GEW Bremen
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PerspektiveCorona als Chance

Gemeinsam Perspektiven entwickeln

 

16.02.2021 - Barbara Schüll | Landesvorstandssprecherin

Vor einem Jahr, mit dem ersten Lockdown, keimte eine kleine Hoffnung auf: Ist dieses Innehalten der Moment, in dem Politiker*innen ihr Handeln neu bewerten? Viele Räder standen still, Globalisierung hätte auf dem Prüfstand stehen können. Was kann, was muss und muss wirklich alles was möglich ist? Klimaaktivist*innen sahen einen kleinen Schimmer am Horizont und ein alter Volkssport kam zu neuen Ehren: spazieren gehen. Die Entschleunigung des Exportweltmeisters Deutschland war möglich, vorbei die Zeit der schwarzen Null, Geld war kein Thema.

Masken, Trennwände, Tests, Entwicklung von Impfstoff wurden und werden, neben der finanziellen Unterstützung vieler Antragssteller*innen, bezahlt. Die digitale Ausstattung der Schulen, Schüler*innen und Lehrkräfte, konnte der Bremer Senat in Rekordgeschwindigkeit umsetzen. Leider fehlte vielen das Know how.

Übergreifende Kohorten

Kolleginnen und Kollegen nahmen an ersten Online Fortbildungen in den Osterferien 2020 teil und mühten sich im selbstorganisierten Lernen neben dem Präsenzunterricht in den wechselnden Gruppengrößen. Die digitalen Endgeräte wurden als tolle Chance gesehen und Arbeitszeit spielte keine Rolle. Pädagogische Mitarbeiter*innen wurden an vielen Schulen als Joker  eingesetzt. Kinder und Jugendliche, die über den Unterricht hinaus in der Schule bleiben mussten, wurden Kohorten übergreifend den nicht unterrichtenden Pädagoginnen und Pädagogen anvertraut. AHA-Maßnahmen für diesen Arbeitsplatz wurden nicht bedacht, wie auch nicht die Versorgung mit digitalen Endgeräten. Die Kolleg*innen sollen sich täglich über die wechselnden Notwendigkeiten informieren, doch die I-Pads für sie, werden erst jetzt geordert. Ähnlich wurde mit persönlichen Assistenzen umgegangen, die zudem im vergangenen Jahr Kurzarbeit hinnehmen mussten.

Home-Office 24/7

Covid 19 bestimmt unser Handeln und Wirken seit einem Jahr extrem:
Arbeitszeit erfährt eine nie dagewesene Entgrenzung durch die Ansprüche an digitaler Unterrichtsgestaltung. Home-Office, unter 24/7 Bedingungen. Datenschutz, Cyberkriminalität, das Recht auf persönliche Unversehrtheit Habe ich eigentlich das Recht, online nicht klar kommen zu dürfen? Wo bleibt die Besonnenheit, Kolleg*innen vernünftig vorzubereiten, die Ausstattung zu komplementieren (WLAN, Tastatur, IPad Stift, Whiteboard, Beamer sind nur ein paar Schlagworte, die zur digitalen Welt dazu gehören), Möglichkeiten und Angemessenheit zu prüfen. Die digitalen Erfahrungen von Erstklassen Kindern sind auf jeden Fall anders vorzubereiten als die älterer Schüler*innen. Nehmen wir uns die Zeit den technischen Fortschritt mit Bedacht zum Erfolgsmodell zu führen und nicht mit Höchstgeschwindigkeit in den digitalen Flop.

Ins Gespräch kommen

Bildungsgerechtigkeit erreichen wir nicht durch das Tablet in der Tasche und riskante Top-Down- Entscheidungen in Pandemiezeiten. Wir fordern die Chance von Runden-Tisch-Gesprächen in Online-Konferenzen, mit Expert*innen aus Schule (Schuleitungen, Schüler*innenvertretungen, Personalvertretungen, Zentralelternbeirat) Gesundheit, Gewerkschaften und SKB (Senatorin für Kinder und Bildung). Bildungsgerechtigkeit beginnt mit exzellenten Schulgebäuden, gut ausgebildeten Lehrkräften (die an Hochschule und Universität von Dozenten, mit guten Arbeitsbedingungen, geschult werden), kleinen Klassen, zusätzlichen Bildungsangeboten, einer intakten Umwelt mit Räumen für kreative Entfaltungsmöglichkeiten von Kindern, jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Aktuell bieten wir als GEW, Online Treffen an, um mit dir ins Gespräch zu kommen.
Wir möchten Perspektiven mit und nach Corona entwickeln, der Vereinzelung entgegenwirken und unsere Kräfte bündeln.

Unter „GEW diskutiert" bieten wir monatlich die Möglichkeit an, über Themen, wie Abschlussprüfungen, Gefährdungsanzeigen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, etc. mehr zu erfahren, nachzufragen und mitzureden. Schau mal vorbei, du bist herzlich eingeladen.