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SchulleitungenBewährte und ganz neue Wege

Was sich in Bildung ändern muss - aus der Sicht von Schulleitungen

12 Thesen

16.05.2019 - Thorsten Maaß, 1. Vorsitzender für die Schulleitungsvereinigung Bremen e.V.

Wir möchten hier Thesen aufstellen, die zur bildungspolitischen Diskussion anregen sollen:

  1. Das Schulsystem ist den aktuellen Anforderungen an eine umfassende Bildung mit guten individuellen Entwicklungschancen für alle Schüler*innen (daran sollte sich Schule messen lassen) nur eingeschränkt gewachsen und sollte gerade in Krisenzeiten mit knappen Ressourcen bewährte erfolgreiche Wege ausbauen und parallel nach ganz neuen Wegen suchen, um Schule besser, flexibler, nachhaltiger und professioneller zu gestalten.
  2. Dazu sollte Schulentwicklung wieder verstärkt in die Hände der Schulen und kompetenter Bildungsfachleute gegeben werden, die unabhängig von Politik (die dafür den Rahmen schaffen sollte) neue Konzepte zur umfassenden auch persönlichen Entwicklung der Schüler*innen erstellen, erproben, umsetzen und evaluieren und entscheidend dafür sind, wie guter Unterricht praktiziert werden kann.
  3. Für eine solche Weiterentwicklung ist ein Bildungsplan von KITA bis zur Berufsbildung aus „einem Guss“ erforderlich, bei dem sich die verschiedenen Stufen austauschen und gemeinsame Ziele mit anderen Akteuren (z.B. auch der Wirtschaft, die sich verstärkt auf die aktuellen Schüler*innen einstellen sollte) entwickeln. Zur Umsetzung dieser Ziele müssten alle Stufen und Bereiche angemessene Rahmenbedingungen erhalten.
  4. Dabei muss sich Schule viel mehr an den Lebensperspektiven der Kinder und Jugendlichen („Friday for future“) orientieren und eine klimaneutrale und nachhaltige Alternative zu den „fossilen“ Wegen anbieten und dabei als Vorbild agieren.
  5. Teamarbeit sollte als verpflichtende Grundlage für alle Schulformen nachhaltig installiert werden mit festen Teamzeiten, Supervision und erweiterten verbindlichen Präsenzzeiten an der Schule.
  6. Lehrkräfte und auch Schulleitungen sind keine Allrounder, die alles können. Daher sollten sie durch professionelle Arbeitsteilung und fachliche Entlastung an verschiedensten Stellen (Aufwertung der Geschäftszimmer, fester IT-Support an jedem Standort, Helfer*innen für Zuarbeiten wie Kopien, Erstellung eigener Unterrichtsmaterialien, Gestaltung der Klassenräume…) wieder in die Lage versetzt werden, ihrem Kerngeschäft nachzugehen.
  7. Mit den Belastungen der an Schule Beschäftigten sollte ehrlicher umgegangen werden (nicht alle Lehrkräfte sind überlastet und bringen sich in die Teams und Arbeitsbereiche vergleichbar ein). Für die besonders engagierten und belasteten Kolleg*innen an den Schulen sollten Möglichkeiten gegeben werden, zusätzliche Anerkennung, Gehalt und Entlastung für besondere Tätigkeiten zu erhalten.
  8. Auf die Zeit wachsenden Personalmangels sollte flexibler reagiert werden. Reduzierte formale Hürden für geeignete Seiten- und Quereinsteiger*innen bei gleichzeitiger Qualifikation und Begleitung sollten gemeinsam mit Fortbildungsinstituten und Universitäten neue Perspektiven für neue Lehrkräfte aus anderen Berufen schaffen, die autonomer von den Schulen selbst gestaltet werden und auch als Bereicherung und Verstärkung des Kollegiums gesehen werden sollten.
  9. In der Zusammenarbeit zwischen Schulleitungen und Behörde ergeben sich durch Initiativen wie die „kooperative Steuerung“ neue Ideen und Vorschläge für verbesserte Kooperationen und Abläufe. Die von den Beteiligten investierte Energie und Zeit macht aber nur dann Sinn, wenn entwickelte Vorschläge dieser AG zeitnah auch mit entsprechenden Ressourcen und veränderten Strukturen umgesetzt und realisiert werden.
  10. Der Bremer Schulkonsens verspricht verstärkte Anstrengung zu mehr Investitionen in den Schulbereich (z.B. Angleichung der Investitionen an andere Stadtstaaten), die mit der nächsten Koalition auch umgesetzt werden sollten.
  11. Das föderale System hat im Bereich Bildung teilweise absurde Eigenwege entwickelt und sollte verstärkt durch den Bund unterstützt, ergänzt oder ersetzt werden, zumal viele Kommunen und Länder mit einigen Aufgaben überfordert sind.
  12. Das professionelle Berufsbild von SL muss modernisiert und an die aktuellen Erfordernisse angepasst werden, um den Beruf attraktiv zu halten und eine professionelle und arbeitsteilige Organisation von Schule vor Ort zu verbessern.

Zwischen Schulleitungen und Lehrkräften kommt es immer wieder zu Konflikten durch die unterschiedlichen Rollen und Aufgaben, die sich nicht immer unter einen Hut bringen lassen. Aber wir sollten uns bewusst sein, dass größere Fortschritte nur durch gemeinsame - durchaus kontroverse - Diskussionen, Vorschläge (siehe „Bremer Bündnis für Bildung“) und praktische Projekte auch mit Schüler*innen, Eltern und Politik erreicht werden. So kann gute Schule gelingen.

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