GEW Bremen
Du bist hier:

„Bildungsversagen“ besonderer Art in der Stadt Bremen

Nun ist das neue Schuljahr schon einige Tage alt und einige Stellen sind nach wie vor nicht besetzt oder aber mit (noch) nicht (fertig) ausgebildeten oder seiteneingestiegenen Kolleg*innen. Und wir wissen, dass dies erst der Anfang eines folgenreichen Lehrkräftemangels ist.

22.08.2016 - Christian Gloede

Die tiefgreifende Schulreform (Stichwort: Inklusion) war und ist unterfinanziert. Statt die Weichen richtig zu stellen, wurden z. B relevante Studiengänge (u. a. Sport und Behindertenpädagogik) dem Kürzungswahn geopfert und in den Schulen die Belastung, und damit das gesundheitliche Risiko erhöht. Nicht der Anstieg von Flüchtlingskindern und der Förderbedarfe, wie gerne suggeriert wird, ist verantwortlich für die Missstände in der bremischen Bildungspolitik, sondern eine sich seit Jahren zuspitzende Haushaltspolitik, die wesentlich darauf ausgerichtet ist, finanzpolitische Vorgaben zu erfüllen und sich eben nicht einer sozialen und Bildungsgerechtigkeit verschrieben hat.

Die für die zweite Jahreshälfte 2017 zusätzlich in Aussicht gestellten 56 Lehrkräfte sowie 50 Referendar*innen für die Schulen sind bei weitem nicht genug und kommen zu spät. Die Kinder und Jugendlichen sind jetzt in den Schulen und die Versagung notwendigster Mittel im Bildungsbereich wird weiterhin diejenigen besonders treffen, die aufgrund von Armut oder Beschäftigungsnotwendigkeit am stärksten von öffentlicher Bildungsfinanzierung abhängig sind.

Bremisches Bildungsversagen zeigt sich unverhüllt in der Politik des Senats: Mit Schönrederei, Papiereinsparungen, teurerem Mittagessen in der Schule und dem Griff in die Pensionskasse Lehrkräfte zu finanzieren, ist abenteuerlich. Durch diese Politik wächst berechtigte Unzufriedenheit und der Ruf nach einfachen Lösungen wird lauter. Das Problem der Bildungsfinanzierung und des Fachkräftemangels im Bildungsbereich zu lösen ist deutlich vorrangiger, als die Frage, ob man durch weiteres Kaputtkürzen öffentlicher Leistungen, 300 Millionen € Zinsbeihilfen vom Bund erhält! Eine Haushaltsnotlage bekämpft man nicht dadurch, die Nöte der Menschen zu vergrößern, sondern dadurch, dass Politik diese Nöte lindert. Wenn dem eine ideologisierte Schuldenbremse im Weg steht, muss sie eben weggeräumt werden.

Die GEW wünscht allen Kolleg*innen ein freudvolles Schuljahr 2026/27…

aus dem Stadtverbandsinfo für die Stadt Bremen August 2016

Zurück