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Bildung!

Die Bremer Verfassung nennt unter Erziehung und Unterricht in Artikel 26 „Die Erziehung und Bildung der Jugend hat im wesentlichen folgende Aufgaben:

16.05.2013 - Was soll das heute eigentlich sein? | von Wilfried Meyer

  1. Die Erziehung zu einer Gemeinschaftsgesinnung, die auf der Achtung vor der Würde jedes Menschen und auf dem Willen zu sozialer Gerechtigkeit und politischer Verantwortung beruht, zur Sachlichkeit und Duldsamkeit gegenüber den Meinungen anderer führt und zur friedlichen Zusammenarbeit mit anderen Menschen und Völkern aufruft.
  2. Die Erziehung zu einem Arbeitswillen, der sich dem allgemeinen Wohl einordnet, sowie die Ausrüstung mit den für den Eintritt ins Berufsleben erforderlichen Kenntnissen und Fähigkeiten.
  3. Die Erziehung zum eigenen Denken, zur Achtung vor der Wahrheit, zum Mut, sie zu bekennen und das als richtig und notwendig Erkannte zu tun.
  4. Die Erziehung zur Teilnahme am kulturellen Leben des eigenen Volkes und fremder Völker.“

Mr. Tony Wagner, Erziehungsexperte der Harvard-Universität, dessen Buch „Creating Innovators“ in den USA gerade stark beworben wird, sieht die Zukunft der Bildung und seine Rolle so: „Ich bin eine Übersetzer zweier feindlicher Stämme - zwischen der Erziehungswelt und der Geschäftswelt.“ Sein Blick richtet sich auf „Teaching the skills that matter most in the Marketplace“. Die OECD möchte für den Markt fit machen. Ist nur der Markt noch Kriterium für die Bildung?

Bildung, von unserer Bildungs-Behörde aus gesehen, ist seit dem Pisa-Ereignis vor gut 10 Jahren nur noch „Implementierung der Bildungsstandards“, überwiegend in Mathe, Deutsch und NW, Kompetenzorientierung, was immer das auch sein soll, und Qualitätssicherung, wozu nach deren Meinung die permanente Evaluation auf allen Ebenen gehört. Einen inhaltlich gefüllten Bildungsbegriff gibt es von staatlicher Seite nicht mehr, ein Humboldtsches Bildungsideal der „ganzheitlichen Bildung zum Weltbürgertum“ schon gar nicht. Individualisierung und Binnendifferenzierung werden als „neue“ Methoden auf den Markt geworfen, dabei sind es alte Hüte. Diverse Evaluatoren und Schulinspektoren laufen mancherorts mit Laptops durch die Schulen und haken in Kurzbesuchen in den Klassen ihre Kriterienkataloge ab für guten, innovativen Unterricht, um ominöse Gütesiegel und Auszeichnungen zu verteilen, mit denen sich die Schule dann schmücken kann.( Wer möchte Q2E schon fortsetzen?)

Hat man in den letzten Jahren in den Kollegien, mit den Professionellen (den Pädagogen) eine intensive Debatte über Bildungsinhalte geführt? Nein, hat man nicht, weil daran kein Interesse besteht. Man möchte die Akzeptanz von top down beschlossenen Maßnahmen und nicht deren Diskussion. Die Äußerung, dass „wir nicht gefragt wurden“ ist in vielen Gesprächen als Unmutsäußerung heraus zu hören. Wer spricht heute von der Verfassung, dass wir die Kinder und Jugendlichen erziehen wollen „zum eigenen Denken, zur Achtung vor der Wahrheit, zum Mut, sie zu bekennen“. Das mag in einigen Projekten im Politikunterricht vorkommen, das steckt in vielen Köpfen der Pädagogen, aber in offiziellen Verlautbarungen und den Taten der Administration spielt es keine Rolle. Wir möchten dazu ermuntern diese pädagogischen Fragen wieder aufzugreifen, um den Strategen des Marktes entgegen treten zu können, die das Menschenbild auf einen „homo oeconomicus“ zurecht stutzen möchten. Insofern liegt uns die Verfassung näher als die vorherrschende Bildungsunkultur.

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