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Digitale Revolution„Bildung in der digitalen Welt“

Das Strategiepapier der Kultusministerkonferenz und die Antwort der GEW

 

16.06.2019 - Jürgen Burger

Unter dem o.g. Titel hat die KMK im Dezember 2016 ein umfangreiches Papier verabschiedet. Zum gewähltem Titel ist anzumerken, dass auch nach der Durchdringung aller Lebensbereiche durch digitale Medien die Welt sicher analog bleiben wird. Dennoch ist die Feststellung in der Präambel des Papiers zweifellos richtig, dass wir uns in Analogie zur industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts gegenwärtig in einer „digitalen Revolution“ befinden: „Die Digitalisierung unserer Welt wird hier im weiteren Sinne verstanden als Prozess, in dem digitale Medien und digitale Werkzeuge zunehmend an die Stelle analoger Verfahren treten und diese nicht nur ablösen, sondern neue Perspektiven in allen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Bereichen erschließen, aber auch neue Fragestellungen z. B. zum Schutz der Privatsphäre mit sich bringen.“ Nach dieser und einigen weiteren Vorbemerkungen enthält das Papier einen umfangreichen Kompetenzrahmen unter der Überschrift „Schule und Berufliche Bildung“. .Anschließend werden Planungen zu den Bereichen Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrenden, Bildungsmedien, Infrastruktur und Ausstattung, E-Government, Schulverwaltungsprogramme sowie Bildungsmanagementsysteme aufgeführt. Trotz des anfänglichen Verweises auf „neue Fragestellungen, z.B. zum Schutz der Privatsphäre“ wird im KMK-Papier den daraus abzuleitenden Konsequenzen nur marginal nachgegangen.

Forderungen der GEW
Hier war eine Antwort der GEW erforderlich. Unter dem gleichen Titel wie dem der KMK hatte eine Arbeitsgruppe für den letzten Bundesgewerkschaftstag 2017 in Freiburg einen Antrag vorbereitet, der dort verabschiedet wurde .Darin werden aus gewerkschaftlicher Sicht Themenfelder für die anstehende Auseinandersetzung abgesteckt. Der Antrag enthält zunächst bildungspolitische Forderungen:

„Die GEW fordert:
● Das Primat der Pädagogik vor der Technologie. Digitale Medien sind ein Mittel zum Zweck und kein Selbstzweck.
● Der Einsatz digitaler Medien muss die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen im Blick behalten. Vor allem junge Kinder sind auf Bewegung und das taktile Begreifen der Dinge angewiesen. Der Umgang mit digitalen Medien kann spielerisch und erkundend erfolgen. Er sollte aber stets kindgemäß sein und die Bewegungsbedürfnisse der jungen Kinder berücksichtigen.
● Eine kompetente Nutzung digitaler Medien fußt auf einer erfolgreichen Vermittlung und Beherrschung grundlegender Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) und sozialer Kompetenzen (Kommunikation, Zusammenarbeit). Die Vermittlung dieser Kenntnisse und Kompetenzen hat daher Vorrang. Die Kombination von digitalen und traditionellen Medien sowie Realerfahrungen kann allerdings vielfältige und neue Möglichkeiten für die Etablierung neuer Lernkulturen bieten. Der jeweilige Einsatz orientiert sich dabei an den Prinzipien Selbstständigkeit, Kommunikation und Kooperation.“

Es folgen weitere Forderungen für den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulbereich sowie für Hochschulen und Weiterbildung. Ein umfangreiches Kapitel beschäftigt sich dann mit den Arbeitsbedingungen. Hieraus abschließend einige Auszüge:

„Die GEW fordert in diesem Zusammenhang
● die verlässliche Ausstattung der Bildungseinrichtungen mit einer digitalen Infrastruktur, die den Anforderungen ausreichender Datensicherheit genügt.
● Keine Verlagerung sensibler Daten von Lernenden und Lehrenden auf externe Server (elektronische Klassenbücher u. ä.). Dies betrifft insbesondere Fehlzeiten und Krankmeldungen sowie Leistungsbeurteilungen.
● Einen strengen Datenschutz in allen Bereichen der Bildung. Die Bildungseinrichtungen brauchen Rechtssicherheit im Umgang mit sensiblen Daten.
● Die personelle und zeitliche Aufstockung der Verwaltung. Eine weitere Belastung von Lehrkräften und allen anderen pädagogischen Fachkräften durch zusätzliche Verwaltungsaufgaben, wie sie durch die geforderte Anlage elektronischer Akten entsteht, ist nicht hinnehmbar.
● Eine umfassende Mitbestimmung im Hinblick auf gespeicherte Daten und die Beachtung der Privatsphäre wie auch im Hinblick auf die Einführung digitaler Arbeits- und Unterrichtstechnologien sowie staatlich betriebener Lernportale.
● Möglichkeiten der Mitbestimmung der Beschäftigten bei Auswahl, Gestaltung und Einsatz technischer Verfahren einschließlich von Lernportalen und (Schul-) Verwaltungssoftware.“

Der Hauptvorstand hat eine Arbeitsgruppe zur Digitalisierung im Bildungsbereich eingesetzt.
Im Netz können die beiden Dokumente  nachgelesen werden unter:
www.kmk.org/themen/bildung-in-der-digitalen-welt/strategie-bildung-in-der-digitalen-welt.html
www.gew.de/fileadmin/media/publikationen/hv/GEW/GEW-Beschluesse/Beschluesse_GT_2017/3__Bildungspolitik/3.26_Bildung_in_der_digitalen_Welt_FV.pdf
 

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