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Atomausstieg im Schneckentempo

Aus Sicht des BUND dauert der Atomausstieg viel zu lange und muss nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima beschleunigt werden. Auch die von der Bundesregierung beauftrage Sicherheitskommission kann einen Störfall in keinem der AKWs in Deutschland ausschließen. Wenn der Großteil der Atomkraftwerke erst um das Jahr 2020 abgeschaltet wird, muss die Bevölkerung viele weitere Jahre mit der ständigen Gefahr schwerer atomarer Störfälle leben. Und wer trägt die Kosten eines atomaren Unfalls in unserem Lande, der mit acht Billionen Euro beziffert wird und dem 25fachen des Bundeshauhalts entspricht? Bürgerinnen und Bürger müssen Entsetzliches unmittelbar oder über Jahrzehnte hinweg erleiden. Dagegen sind die Mehrkosten mit denen durch den Ausbau Erneuerbare Energien, durch Energieeffizienz und Gebäudesanierung zu rechnen ist, „Peanuts“.

16.07.2011 - von K. Muchow

Der atomare Müllberg wächst, kein Endlager ist in Sicht, Gorleben wird immer noch nicht aufgegeben. Dabei sollte die Endlagersuche neu gestartet und ergebnisoffen diskutiert werden, wissenschaftliche Kriterien sind vorher festzulegen, die dann an verschiedenen Standorten geprüft werden. Im Mai wurden acht Atommeiler stillgelegt ohne dass eine Stromlücke in Deutschland entstanden ist, wie die Stromkonzerne vorher behaupteten. Zwei weitere AKWs könnten sofort abgeschaltet werden, wenn Überkapazitäten genutzt und Reserven im Kraftwerkspark genutzt werden. Atomstrom aus Frankreich muss zum Ausgleich nicht importiert werden.

Drei deutsche Atomkraftwerke dürfen bis 2021 (Grohnde, Grundremmingen C und Brokdorf), drei weitere bis 2022 (Isar II, Neckarwestheim und Emsland) in Betrieb bleiben, dann werden diese 6 AKWs recht schnell ausgeschaltet, statt einen wirklichen Stufenplan hinzulegen. Denn für die Erneuerbaren Energien wird es schwer mit sechs abgeschriebenen hochrentablen AKWs zu konkurrieren. Zumal der Ausbau der Erneuerbarer Energien laut den Plänen der jetzigen Bundesregierung nicht beschleunigt sondern wie zuvor bei 35 Prozent stehen bleibt, trotz des Atomausstiegs. Dabei ist jetzt der Zeitpunkt für eine wirkliche Energiewende gekommen. Dies betrifft auch jeden von uns durch Energieeinsparung zu Hause und im Betrieb. Energieeffizienz und dezentrale Energieversorgung sind neben Erneuerbare Energien die Schlüssel zum schnelleren Atomausstieg. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat im Mai veröffentlicht, dass der Atomausstieg klimaverträglich (ohne weitere Kohlekraftwerke) und wirtschaftlich machbar ist. Selbst das Umweltbundesamt geht davon aus, dass der Atomausstieg bis 2017 möglich ist. Einige Studien zeigen, dass die Stillegung der AKWs bereits bis 2015 zu realisieren ist.

Der BUND fordert die Atomkraftwerke mit folgenden Instrumenten weg zu sparen:

  1. Energie-Effizienzfonds; 20% Einsparung bis 2020
  2. Erneuerbare Energien schneller ausbauen, 45 % bis 2020
  3. Erneuerbare Energien in einem intelligenten Stromnetz integrieren und dezentral vernetzen
  4. Bau flexibler hocheffizienter Gas-Kraftwerke als Puffer und Übergangslösung
  5. Impulsprogramm für dezentrale Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen

Der Atomausstieg muss unumkehrbar werden und nicht an Regierungen gekoppelt sein. Das Motto muss heißen: Atomkraft nie wieder!

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