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Betriebsratslose Zeit geht zu Ende

Eine Gruppe von engagierte ArbeitnehmerInnen der Stadtteil-Schule haben mit Hilfe der GEW Bremen die ersten Schritte zur Bildung des ArbeitnehmerInnen-Gremiums eingeleitet. Die mehr als 500 Beschäftigten werden noch in diesem Sommer eine Interessenvertretung bekommen. Geplant ist die Wahl des Betriebsrates in der Woche vor den Sommerferien. Dann haben KollegInnen endlich die Möglichkeit, sich direkt bei Fragen zu ihrem Arbeitsverhältnis, zu ihrem Arbeitsplatz oder ihrem Arbeitgeber unterstützen zu lassen.

16.04.2016 - Die Stadtteil-Schule bekommt im Juni erstmals eine eigene Interessenvertretung | von Karsten Krüger

Die Geschäftsführung der Stadtteil-Schule hat bei ersten Gesprächen versichert, dass sie den Weg zum neuen Betriebsrat "kooperativ begleiten wird". Geschäftsführer Heinz-Gerd Korte sieht keine "unbedingte Notwendigkeit für eine Interessenvertretung und kaum Probleme innerhalb der Belegschaft", sagte aber auch: "Wenn der Wunsch nach einem Betriebsrat und die Rechtsgrundlage dafür besteht, dann braucht die Geschäftsführung nicht zickig zu reagieren."

Kritische Prüfung der Arbeitsbedingungen
Dass es kaum Probleme bei ihrem Arbeitgeber gibt, kann Barabara Schüll nicht bestätigen. Sie arbeitet seit 14 Jahren für die Stadtteil-Schule als Vorkursleiterin. Derzeit unterrichtet sie an der Grundschule am Halmer Weg. Sie hält es für notwendig, dass es eine Interessenvertretung für die Beschäftigten gibt. „Wir brauchen einen engagierten Betriebsrat, der nicht nur bei Einstellungen aktiv ist, sondern auch die Arbeitsbedingungen kritisch prüft und Verbesserungen mit auf den Weg bringt. Die Stadtteil-Schule könnte sich so zu einem attraktiveren Arbeitgeber entwickeln und nicht nur als Warteschleife für die Übernahme in den öffentlichen Dienst fungieren.“ Wichtig ist ihr auch, dass mit dem Betriebsrat die Möglichkeit auf die Entwicklung eines Betriebsklimas besteht. "Meine KollegInnen aus den Alphabetisierungskursen haben mir berichtet, dass in den Vorklassen sehr stark differenziert werden muss, um allen SchülerInnen gerecht zu werden. Das ist sehr anstrengend und geht schnell auf die Gesundheit. Vorsorge in diesem Bereich deckt die Geschäftsführung nicht ab", so Schüll.
Ihre Kollegin Mariam Leithe-Akhazan unterrichtet an der Oberschule Findorff neu nach Bremen gekommene Kinder und Jugendliche. Auch sie freut sich über die aktuelle Entwicklung. "Gut, dass ein Betriebsrat entsteht, dass alles in trockene Tücher kommt. Es ist wichtig, dass wir Vertrauenspersonen bekommen, die  zwischen dem Chef und den MitarbeiterInnen vermitteln können. Und bei denen wir um Rat fragen können."

Instrument zur Einsparung von Personalkosten
Die Stadtteil-Schule macht seit mehreren Jahrzehnten Angebote für lese-rechtschreibschwache und rechenschwache Kinder, aber vor allem soll sie einen Teil der Krankenvertretung für das Bildungsressort organisieren - so der offizielle Aufgabenschwerpunkt. Mittlerweile stellt sie aber bereits zirka zehn Prozent der Lehrkräfte an den Schulen der Stadt. Und die Personalkosten für diese KollegInnen sind im Vergleich zu den Lehrkräften bei der Senatorin für Kinder und Bildung wesentlich niedriger. Die MitarbeiterInnen der Stadtteil-Schule klagen insgesamt über ungünstigere Arbeitsbedingungen. Viele ärgern sich, dass sie unter prekären Verhältnissen arbeiten müssen – oft befristet oder als LeiharbeiterInnen. Genau das kritisiert auch die GEW Bremen und der Personalrat Schulen, der nur bei wenigen Fragen, die die Stadtteil-Schule betreffen, in der Mitbestimmung ist.
Christian Gloede, Vorstandssprecher bei der GEW Bremen, ist sehr zufrieden, dass die Initiative, einen Betriebsrat zu bilden, jetzt konkret geworden ist. "Wir haben uns mit der Geschäftsführung, mit Herrn Korte und seiner Stellvertreterin Sabine Friedrich verständigt, dass alle Beschäftigten der Stadtteilschule zu einer Betriebsversammlung am 9. Mai eingeladen werden. Dort wird dann auch der Wahlvorstand für Betriebsratswahl bestimmt." Nach der Betriebsratswahl haben die Beschäftigten dann erstmals die Chance, die Rahmenbedingungen ihrer Arbeitsplätze aktiv mit zu gestalten. Alle ArbeitnehmerInnen treffen sich um 15.00 Uhr im Bürgerhaus Vahr.

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