeschichte und archäologische Forscherwerkstätten für Kinder stattfinden;
  • im Haus Mittelsbüren und in der Tarmstedter Scheune werden Führungen zur Geschichte des Bremer Landgebiets und zum ländlichen Hausbau, zum Thema Licht und Wärme, zur Ländlichen Arbeit von der Feldbestellung bis zur Lebensmittelherstellung und über Brennstoff aus dem Moor. Torfgewinnung und Torfhandel angeboten;
  • in unserer Außenstelle, der Oberneulander Mühle, findet regelmäßig die Führung Vom Korn zum Brot statt.

Außer zu diesen ständigen Themen werden zu allen Sonderausstellungen spezielle Führungen angeboten.

Für Kinder und Jugendliche: Führungen mit Programm, Fockes Labor, Kindergeburtstage, Ferienkurse

Einen besonderen Schwerpunkt der Museumspädagogik bildet natürlich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Dabei werden altersspezifische Führungen mit und ohne Begleitprogramm für Kindergärten und für Klassen aller Schularten und Schulstufen angeboten. Zwar entsprechen die Themen dieser Führungen den oben genannten Bereichen, doch sind sie inhaltlich auf die jeweilige Alters- und Schulstufe zugeschnitten und werden – zumindest für die Jüngeren - meist mit einem praktischen Programm ergänzt. So können beispielsweise nach einer Führung Bremen im Mittelalter die Kinder auf Wachstafeln schreiben, ein Stadtsiegel gießen oder mittelalterliche Pilgerzeichen herstellen.
Eine besonders attraktive Form des forschenden Lernens bieten wir in
Fockes Labor an, dem seit 2003 bestehenden Aktions- und Experimentierraum für Kinder und Jugendliche. Dort können sie an 15 Laborwagen selbständig und spielerisch an Originalen forschen und einen Einblick in die unterschiedlichen Themenbereiche unseres stadt- und kulturgeschichtlichen Museums bekommen. Sie experimentieren mit Textilien, Holz, Knochen, Münzen und Keramik und lösen dabei die Aufgaben eines kleinen Forschungsprogramms. Fockes Labor ist für Kinder bis zur neunten Klasse gedacht, als Angebot für Klassenbesuche, als Ergänzung zu Führungen, aber auch für Familiennachmittage und Kindergeburtstage. Mit Studio Focke, dem museumspädagogischen Aktionsraum im Dachgeschoss des Hauses Riensberg, steht ein weiteres Angebot für die Eigenaktivität zur Verfügung. Dort wird mit Systemspielzeug – von Anker-Bausteinen bis zu Lego – gebaut, können Puppen gebastelt und Puppenspiele aufgeführt werden und es werden interessante Aspekte der Stadt- und Kulturgeschichte praktisch erforscht. So kann beispielsweise die Geschichte der Kommunikation nachvollzogen werden, von Lichtsignalen über den Morseapparat bis zum Telefon.

Seit 2004 läuft im Focke-Museum das museumspädagogisches Projekt: Jugendliche führen Kinder. Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern – zunächst des Schulzentrums Rockwinkler Straße dann der GSO - wurde von Museumspädagogen ausgebildet, Führungen für Kinder durchzuführen. Sie tun das nun mit großem Erfolg, da die Distanz zwischen den Jugendlichen und den kleineren Kindern nicht so groß ist, und die Jugendlichen daher die Sprache und die Interessen der Kinder gut treffen.

Das Focke-Museum ist also ein attraktiver und vielgenutzter außerschulischer Lernort. Im Jahr finden durchschnittlich 300 Führungen für Schulen statt, an denen rund 7.000 Schülerinnen und Schüler teilnehmen. Rund 60 % davon kommen aus den Grundschulen, die übrigen aus allen anderen Schulstufen. Leider sind die Kurse der Sekundarstufe II und der Berufsschulen noch zu schwach vertreten. Um das – und den generellen Kontakt zwischen Museum und Schulen – zu verbessern, haben wir seit einiger Zeit Focke-Kontaktlehrer gewonnen, die in regelmäßigen Zusammenkünften über die Arbeit des Museums informiert werden, und die ihrerseits Erfahrungen, Anregungen und Kritik an das Museum weitergeben. Wir hoffen, daß sich an allen Bremer Schulen eine solche Kontaktperson finden wird.

Kontakt

  • Anschrift:
    Focke-Museum. Bremer Landesmuseum für Kunst und Kultur
    Schwachhauser Heerstr. 240 | 28213 Bremen
    Tel. 0421-699 600-0 | Tel. 0421-699 600-62 (automatische Ansage)
    Post [at] focke-museum.de | www.focke-museum.de
  • Info und Buchungen
    Tel. 0421-699 600-61
  • Informationen für Kontaktlehrer
    Dr. Heinz-Gerd Hofschen | Tel. 0421-69960031
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