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Berufspaedagogische Beratungsstelle

"Ohne sozialpädagogische Begleitung bleiben viele Schüler vor der Tür"

Interview mit Michael Ecks, Leiter der Berufspädagogischen Beratungsstelle an der Allgemeinen Berufsschule

16.03.2014

Alle Schülerinnen und Schüler im 11. und 12. Schulbesuchsjahr können sich in der Berufspädagogischen Beratungsstelle an der ABS über Bildungsangebote informieren und müssen sich – wenn sie keinen Schul- oder Ausbildungsplatz haben - über den weiteren Verlauf ihrer Schulpflicht beraten lassen. Mehr als 2000 machen jährlich davon Gebrauch. Die dortige zentrale Berufspädagogische Beratung und Steuerung (BEST) informiert über und vermittelt in ausbildungsvorbereitende Bildungsgänge. Wie passgenau das möglich ist und mit welchen Problemen die BEST zu kämpfen hat, berichtet Beratungsdirektor Michael Ecks.

BLZ: Viele Schülerinnen und Schüler von den allgemeinbildenden Sekundarschulen kommen häufig mit unzureichenden Kenntnissen über Möglichkeiten und Chancen beim Thema Berufseinstieg in die Berufsschulen. Wie sind sie mit der Qualität der Berufsorientierung zufrieden?
M. Ecks: Die Berufsorientierung dort ist schon eine Hilfe, aber es gibt große Unterschiede bei den Schulen. Im Bildungsgang Werkschule läuft das zum Beispiel gut, die notwendige Brückenfunktion ist dort vorhanden. Die BEST nimmt regelmäßig Kontakt zu den Sek-I-Schulen und Förderzentren auf. Wir streben dennoch eine noch bessere Vernetzung an. Ich werde deshalb versuchen, das Thema Berufspädagogische Beratung über die Schulaufsicht bei den Schulleitungen der Oberschulen in Erinnerung zu rufen. Vor allem werde ich die Kollegen wieder bitten, uns rechtzeitig Betroffene zu nennen, die im Sommer bildungsmäßig nicht versorgt sind.

BLZ: Wo liegen die größten Probleme, Schüler möglichst passgenau zu beraten?
M Ecks: Je später die Schüler zu uns kommen, desto schwieriger wird die Beratung. Zu Beginn eines Schuljahres bestehen noch ausreichend Möglichkeiten, einen passenden ausbildungsvorbeitenden Bildungsgang zu finden oder vormerken zu lassen. Im Laufe eines Schuljahres nimmt das ab. Die Plätze sind dann schnell belegt.. Es enstehen Engpässe. Diesen Engpässen kann man zwar vorbeugen. Wir weisen die Bildungsbehörde in solchen Fällen rechtzeitig darauf hin, dass es dann zusätzliche Kapazitäten geben muss, dass neue Klassen dazu kommen müssen.

BLZ: Wie zufrieden sind Sie mit der Nachsteuerungsbereitschaft durch die Behörde?
M. Ecks: Aktuell haben wir recht gute Erfahrungen gemacht. Die Kooperation klappt auch im Bereich der Sprachklassen. Es mussten viele Flüchtlinge, die nach Bremen gekommen sind, eingeschult werden. Die neuen Klassen sind aber schon wieder ausgebucht, wir haben höchstwahrscheinlich weitere Bedarfe.

BLZ: Kann man also sagen: Die Bildungsbehörde reagiert, wenn die ABS Bedarfe signalisiert?
M. Ecks: So generell kann man das über alle Jahre hinweg sicherlich nicht sagen. Aber in 2014 hat in diesem Zusammenhang – auch angesichts der knappen Kassen - vieles stattgefunden.

BLZ: Was bleibt noch zu tun?
M. Ecks: Wir haben Nachholbedarf an Beratungslehrerstunden. Das Defizit ist über Jahre entstanden und immer größer gewachsen. Unsere Dokumentation hat gezeigt, dass die Schülerzahlen enorm angestiegen sind. Es besteht ein Missverhältnis zwischen den Lehrerstunden und den Schülerzahlen. Wir haben auch hier die Hoffnung, dass nachgesteuert wird, dass unser Team durch zwei Kollegen in Teilzeiteinsatz verstärkt wird. Das wäre ein Fortschritt. Wir brauchen auch eine Aufstockung im Verwaltungsbereich, da hat sich inzwischen aber schon etwas bewegt. Und es gibt eine weitere Baustelle, die noch nicht bearbeitet ist: die fehlende sozialpädagogische Unterstützung. Die brauchen wir dringend, gerade bei der Aufgabe, die Einhaltung der Schulpflicht in Bremen zu überwachen und zu gewährleisten. Ohne Sozialpädagogen ist dies nicht zu leisten. Ein Andocken einer solchen Fachkraft an die BEST hätte erhebliche Vorteile, insbesondere für Schülermeider und Schulschwänzer, die neue Impulse brauchen, um an Berufspädagogische Beratung und Unterricht wieder herangeführt zu werden.

BLZ: Wie kann dieses Problem gelöst werden?
M. Ecks: Es gibt einen entsprechenden Antrag, der liegt bei der Bildungsbehörde.

BLZ: Kann eine Beratung ohne sozialpädagogische Unterstützung nachhaltig und erfolgreich sein?
M. Ecks: Ohne vernünftige sozialpädagogische Begleitung, d. h. ohne mindestens eine volle Stelle, bleiben in der Tat viele Schülerinnen und Schüler mit ihrem Bildungsanspruch, ihren Möglichkeiten, dem Recht auf Schule, vor der Tür.

BLZ: Hat die die neu eingerichtete Zentrale Beratung Berufsfachschule (ZBB) die Arbeit der BEST verändert?
M. Ecks: Die ZBB ist ein ESF-gefördertes Drei-Jahres-Projekt, das im Herbst 2014 in dieser Form auslaufen wird. Die ZBB ist keine Konkurrenz, eher eine sinnvolle, notwenige und hilfreiche Ergänzung. Es gibt Schnittstellen, über die sich auch Synergieeffekte erzielen ließen. Schüler, die trotz Abschluss keinen dualen Ausbildungsplatz finden und auch nicht zur Berufsfachschule wechseln, kommen häufig zu uns in die BEST und wir vermitteln dann z. B. in den Bildungsgang ‚Berufspraktikantenklasse‘. Das Aufgabenfeld der ZBB sollte fortgeführt werden. Es laufen Gespräche und Verhandlungen, in welcher Form es weiter gehen kann. Sinnvoll wären Lösungen, die die sachlichen Argumente in den Vordergrund stellen und vor allem Lösungen, die den Schülerinnen und Schülern nutzen. Ein Schicken von Tür zu Tür ist nicht motivationssteigernd.

Die Fragen stellte Karsten Krüger

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